1, 2 oder 3 – die Masterarbeit kündigt sich an

In eineinhalb Monaten reise ich für den Beginn meines zweiten Studienjahres nach Berlin. Dort studiere ich an der Humboldt-Universität Bibliotheks- und Informationswissenschaften im Masterstudiengang. (Ich mache also quasi den Master of Library and Information Science (MaLIS) bei Humboldt. Ja, diesen Witz erzähle ich, seit ich dort aufgenommen wurde.) Über den Winter ist das Schreiben meiner Masterarbeit angesagt. Aber welches Thema soll ich wählen? Warnung: Zynismus, Sarkasmus, Polemik.

Thema Nummer 1 (und mein liebstes): Wie wird Geschichte auf Twitter transportiert und wie können Informationseinrichtungen (Bibliotheken, Archive, Museen & mehr) sich daran beteiligen, d.h. Menschen für das Thema begeistern, auf ihre Bestände & Services aufmerksam machen, für sich Werbung machen, in Kontakt mit ihrer Gemeinschaft treten, etc. Ist aber nicht “Bibliotheks- und Informationswissenschaft” wurde mir gesagt, obwohl ich eigentlich immer noch nicht genau weiß (und sich auch niemand darauf einigen kann), was diese Wissenschaft eigentlich beinhaltet.

Um diese Arbeit (und mich) “vermarktbarer” zu machen, soll ich noch was mit Data Mining dazutun. Fragt sich nur, welche Daten da aus dem Bergwerk geschlagen werden sollen.Twitter kann in kurzer Zeit sehr große Datenmengen verursachen, die aber um wirklich aussagekräftig zu sein, qualitativ ausgewertet werden müssen. Siehe z.B. 2 Wochen #aufschrei – 58.007 “unique” (also einzigartige, nicht retweetete) Tweets, die aber genauso eine Kritik oder Verächtlichmachung als auch ein wichtiger Beitrag sein können, weil sie (noch) nicht händisch ausgewertet wurden.

Also … weiß nicht. Dabei gab es so tolle Sachen auf Twitter, seit ich (ohnehin erst im Dezember 2012) dazukam. D-Day As It Happened – eine vom britischen Channel 4 vorbereitete Aktion, bei der 9 Twitteraccounts – ein Hauptaccount, 7 Zeitzeug*innen und eine Taube tweeteten was ihnen bzw. allgemein zu dem Zeitpunkt am 6. Juni 1944 passierte. Dann gab es die spontane Aktion #InspiringWomen, zu der auch viele historische Frauenfiguren vorgestellt wurden (ich habe zu diesem Thema 300 Tweets getweetet. Nur so, damit ihr da die Datenmengen merkt).

Es gibt einen Twitteraccount, der den 2. Weltkrieg, Tag für Tag tweetet, im Moment die Geschehnisse vom 5.9. 1941. Es gibt etliche Zeitungen, deren Meldungen von vor hundert oder X Jahren getweetet werden, als Beispiel sei hier die New York Times von 1913 genannt. Es gibt Privatpersonen, die “historische” Accounts einrichten, zum Beispiel einen, der das Tagebuch von Samuel Pepys tweetet (klingt spannender als es ist, der ist leider nicht so gut). Und dann gibt es natürlich viele, viele Historiker*innen, die tweeten, an was sie so forschen, was ihnen so unterkommt, etc. … und das sind nur ein paar der Möglichkeiten.

Und was können da Bibliotheken, Archive, Museen tun? Z.B. Archivmaterial tweeten, wenn sie Archive von Autor*innen haben. Oder aus einem Tagebuch oder aus Briefen aus ihrer Sammlung. Oder aus den Lokalnachrichten von vor 100 Jahren. Oder eine großangelegte Aktion, bei der sich mehrere Institutionen absprechen. Oder sich bei anderen Aktionen einklinken.

Aber das ist ja wahrscheinlich Medienwissenschaft oder Kommunikationswissenschaft oder Marketing. Ja. ist es wohl alles. Und die haben ja nichts mit Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu tun, nein, nein, niemals. Wo kämen wir da hin.

Hmpf.

Thema 2: Mikroservices (hab ich jetzt mal so erfunden). Was soll das sein? Das sind die ganzen Dinge, die auffallen, wenn sie fehlen, kaputt sind, schlecht gemacht sind oder so Sachen, bei denen sich die Nutzer*innen denken “Hm, das wäre eigentlich cool, wenn es das gäbe.” Also z.B. ein gut gemachtes Leitsystem. Beschreibungen im Lift, was auf welcher Etage ist. Etagenpläne. Anleitungen für gewisse Dinge. Drauf zu achten, dass z.B. knallende Türen möglichst schnell wieder in Ordnung gebracht werden. Gut riechende Seife auf der Toilette. Wenn die Schließfächer mit Schlössern gesichert werden müssen (eine absolute Unsitte in manchen deutschen Bibliotheken), darauf achten, dass sich ortsfremde oder vergessliche Menschen Schlösser ausleihen können (Grimm-Zentrum Berlin, damit meine ich *dich*!).

