Freiheit durch Lesen – Lesefreiheit?

Gerade aus Berlin zurückgekommen erwartete mich dieser Tweet:

Worum ging’s? Letzten Sommer führte Brasilien ein neues Programm ein, nach dem Häftlinge ihre Haftzeit durch das Lesen von Büchern verkürzen konnten.

Artikel aus dem Tweet (auf Englisch) hier.

Artikel zum gleichen Thema von Spiegel Online hier.

Hm, interessant, dachte ich. Meine Antwort an Jean-Paul, der im übrigen ein sehr lesenswertes Blog betreibt, ging sich in drei Tweets nicht aus, also der Griff zum Laptop.

Also: durch das Lesen von Büchern können weibliche und männliche Häftlinge in fünf Haftanstalten in Brasilien ihre Haftzeit verkürzen. Pro Buch vier Tage Haftzeit weniger, maximal 12 Bücher im Jahr, also maximal 48 Tage weniger, das ist ja schon mehr als ein Monat. Toll. Und am Schluss kommen sie mit einer humanistischen Grundeinstellung raus und tun nie mehr Böses oder so. Oder nicht?

Die Bücher werden vorher ausgesucht und sollen aus verschiedenen Bereichen stammen. Ganz klar ist nicht, ob es “Klassiker der Wissenschaftsliteratur, Philosophie und Belletristik” sein sollen, ob klassische brasilianische Literatur, wissenschaftliche und philosophische Lektüre oder Literaturklassiker allgemein, sowie wissenschaftliche und philosophische Lektüre.

Und da sind wir gleich beim ersten Problem, das ich mit einer solchen Vorstellung habe: Wer soll denn diese Bücher aussuchen? Wenn eine Bibliothek eine solche Aktion unterstützt, sollte der gesamte Katalog der Bibliothek angeboten werden, war mein erster Impuls. Der Zwang zum Bücherlesen hat schließlich noch nie Lesefreude bewirkt – erinnert euch bitte an euren Deutschunterricht. Wenn der gut war, hattet ihr Glück.

Was ist aber, wenn sich die GefängnisinsassInnen Bücher mit *huch* erotischem, pornografischem, gewalttätigem, rassistischem, sexistischem und anderem unerwünschtem Inhalt bestellen? (Bufo Calvin erwähnt in seinem Blog “I Love My Kindle” z.B. The Anarchist Cookbook, aber auch “problematische” Klassiker der Weltliteratur.) Soll das eingeschränkt werden? Wer überprüft den Inhalt der Werke? Ein Kanon humanistischer Erbauungsliteratur also? Sensibilisierende Fachbücher? Wie gut müssen die sein, damit Lesefreude aufkommt?

Das sind Ansätze aus dem 19. Jahrhundert, wie Verena Kern in einem Artikel und ihrer Diplomarbeit über Gefangenenbibliotheken in Österreich darlegt. Nach Lektüre dieses Artikels zeigt sich ganz klar: Nein, eine öffentliche Bibliothek kann nicht so einfach ihren ganzen Katalog zur Verfügung stellen. Gefangenenbibliotheken unterliegen besonderen Bedingungen und Einschränkungen.

Ok, also ein festgelegter Kanon. Damit überprüft werden kann, dass die Bücher auch wirklich gelesen und verstanden wurden, sollen die Häftlinge Essays über die Bücher schreiben. Die sollen aber leserlich und fehlerfrei sein, sowie Absätze und Seitenränder haben.

Hm. Und wie soll das gehen, wenn eine Mehrheit der Häftlinge Brasiliens nicht einmal die Volksschule abgeschlossen haben, viele AnalphabetInnen und funktionale AnalphabetInnen sind? Glaubt bloß nicht, dass es in Europa besser wäre. Dieses Problem ist sehr viel gewichtiger als “Oh, aber da muss man ja einen Kanon festlegen”.

In dem Artikel, den mir Jean-Paul geschickt hat, gibt es einen Trailer zu dem Film “Barreras”, initiiert von dem Musiker Rafael Kalil, produziert von Iemanjá Cinematográfica. Letztes Jahr wurde via Crowdfunding Geld gesammelt, um den Film auch wirklich zu produzieren, wie es um ihn jetzt steht, weiß ich nicht, aber hier ist der Link zur Beschreibung (weiter unten auf Englisch).

