Hey, dein Masterarbeitsthema steht nicht in deiner Liste

Vor einer Woche war ich in Berlin und habe vom Auftakt des 3. Semesters außer einer Erkältung, Essen, Comics und einem Buch vor allem ein Ding mitgebracht: Die Gewissheit, wo mein Masterarbeitsthema über den Transport von Geschichte auf Twitter zu verorten ist, nämlich in der Bibliometrie bzw. den Altmetrics. In der Vorlesung zur Bibliometrie kam mir dann eine weitere Idee, die mit 95%iger Sicherheit das Rennen machen wird, weil sie – so sehr mich meine anderen Themen interessieren – mir am Spannendsten vorkommt: Die Analyse des Hashtags #twitterstorians.

Was würde ich da gerne untersuchen?

  1. Wieviel wird pro Tag unter #twitterstorians getwittert?
  2. Wieviele Personen twittern pro Tag unter #twitterstorians?
  3. Wieviele Personen davon sind “offizielle” bzw. im Universitätskontext praktizierende Historiker*innen?
  4. In wievielen Sprachen wird getwittert?
  5. Was wird getwittert (Aufschlüsselung der Themen)?
  6. Wie oft wird gefavt/retweetet?
  7. Was wird verlinkt (Aufschlüsselung der Links nach Artikel/Blogpost/Buch/etc)?
  8. Proportion Verlinkung des eigenen Contents zu Verlinkung anderen Contents
  9. Und was mir sonst noch auffällt und möglich ist.

Ich würde eine Woche oder zweimal 3 Tage als Basissample herannehmen und falls es wirklich leicht geht, möglicherweise noch einen Vergleich mit dem Hashtag #twistoriography (den ich mitentwickelt habe)  einbauen. Warum mir das spannend und nützlich vorkommt? Weil es dann ein Sample gäbe, wie ein Hashtag für eine lose Gruppe – weil eben nicht alle #twitterstorians im Universitätskontext praktizieren bzw. es auch Menschen gibt, die *huch* keine “studierten” Historiker*innen sind und trotzdem am Hashtag teilnehmen bzw. ihn rezipieren – “Dinge” (zum Beispiel wissenschaftlichen Content, aber nicht nur) transportiert und verbreitet.

Jetzt muss ich nur noch a) beginnen, mich in die Altmetrics einzulesen und b) jede Menge Tools finden, die mir bei dieser Arbeit behilflich sein können und sich c) auch in der Arbeit abbilden lassen, denn d) glaube ich nicht, dass es eine Virtuelle Forschungsumgebung für IBI-Student*innen gibt, die sowohl die Tools als auch die Ergebnisse speichert (ich lache jetzt mal fröhlich hier an dieser Stelle), um sie später anderen zugänglich zu machen.

Und die Arbeit wird auf Englisch verfasst werden. Yep.

Aber was ist mit den anderen Themen? Die waren so gut und so spannend?! Ja. Drum werd ich sie nach Lust und Laune weiterbearbeiten – hier auf diesem Blog 🙂

1, 2 oder 3 – die Masterarbeit kündigt sich an

In eineinhalb Monaten reise ich für den Beginn meines zweiten Studienjahres nach Berlin. Dort studiere ich an der Humboldt-Universität Bibliotheks- und Informationswissenschaften im Masterstudiengang. (Ich mache also quasi den Master of Library and Information Science (MaLIS) bei Humboldt. Ja, diesen Witz erzähle ich, seit ich dort aufgenommen wurde.) Über den Winter ist das Schreiben meiner Masterarbeit angesagt. Aber welches Thema soll ich wählen? Warnung: Zynismus, Sarkasmus, Polemik.

Thema Nummer 1 (und mein liebstes): Wie wird Geschichte auf Twitter transportiert und wie können Informationseinrichtungen (Bibliotheken, Archive, Museen & mehr) sich daran beteiligen, d.h. Menschen für das Thema begeistern, auf ihre Bestände & Services aufmerksam machen, für sich Werbung machen, in Kontakt mit ihrer Gemeinschaft treten, etc. Ist aber nicht “Bibliotheks- und Informationswissenschaft” wurde mir gesagt, obwohl ich eigentlich immer noch nicht genau weiß (und sich auch niemand darauf einigen kann), was diese Wissenschaft eigentlich beinhaltet.