Meine Güte, sagt ihr jetzt, das ist ja Kleinkram, was für … Itüpfelreiter*innen, Korinthenkacker*innen, Zwängler*innen und schon gar nicht wissenschaftlich! Äh ja. Setzt euch mal in einen Lesesaal, in dem ihr ruhig und konzentriert arbeiten wollt und alle 10 Minuten knallt die Tür mit einem Donnerschlag ins Schloss. Oder findet mal das Klo, wenn’s kein Leitsystem gibt. Findet den richtigen Stock, wenn’s im Lift keine Angaben gibt. Und sicher haben alle Menschen Geld, das sie mal kurz in ein Schloss investieren können – Essen? Was soll das sein, Essen? Braucht’s nicht. Bis sich da mal wer beschwert, bis die Beschwerde angenommen wird, bis der Zustand gemildert wird … naja, so lange es keine Konkurrenzangebote gibt, werden die Menschen die Bibliothek wohl weiter benutzen. Aber vielleicht nicht so gern. (Das ist doch aber so was von egal ob Menschen *gerne* in einer Bibliothek sind!)

Ist dieses Thema vermarktbar? Hahahaha, nein. Wahrscheinlich nicht.

Thema 3 wäre der Aufbau eines Repositoriums in einer öffentlichen Bibliothek, das für die Autor*innen, Musiker*innen, Kunstschaffenden, etc. der lokalen Gemeinde da ist. Zusätzlich könnte es mit digitalisierten bzw. digitalen bereits gemeinfreien Werken von Autor*innen, Musiker*innen, Kunstschaffenden, etc. der Gemeinde angereichert werden. Die gemeinfreien Werke sollten am Besten über die Nationalbibliothek bezogen werden (HAHAHAHAHA, ach ich lach mich schief) und die lokalen Werke sollten auch international zugänglich sein. Diese Entwicklung, also zumindest die Entwicklung von Bibliotheken zu “Community Publishing Portals”, zeichnet sich in den USA schon ab.

Ich finde diese Entwicklung äußerst spannend, aber sie bedeutet für Bibliotheken die Investition von Zeit & Geld – um Wissen zu erwerben, um diese Repositorien aufzubauen, um sie zu bestücken, zu bewerben und zu betreuen. Vermarktbar? Als Idee ja, aber ich erwarte nicht, dass sie in den nächsten Jahren (Sparen! Sparen!) in die Praxis umgesetzt wird, obwohl damit z.B. Ebookcontent unbegrenzt verfügbar wäre.

Was fällt mir sonst noch ein? Feministische Perspektive auf Aspekte von Bibliotheken – nicht vermarktbar. Vergleich im Umgang mit Beschwerden zwischen USA und Deutschland/Österreich – wohl nicht vermarktbar. Erwerbungspolitik für Comics in Bibliotheken – ahahahahahaha, nicht vermarktbar. Einrichtung von Makerspaces, Videospielecken, Strickgruppenecken und andere Bereiche, die bibliotheksfremde Handlungen in die Bibliothek bringen – ach, vielleicht sogar vermarktbar. Nutzergruppenstudien in einer kleinen Bibliothek? Wohl nicht vermarktbar. Vielleicht könnte ich ja die Begriffe für Menschen, die in die Bibliothek kommen diskutieren – Kund*innen? Nutzer*innen? Leser*innen? Oder ich könnte über Bibliotheksethik … ach, wohl genauso wenig vermarktbar wie meine Geschichte auf Twitter.

Für mich klingt das nicht nach Wissenschaft, eine Masterarbeit an ihrer Vermarktbarkeit zu messen. Aber wie gesagt, was jetzt Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist, dazu gibt es viele Meinungen. Wir werden sehen …

Full Service Libraries

This is a pretty exact translation of my text “Rundumservice”, but since it is easier to write freely than to translate literally, there may be some divergences. I also added some comments to some sections, because those sections pertain mostly to German-speaking Europe.

I am torn today. What services should a library actually provide? Which needs of its patrons should it fulfill? Should the library come to the patron or the patron to the library or both? But what do patrons really want?

Why not? If there are coffeeshops in libraries, where food and drinks can be purchased, why can’t office supplies be purchased there? Couldn’t I go shopping in the library and borrow books? Especially when I am a student and need a pen or paper or batteries or who knows what (tampons – *clutchespearls*).