In diesem Trailer (Link zum Trailer auf Youtube) sagt der Musiker BNegão ab Minute 3:02:

If you want to make your inner self better, you need to take care of everybody and everybody includes people that are in there [prison] as well. Because these people will get out one day. They are serving a sentence and the sentence one day will end [sic]. If you don’t give those people the chance to change, learn a profession, learn how to read, learn how to write, get better or at least that the conditions one finds himself in don’t get worse [sic], things just won’t get any better. On the contrary, everything will get worse

Also müsste eine solche Initiative viel breiter gefasst sein. Es reicht auch nicht aus, nur Lesen und Schreiben zu unterrichten – alles, was so zu einer Grundbildung dazugehört müsste vermittelt werden und wenn diese Stufe abgeschlossen ist, dann sollte auch noch eine Person da sein, mit der die gelesenen Bücher besprochen werden können und die Feedback zu den Essays geben kann.

Ohne den breiten Unterricht bevorzugt diese Initiative solche, die bereits lesen, schreiben und sich ausdrücken können, wie Bufo Calvin zu bedenken gibt. Gleichzeitig ist es aber auch nicht so, dass alle Gefangenen an diesem Programm teilnehmen dürfen, nein, sie werden vorher ausgesucht (Link zum Community Blog von Canadian Broadcasting Coproration cbcnews). Und nach welchen Kriterien findet das statt? Wird nicht gesagt.

Welche Rolle können jetzt Bibliotheken in dem Ganzen spielen? Tja: Es gibt schon lange Gefangenenbibliotheken bzw. -büchereien (seit den 1960ern in Deutschland und Österreich gesetzlich vorgeschrieben) und dort auch BibliothekarInnen (ja, auch wenn sie nicht alle die tradionelle BibliothekarInnenausbildung gemacht haben).

Ein paar Links (nein, ich hab das jetzt nicht alles gelesen):

Zur Situation in österreichischen Bibliotheken gibt es wie bereits erwähnt, einen Artikel, der einen guten Überblick bietet und eine Diplomarbeit von Verena Kern (die Diplomarbeit übrigens betreut von Monika Bargmann aka @librarymistress).

Infoseite zu Gefangenenbibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbands

Praxiserfahrungen in Gefangenenbibliotheken (Land Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, u.a. – auch eine Seite des Deutschen Bibliotheksverbands)

Eine amerikanische Bibliothekarin, die zu “Exploring Prison Librarianship” schreibt – Link zum Artikel über die brasilianische Initiative.

Für Deutschland gibt es auch den Verein “Freiabonnements für Gefangene e.V.”, der Bücherspenden, Zeitungsabospenden, Weihnachtspakete, etc. für Gefangene entgegennimmt – wichtig, weil Häftlinge Zeitungsabos beziehen müssen, wenn sie sich andere Zeitungen als in ihrer Bibliothek ansehen wollen, sich die aber oft nicht leisten können.

Was andere Bibliotheken tun können? In Ländern, wo Gefangenenbibliotheken noch nicht Standard sind, sich für solche einsetzen, bzw. sie gründen. Und sobald sie existieren: Sich mit ihren KollegInnen aus den Gefangenenbibliotheken austauschen, sie teilhaben lassen an den letzten Entwicklungen, sie unterstützen bei der Ausbildung, bei der Erwerbung, beim Aussondern der Bestände etc.

Aber was ist jetzt mit der Initiative, Lesen gegen Haftreduzierung? Machen wir daraus Bildung gegen Haftreduzierung mit einem Stufensystem, das auch das Lesen und Besprechen von Büchern einschließt, dann klappt das vielleicht. Aber im Großen und Ganzen habe ich zu wenig Ahnung vom Strafvollzug, um da eine fundierte Lösung anzubieten.

Sich klonen können wäre gut – Bibcamp Teil 3

Jetzt kommen wir endlich zum Bibcamp. Ja, hat lange gedauert. Was ein Bibcamp ist, habe ich schon in Teil 1 erklärt. Mehr Info zu allem findet ihr auch auf dem Bibcamp-Blog, im Bibcampwiki und auf bibliothekarisch.de, wo die unvergleichliche Dörte Böhner @bibliothekarin eine Liste mit allen Blogbeiträgen zum 6. Bibcamp erstellt hat.