Um diese Arbeit (und mich) “vermarktbarer” zu machen, soll ich noch was mit Data Mining dazutun. Fragt sich nur, welche Daten da aus dem Bergwerk geschlagen werden sollen.Twitter kann in kurzer Zeit sehr große Datenmengen verursachen, die aber um wirklich aussagekräftig zu sein, qualitativ ausgewertet werden müssen. Siehe z.B. 2 Wochen #aufschrei – 58.007 “unique” (also einzigartige, nicht retweetete) Tweets, die aber genauso eine Kritik oder Verächtlichmachung als auch ein wichtiger Beitrag sein können, weil sie (noch) nicht händisch ausgewertet wurden.

Also … weiß nicht. Dabei gab es so tolle Sachen auf Twitter, seit ich (ohnehin erst im Dezember 2012) dazukam. D-Day As It Happened – eine vom britischen Channel 4 vorbereitete Aktion, bei der 9 Twitteraccounts – ein Hauptaccount, 7 Zeitzeug*innen und eine Taube tweeteten was ihnen bzw. allgemein zu dem Zeitpunkt am 6. Juni 1944 passierte. Dann gab es die spontane Aktion #InspiringWomen, zu der auch viele historische Frauenfiguren vorgestellt wurden (ich habe zu diesem Thema 300 Tweets getweetet. Nur so, damit ihr da die Datenmengen merkt).

Es gibt einen Twitteraccount, der den 2. Weltkrieg, Tag für Tag tweetet, im Moment die Geschehnisse vom 5.9. 1941. Es gibt etliche Zeitungen, deren Meldungen von vor hundert oder X Jahren getweetet werden, als Beispiel sei hier die New York Times von 1913 genannt. Es gibt Privatpersonen, die “historische” Accounts einrichten, zum Beispiel einen, der das Tagebuch von Samuel Pepys tweetet (klingt spannender als es ist, der ist leider nicht so gut). Und dann gibt es natürlich viele, viele Historiker*innen, die tweeten, an was sie so forschen, was ihnen so unterkommt, etc. … und das sind nur ein paar der Möglichkeiten.

Und was können da Bibliotheken, Archive, Museen tun? Z.B. Archivmaterial tweeten, wenn sie Archive von Autor*innen haben. Oder aus einem Tagebuch oder aus Briefen aus ihrer Sammlung. Oder aus den Lokalnachrichten von vor 100 Jahren. Oder eine großangelegte Aktion, bei der sich mehrere Institutionen absprechen. Oder sich bei anderen Aktionen einklinken.

Aber das ist ja wahrscheinlich Medienwissenschaft oder Kommunikationswissenschaft oder Marketing. Ja. ist es wohl alles. Und die haben ja nichts mit Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu tun, nein, nein, niemals. Wo kämen wir da hin.

Hmpf.

Thema 2: Mikroservices (hab ich jetzt mal so erfunden). Was soll das sein? Das sind die ganzen Dinge, die auffallen, wenn sie fehlen, kaputt sind, schlecht gemacht sind oder so Sachen, bei denen sich die Nutzer*innen denken “Hm, das wäre eigentlich cool, wenn es das gäbe.” Also z.B. ein gut gemachtes Leitsystem. Beschreibungen im Lift, was auf welcher Etage ist. Etagenpläne. Anleitungen für gewisse Dinge. Drauf zu achten, dass z.B. knallende Türen möglichst schnell wieder in Ordnung gebracht werden. Gut riechende Seife auf der Toilette. Wenn die Schließfächer mit Schlössern gesichert werden müssen (eine absolute Unsitte in manchen deutschen Bibliotheken), darauf achten, dass sich ortsfremde oder vergessliche Menschen Schlösser ausleihen können (Grimm-Zentrum Berlin, damit meine ich *dich*!).

Meine Güte, sagt ihr jetzt, das ist ja Kleinkram, was für … Itüpfelreiter*innen, Korinthenkacker*innen, Zwängler*innen und schon gar nicht wissenschaftlich! Äh ja. Setzt euch mal in einen Lesesaal, in dem ihr ruhig und konzentriert arbeiten wollt und alle 10 Minuten knallt die Tür mit einem Donnerschlag ins Schloss. Oder findet mal das Klo, wenn’s kein Leitsystem gibt. Findet den richtigen Stock, wenn’s im Lift keine Angaben gibt. Und sicher haben alle Menschen Geld, das sie mal kurz in ein Schloss investieren können – Essen? Was soll das sein, Essen? Braucht’s nicht. Bis sich da mal wer beschwert, bis die Beschwerde angenommen wird, bis der Zustand gemildert wird … naja, so lange es keine Konkurrenzangebote gibt, werden die Menschen die Bibliothek wohl weiter benutzen. Aber vielleicht nicht so gern. (Das ist doch aber so was von egal ob Menschen *gerne* in einer Bibliothek sind!)