Noch dazu war ich auf dem Weg von der Stadtbibliothek zur U-Bahn hinter einer Kindergartengruppe gelandet, die sehr lustig war, von daher musste ich die natürlich ein wenig beobachten (ja, musste). Aber geschafft habe ich es trotzdem. Schnell noch das Umhängeschild und den WLAN-Zugang geholt und meinen Namen und den Twitternamen draufgekritzelt. Der große Saal war fast voll. Als ich dann in der hintersten Reihe die Katzenohren aufsetzte und mal tweetete, dass ich jetzt da war, wurde ich freundlich begrüßt.

Schließlich hatte ich ja alle schon vorgewarnt:

Und dann hieß es aufstehen. Mir war nämlich eine Session-Idee eingefallen und alle, die Sessions vorschlagen wollten, sollten sich vorne aufstellen. Tja.

Klar sagt ihr jetzt: “Aber warum setzt du dir dann Katzenohren auf?” Das Zittern kam nicht von den Katzenohren. Das Zittern kam davon, dass da an die 180 Leute waren, die ich nicht persönlich kannte und denen ich jetzt eine Session vorschlagen sollte. Per Mikrofon.

Aber mit freundlicher Unterstützung via Twitter habe ich es geschafft. Ich habe eine Show&Tell-Session vorgeschlagen, in der Annahme, dass alle wissen, was ein Show&Tell ist. Sollte nie angenommen werden. In meinem Kopf sah das so aus: Wir alle kennen coole Dinge, die auf Twitter oder Facebook weder so ausführlich, noch so begeistert vorgestellt werden können. In meiner Show&Tell-Session hätten sich Menschen gefunden, die eben etwas vorzustellen hatten – egal was – und in kurzen Impulsreferaten ihre Dinge vorstellen würden. Quasi Minisessions in einer Session. Ja. Mit zittrigen Händen sowas rüberzubringen ist nicht so leicht. Nächstes Mal hab ich das dann ausformuliert und kann’s allen nochmal näherbringen.

Nachdem alle ihre Sessions vorgeschlagen hatten, wurde der Sessionplan erstellt und dabei wurde ziemlich bald klar, dass uns allen die entscheidende Fähigkeit abging, uns zu zerteilen und so bequem an mehreren Sessions teilzunehmen. So sah ein Teil vom Sessionplan (ich sehe gerade es war der vorläufige von Samstag) aus:

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Im Bibcampwiki könnt ihr sehen, welche Sessions es gab und zu vielen die Dokumentation dazu lesen. Ich habe für Freitag geschätzt, dass es ca. 30% Frauen waren, die Sessions vorschlugen und ca. 70% Männer – anscheinend schon eine große Verbesserung zum vorigen Jahr.

Die erste Session, die ich am Freitag besuchte, war “Schöner Scheitern”, ausgezeichnet moderiert von Jens Wonke-Stehle @akte20_09. Klugerweise hatte er auch einen hashtag für die Session vorgeschlagen – #schoenerscheitern (macht das öfter, Leute!). Ich bette jetzt nicht alle meine Tweets ein (zu mühsam), sondern mache ein Telegramm daraus:

Jens will in Ruhe scheitern – Der dfg auch mal sagen, dass ein Projekt Quatsch ist – Projektdatenbank mit Anmerkungen, was nicht so gut gelaufen ist, lessons learned – Sprachhürden beim Artikelschreiben für Neulinge verhindern neue Impulse – Auch bei gut gelaufenen Projekten sagen, was gut gelaufen ist! – Bibliothekarische Projektkultur & Geldgeberkultur, jedes Projekt sollte auch wissenschaftl. Projekt sein

Aber wie ist das mit Fehlern, die Personen machen, sollten ja nicht angeprangert werden – Muss ein Projekt unbedingt Erfolg haben? Keiner will das schwarze Schaf sein und Bedenken haben – The portal that should not be named (Vascoda) – Es wird ohnehin hintenrum über Scheitern geredet, Offenheit würde Spekulationen vielleicht verhindern – Es braucht eine neue Fehlerkultur – Scheitern in die Zieldefinition einbauen, statt genauen Definitionen, wie welcher Erfolg erreicht werden muss

Bibliotheksinterne Projektdatenbanken braucht es! Besonders für kleinere Projekte, Dokumentation und Wissenstransfer (dass sie bibliotheksintern sein sollten war ein Vorschlag von mir) – Dokumentation darf aber Projekt nicht ersticken – Wenn externe Mitarbeit gefragt ist, wird es kritisch über Scheitern zu sprechen, um nicht zu entmutigen – Bibliothekscommunity ist so klein, dass sie sich Scheitern nicht leisten kann, wie trotzdem dokumentieren? – Werkstattberichte für Projekte, die gerade stattfinden, wo es noch kein Scheitern gibt?

Ausprobieren, ob es funktioniert statt muss ein Erfolg werden. Viel fataler, es gar nicht zu probieren – Projektdatenbank für knowledge transfer ist gescheitert. Hm. – Fehlende Fehlerkultur führt zu fehlender Innovation. Soll Ausprobieren belohnt werden? – Problem bei Belohnungen: Leute schlagen vor, führen aber nicht aus. Vorschlagende/r muss die Verantwortung übernehmen – @darisan (Louise Rumpf) sagte Organisationsstrukturen können Scheitern fördern – Lebenslanges Scheitern selbst lernen – ohne Scheitern funktioniert lernen nicht! – Kann nicht klatschen, muss Twittern!!! #schoenerscheitern #bib6

Lessons learned auf dem Flipchart:

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Fazit? Bei sich selbst anfangen und mit anderen über Fehlerkultur sprechen. Wir waren ca. 50 Leute, es ist also Interesse da, das Scheitern in den Bibliotheken offenzulegen, zu besprechen und zu akzeptieren. Ihr findet, das war sehr viel Getwitter? Ja. Mein Smartphone war danach leer. Also:

Danach ging’s in die von Jana Haase @xanaha und Petra Häusbauer moderierte Session “Innovationen vorantreiben/Kollegen (die Kolleginnen fehlen) ‘mitnehmen'”. Da mein Smartphone laden musste, habe ich von dort nur sehr wenig getwittert. Wie KollegInnen in die neue Bibliothekswelt mitgenommen werden können, dafür konnten wir ohnehin keine allgemeingültigen Handlungsanleitungen geben. Klar wurde, dass sich Menschen allen Alters gegen Innovationen erfolgreich langfristig wehren können. Langer Atem und Engelsgeduld sind also gefragt. Dass das die innovativen BibliothekarInnen dadurch frustriert werden, ist klar – und dass dann die Motivation sinkt, Innovationen einzuführen und voranzutreiben auch. Hm.

Als nächstes wäre eigentlich das in die Pause verschobene Show&Tell dran gewesen, aber Pausen sind zum pausieren da. Also wurde Show&Tell auf den nächsten Tag verschoben. Schließlich stand die letzte Session des Tages auf dem Programm. Ich hatte mir ursprünglich “Humor in Bibliotheken” – witzig storified von Moderatorin Sandra Dahlhoff @sandraausnrw – ausgesucht. Aber nach einer kurzen Rede zu Katzenohren und Clownnasen (ja …), Barrieren abbauen, etc., haute ich dann zu den Campus Communities ab (weil ich mir selbst lustig genug vorkomme *hust*).

Was denn Campus Communities sein sollten, davon hatte ich wohl eine ganz andere Vorstellung als der Rest. Ich hatte nämlich vor dem Bibcamp einen kleinen Rant auf diesem Blog angefangen und ihn dann doch nicht veröffentlicht, Grundtenor: “Universitäten in GB, Irland, USA, Kanada tun mehr für ihre StudentInnen, binden sie enger an sich, das ist gut für die StudentInnen und auch gut für die Unis, die Hierarchien sind flacher, warum geht das im deutschsprachigen Raum nicht und was können Bibliotheken tun, um das zu ändern.”

Tatsächlich ging es aber in der Session um lokale/regionale wissenschaftliche soziale Netzwerke für WissenschaftlerInnen und ev. StudentInnen. Die Session, moderiert von Felix Lohmeier @felixlohmeier ist im Wiki von ihm auch wirklich extrem gut dokumentiert worden und Frau Lesewolke @lesewolke hat auch dazu gebloggt, also spare ich mir da jetzt den genauen Bericht. Meine Punkte haben es auch in die Session geschafft, wie ihr da sehen könnt. Fazit: Eine Campus Communitiy wird an der SLUB Dresden ausprobiert (ohne StudentInnen). Wie das mit der Anbindung von StudentInnen an ihre Universitäten und der Abflachung der Hierarchie werden soll, steht leider in den Sternen. Diese Session hat mir, neben Schöner Scheitern, am besten gefallen, da von den meisten TeilnehmerInnen intensiv diskutiert wurde und viele verschiedene Ansichten einflossen.