Ist dieses Thema vermarktbar? Hahahaha, nein. Wahrscheinlich nicht.

Thema 3 wäre der Aufbau eines Repositoriums in einer öffentlichen Bibliothek, das für die Autor*innen, Musiker*innen, Kunstschaffenden, etc. der lokalen Gemeinde da ist. Zusätzlich könnte es mit digitalisierten bzw. digitalen bereits gemeinfreien Werken von Autor*innen, Musiker*innen, Kunstschaffenden, etc. der Gemeinde angereichert werden. Die gemeinfreien Werke sollten am Besten über die Nationalbibliothek bezogen werden (HAHAHAHAHA, ach ich lach mich schief) und die lokalen Werke sollten auch international zugänglich sein. Diese Entwicklung, also zumindest die Entwicklung von Bibliotheken zu “Community Publishing Portals”, zeichnet sich in den USA schon ab.

Ich finde diese Entwicklung äußerst spannend, aber sie bedeutet für Bibliotheken die Investition von Zeit & Geld – um Wissen zu erwerben, um diese Repositorien aufzubauen, um sie zu bestücken, zu bewerben und zu betreuen. Vermarktbar? Als Idee ja, aber ich erwarte nicht, dass sie in den nächsten Jahren (Sparen! Sparen!) in die Praxis umgesetzt wird, obwohl damit z.B. Ebookcontent unbegrenzt verfügbar wäre.

Was fällt mir sonst noch ein? Feministische Perspektive auf Aspekte von Bibliotheken – nicht vermarktbar. Vergleich im Umgang mit Beschwerden zwischen USA und Deutschland/Österreich – wohl nicht vermarktbar. Erwerbungspolitik für Comics in Bibliotheken – ahahahahahaha, nicht vermarktbar. Einrichtung von Makerspaces, Videospielecken, Strickgruppenecken und andere Bereiche, die bibliotheksfremde Handlungen in die Bibliothek bringen – ach, vielleicht sogar vermarktbar. Nutzergruppenstudien in einer kleinen Bibliothek? Wohl nicht vermarktbar. Vielleicht könnte ich ja die Begriffe für Menschen, die in die Bibliothek kommen diskutieren – Kund*innen? Nutzer*innen? Leser*innen? Oder ich könnte über Bibliotheksethik … ach, wohl genauso wenig vermarktbar wie meine Geschichte auf Twitter.

Für mich klingt das nicht nach Wissenschaft, eine Masterarbeit an ihrer Vermarktbarkeit zu messen. Aber wie gesagt, was jetzt Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist, dazu gibt es viele Meinungen. Wir werden sehen …

Ein Auswärtspost und meine Hausaufgaben

Diese Woche war es so still hier – tja, weil ich einerseits krank war und andererseits einen Gastpost auf www.buchguerilla.de geschrieben habe. In dem Gastpost ging es ein bisschen um mein gemischtes Verhältnis zu e-books und Papierbüchern. Update 2.7. 2013: Ich (AZ) habe um Löschung des Gastposts gebeten. Warum? Lest hier.

Eine Textprobe:

Ich liebe Bücher. Also, eigentlich meine ich Texte. Also, nein, eigentlich meine ich: Ich liebe Geschichten. Egal, in welcher Form sie daherkommen, ob in gedruckter, erzählter, gespielter, vertonter oder verfilmter Form. Und somit habe ich auch eine positive Einstellung gegenüber e-books.

Lesen könnt ihr meinen Gastpost hier: http://www.buchguerilla.de/konzentration-auf-das-wesentliche/

Und dann ging es gestern und heute in meinem Kopf stark um die Frage “Was ist ein digitales Dokument?” Diese Frage in einem Text zu beantworten ist eine Hausaufgabe für mein Masterstudium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Und? Was ist ein digitales Dokument?

Ein (digitales) Dokument ist ein Container, der Informationen enthält. Wenn diese Informationen wahrgenommen werden, werden sie gelesen (und interpretiert!) – und wenn dann der Container festgehalten wird (um die Informationen auch für andere lesbar zu machen), wird er zum Dokument.

Oder so. Oder was? Wie ich zu dieser Definition gekommen bin und was Twitter damit zu tun hat, könnt ihr hier nachlesen: http://storify.com/nightlibrarian/was-ist-ein-digitales-dokument

Hallo neue wissenschaftliche (Zusammen)arbeit. Hat großartigen Spaß gemacht – nochmals danke an alle Beteiligten!