Damit war der erste Tag vorbei, nach köstlicher Pizza & späteren Getränken ging’s ab zum Schlafen. Und dann brach der 2. Tag des Bibcamps an.

Jetzt galt es!

Gesagt, getan. Und nach allerlei Plaudereien mit den BibliothekarInnen, die ich vor dem Bibcamp auf Twitter getroffen hatte, ging es in die erste Session: Neue Dienstleistungen in Bibliotheken – Prototyping mit Lego, moderiert von Elena Mastrapasqua und Dierk Eichel. Auch diese Session wurde storified und da viele meiner Fotos und Tweets dort landeten, erspare ich mir jetzt das Posten aller meiner Fotos und verweise euch dorthin. In den Videos könnt ihr sogar die Katzenohren in Aktion sehen.

Die nächste Session musste ich unbedingt besuchen: Dörte Böhner @bibliothekarin moderierte die Session zu Bibliothekarische Blogs/Social Media und persönliche Weiterbildung. Frau Lesewolke hat in einem Open Knowledge Pad fleißig mitgeschrieben und später dazu gebloggt. Klar war, dass die persönliche Fortbildung per Social Media sehr viel bringt, zum Beispiel für KollegInnen, die in einer One Person Library arbeiten, aber eigentlich für alle.

Eine junge Auszubildende der Stadtbibliothek Nürnberg sprach an, dass sie sich aufgrund des Blogs der dortigen FaMis (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste) ein klareres Bild über ihre Ausbildung und ihre Ausbildungsstätte machen konnte. Das fand ich toll, denn genau das ist für mich ein Grund, warum alle Bibliotheken eine gute Präsenz im Internet haben sollten: Damit Menschen, die wissen möchten wie es denn in einer bestimmten Bibliothek so zugeht, das auch erfahren können, auf eine lebendige Art und Weise. Ein großes Problem sahen wir allerdings bei der Bewältigung der Informationsflut und bei der Weitergabe der Informationen an KollegInnen, die nicht via Twitter oder Facebook eingebunden sind. Daher sind meiner Meinung nach bibliothekarische Blogs, die Informationen aggregieren, wie z.B. bibliothekarisch.de, Lesewolke und in Österreich natürlich das VÖBBLOG, sehr wichtig, damit Informationen auch längerfristig und suchbar gespeichert und in Ruhe abgerufen werden können.

Vor dieser Session und danach gab es wunderbare Nürnberger Rostbratwürstchen auf Semmeln – Drei im Weggla heißt das. Das Essen war überhaupt ausgezeichnet. Und in allen Pausen nahm ich fleißig den Makerspace in Anspruch, den es auf dem Bibcamp gab. Bitte, es gab dort eine Buttonmaschine. Jede Bibliothek sollte sowas haben, die Welt wäre schöner und voller Buttons! Buttons! Buttons für alle! *hust* Nein, ernsthaft: mit einer Buttonmaschine lässt sich mit vergleichsweise kleinem Aufwand sehr viel Spaß haben.

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Und dann war es soweit, Ausreden halfen nicht, die letzte Session musste ihren Lauf nehmen. Ich war dran mit der Moderation. Show & Tell – Fundstücke also. In der Executive-Suite:

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Was wollte ich da eigentlich vorstellen?

Und was ist diese beste Verbindung? Das ist Ravelry, ein soziales Netzwerk plus Datenbank für StrickerInnen und HäklerInnen. Hier gibt es eine Tour, hier ist ein Artikel von Farhad Manjoo auf Slate.com über Ravelry, dann gibt es noch ein Ravelry Blog. Ihr mögt jetzt lachen. Aber in punkto BenutzerInnenfreundlichkeit gibt es wenige Seiten, die besser sind – und die Nützlichkeit für StrickerInnen lässt sich nicht verleugnen. Will ich etwas stricken, kann ich meine Suche nach einem Strickmuster extrem fein einstellen, Garne, Strickmuster und Projekte sind miteinander verknüpft, würde ich also einen Pullover stricken wollen, kann ich zuerst nachsehen, wer ihn denn noch gestrickt hat, wie der an einem echten Körper aussieht, in verschiedenen Farben, Garnen, welche Probleme aufgetreten sind, etc.

Dazu gibt es dann noch Gruppen zu allen möglichen Interessen, z.B. auch eine für BibliothekarInnen, aber besonders gut sind diese Gruppen natürlich für die Organisation lokaler Strickgruppen. Die digitale Bibliothek der Strickmuster, die sich aus Einträgen von Mustern aus Büchern, Magazinen, Webseiten und Mustern individueller DesignerInnen zusammensetzt, ist mittlerweile riesig. Jede Person hat die Möglichkeit, selbst entworfene Strickmuster in die Datenbank einzutragen und dann entweder auf ihr/sein Blog zu verlinken oder ein PDF zum Herunterladen zur Verfügung zu stellen. Das Einstellen der Muster ist gratis, die PDFs oder Ebooks können entweder zum Verkauf oder gratis angeboten werden. Und vieles, vieles mehr. Wenn ein/e StrickerIn z.B. ein Blog hat, können einzelne Strickprojekte mit den betreffenden Blogposts verlinkt werden und und und.

Als Nächstes stellte Sandra Dahlhoff @sandraausnrw awfullibrarybooks.net vor. Dort posten BibliothekarInnen Bilder von Büchern, bei denen sie sich fragen: “Warum hat unsere Bibliothek die eigentlich und wer macht so schreckliche Bücher?” In dem Gespräch, das folgte, wurde auch Monika Bargmann @librarymistress (die leider nicht beim Bibcamp war) erwähnt, die auf ihrem Blog eine Sammlung von Büchern und anderen Medien in denen BibliothekarInnen vorkommen, angelegt hat.

Dann kam Jakob Voß @nichtich dran, der eine API entworfen hat, mit der z.B. ermöglicht werden kann, dass BibliotheksbenützerInnen mobil auf ihre Bibliothekskonten zugreifen können, um ihre Leihfristen zu kontrollieren, Bücher zu verlängern, etc., etc., etc. Hier hat er darüber gebloggt und hier ist die Info zu seiner Patrons Account Information API. Eine App, die alle NutzerInnenkonten von allen Bibliotheken, die ich besuche, anzeigt, auf einem Interface alle ausgeliehenen Bücher sehen und verlängern können – besser als jedes fliegende Auto! Ich hoffe, das setzt sich baldigst durch. Dann noch kühn eine These aufgestellt:

Mehr dazu bald auf diesem Blog.

Jens @akte20_09 stellte dann Guerilla Gardening und spezifisch, die Samenbombe genauer vor. In der folgenden Diskussion über das Maker Movement bzw. die Do-It-Yourself-Bewegung wurde auch thingiverse erwähnt.

Letztes Thema war dann Bibliotheksbau und wie damit umgegangen werden soll, wenn der Architekt verbietet, Beschriftungen anzubringen, vorgestellt von Cynthia Lengler @cynnautilus. Aus der Not eine Tugend gemacht haben sie und die anderen BibliothekarInnen des Medienzentrums der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen in der Schweiz. Mit einer studentischen Theatergruppe wurden Filme erarbeitet und gedreht, die die Regeln der Bibliothek vorstellen sollen. Allgemeiner Favorit war der Film zu der in jeder Bibliothek oft gestellten Frage: Wo ist die Toilette?

Das war also mein Beitrag zum Bibcamp, neben unzähligen Tweets, den Katzenohren und einer fast immer offenen Klappe.

Mit Katzenohren nach Nürnberg – Bibcamp 2013, Teil 1

Nur zur Vorwarnung: Eine genauere Beschreibung des Bibcamps 2013 in Nürnberg findet in Teil 3 statt. Hier beschreibe ich vor allem meine Vorbereitungen und einen Teil meines Ausflugs vor dem Bibcamp. Teil 2 beschreibt dann meinen Kurzbesuch in der Stadtbibliothek Nürnberg. Wenn ihr aber wissen wollt, warum ich beim Bibcamp Katzenohren anhatte, lest weiter.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Sie ging schon am Donnerstagabend los, meine Reise nach Nürnberg zum Bibcamp 2013. Bibcamp? Ein Bibcamp ist ein Barcamp für BibliothekarInnen und Bibliotheksinteressierte. Und was ist ein Barcamp? Ein Barcamp ist eine andere Form der Konferenz, eine Unkonferenz, frei zugänglich, ohne vorher festgelegtes Programm. Abgehalten werden keine Frontalvorträge, sondern Sessions, die jede und jeder vorschlagen kann und in denen, vielleicht nach einem kurzen Vortrag der ModeratorInnen, alle zum mitdiskutieren eingeladen sind. Oder schaut mal hier auf Wikipedia, was ein Barcamp ist.

Im Vorfeld, beim Packen, ließ ich meinen Assoziationen freien Lauf. Aus unerfindlichen Gründen dachte mein Hirn, dass ich Hosen anziehen müsste, denn wir könnten ja möglicherweise auf dem Boden sitzen. Das kommt wohl von meiner Assoziation von “Barcamp” mit “Spontanität”. Das hab ich meinem Hirn dann schnell ausgetrieben. Aber mein Hirn wollte auch Katzenohren mitnehmen. Katzenohren? Die haben doch auf einer ernsten Veranstaltung nichts zu suchen! Ein Bibcamp ist doch kein Faschingsfest und auch keine Comicbörse. Aber sagt das mal meinem Hirn. Also war ich stark versucht, sie zuhause zu lassen. Eine kurze Meinungserhebung auf Twitter hat mich umgestimmt.

Katzenohren und R2Knee2

Foto Verena Lenes

Und warum Katzenohren? Was es mit denen auf sich hat, wurde ich öfter gefragt. Bei der ersten Anfrage habe ich leider komplett ausgeblendet, dass nicht alle wissen, woher das Katzenohrenmem kommt und habe die Frage daher wohl sehr ungenügend beantwortet (sorry!). Katzen- und andere Tierohren sind ein Bestandteil der japanischen (Comic)kultur. Ja, genau, die kommen aus den Manga, den Comics mit den großen Augen. Heute sind sie nicht mehr so topmodern (die Manga- & Animewelt hat sich entwickelt), aber als Verkleidung auf Conventions, wo sich alle möglichen Fans treffen, sind sie ein wichtiger Bestandteil. Mehr dazu natürlich auf Wikipedia.

Für mich sind die Katzenohren einfach lustig und ich finde mehr Spaß täte uns allen gut. Ich habe sie auch einmal in meiner letzten Bibliothek aufgesetzt, sogar mit geschminkter Katzennase und Schnurrbarthaaren (damals wirklich am Faschingsdienstag) und die vielen erstaunten und lächelnden Gesichter waren es mir wert. Meine und eure Barrieren abbauen ist daher ebenfalls ein Bestandteil meiner Motivation. Außerdem, zynisch gesagt, wissen jetzt alle wer ich bin – die mit den Katzenohren.

Dyeforyarn in Fürth

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Das Bibcamp 2013 begann offiziell am Freitag, dem 12. April um 13 Uhr. Ich machte mich, wie gesagt, schon am Donnerstag auf den Weg. Am Freitagmorgen wollte ich genug Zeit haben, um in Fürth bei Dyeforyarn Wolle einzukaufen. Was meine Strickleidenschaft mit Bibliotheken zu tun hat, sage ich euch dann in Teil 3.

“Und dann hast du dich auf den Weg zum Bibcamp gemacht!”, sagt ihr. Ja … äh, nein. Nachdem ich wieder in Nürnberg angekommen war, machte ich mich auf den Weg zu einem Comicladen, den Verena schon am Donnerstag besucht hatte. Sie erstand dort Alison Bechdel’s neuen Graphic Novel “Are You My Mother?” (erscheint diesen Herbst auf Deutsch)., lieh ihn mir als Abendlektüre und da er mir sehr gut gefiel (ihr “Fun Home” gehört ja zu meinen wichtigen Büchern), musste ich mir ein eigenes Exemplar anschaffen.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Ich bin jetzt noch ergriffen vor Ehrfurcht bei der Erinnerung an diesen Comicladen. Ultra Comix heißt er, in der Vorderen Sternengasse in Nürnberg liegt er. Drei Stockwerke Comics, Bücher, Plakate, Spiele, T-shirts und noch viel, viel mehr. Alles, was so ein Nerdherz begehrt. Außer “Are You My Mother?”, denn das letzte Exemplar hatte Verena gekauft.

Also ein bisschen geschmökert und Fotos gemacht, dann “Wie ein leeres Blatt” von Pénélope Bagieu und Boulet gekauft. Darin geht es um eine junge Frau, die eines Tages auf einer Bank aufwacht und ihr gesamtes früheres Leben vergessen hat. Boulet führt übrigens hier ein grandioses Comiconlinetagebuch.

Befürchtet ihr jetzt, dass ich vor lauter Wolle, Comics und Begeisterung nie zum Bibcamp komme? Fürchtet euch nicht! In Teil 2 geht es weiter in die …

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Editiert am 28.4. (Namen korrigiert).