Or would it be better if the library came to the office supply store, to the supermarket, the beach, the park, the movie theater or even into our houses? The following pictures are from a session from the Bibcamp – a barcamp for libraries (sorry, description in German) – in Nuremberg in April 2013. The session was about designing new services for libraries in a matter of minutes and quickly building prototypes with Lego. It was held by Elena Mastrapasqua and Dierk Eichel. There is a storify of it, but it’s in German:

Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

This is what I called an “offshore library” at the beach or at the movie theatre, where closed bookcases would be provided by the local public library, to be opened with your library card. Books would have RFID tags and could be taken out then and there. At the movies they would be the books of the movies that were showing, at the beach there would be beach reading material and so on. I mentioned roaming librarians. Photo Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Hörstation im Park bzw. in Wartezonen Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

This is a listening station in the park or at bus stations or other waiting zones (doctor’s offices, at government offices etc.) where you can plug in your headphones to listen or download audio books via bluetooth. Photo Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Bücherparty bzw. Medienparty zuhause - mit Bibliothekarin, Wissenschaftlerinnen die Vorträge halten (oder ist es doch ein Harlem Shake-Video?) Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

This is a library party, comparable to a tupperware party. A librarian from the local public or even the university library would come to your house to tell you about library services. Parties could be about library services in general or about specific topics, where for example, scientists from the university could come and hold lectures and librarians would offer the appropriate media. Or this could be a Harlem Shake video, I’m not sure. Photo Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Well, with the internet it is possible to access ebooks or texts in general everywhere I am able to establish a connection. Books are for sale in many, many places – for example at the supermarket. But in reality I don’t think about borrowing ebooks from the library when I am in the checkout queue at the supermarket, because there is nothing to remind me of that possibility (and because my local supermarket has really bad reception. Free wlan at the supermarket, that would be a service. Endless opportunity for free advertisement, because people take and share pictures of the products. I’m starting to want some money for this idea.) In reality, the selection of books in supermarkets or office supply stores or even museum stores is rather limited (Note that I am not dissing light reading or romance novels, I love those and own quite a few).

In reality one of the reasons why libraries exist is that many people cannot afford to buy books and other media all the time. And finally, in reality it is one of the central advantages of a library that in most cases not everything is collected willy-nilly, but that collections are managed, that books are purposefully bought, put together in defined collections and that those collections are carefully curated.

Collection management must also be applied to the libraries which come to their patrons, since they would be targeting a very specific/local need. One of the problems with all the wonderful ideas which came out of that lego prototyping session is that not all books are available as ebooks yet, that not all existing ebooks are available for libraries, etc. etc.

But what is there to prevent a university library from tagging certain places in the university as access points for topical collections from their repositories? At the University of Vienna, where I spent long years in study, there is this beautiful courtyard with arcades full of statues and plaques memorializing important scientists who researched and/or taught at the university. (Click here for pictures, unfortunately all in-depth texts are in German.) There are 154 statues and plaques for men and one plaque for a woman (I hope you weren’t expecting gender parity). There is also a statue of the nymph Castalia. In 2009, an art project called “The Muse Has Had It” resulted in the attachment of a large shadow to the nymph statue, to call attention to all the female scientists whose existence and presence was and is ignored, hidden away and forgotten. Here is a whole video about the project with English subtitles.

Anyway, how about making those statues, plaques and the art project “docking stations” where scientific publications by the researchers (a lot of them already in the public domain), about their research, biographies and even links to current lectures about the research and the people could be accessed and/or downloaded?

The Vienna University Library shows an “object of the month” on their website (English description of the actual object of the month sadly not available, only a blurb about the work with the collections as a whole) with links to the library which owns the object, and some more informations about the object, but if you want more literature about the object, you have to do your own research. Of course, you may now ask: “Do we need to feed you everything by hand?” But the answer to this is: If you want your library, your collections, your services, your informations to be seen, then YES! Don’t hide them away, but attach them to everything you have! Plaster your institution, your village, your city, your country with them!

Because it could be like this:

Literatur (und zwar nicht nur Belletristik!)/Informationen zu Sehenswürdigkeiten direkt bei der Sehenswürdigkeit auf das iPhone 8 Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Literature (not just fiction) and information about points of interest at points of interest transfers to your iPhone 8. Photo Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

When I wander through Berlin or Vienna, when I travel by train through the countries of Europe and see things, when I visit picture galleries, museums, conference centers, libraries and more, I wish for this service so very much. I just want to pick up my portable internet device and point it at even an unremarkable house (but with art nouveau style elements!) and get information about it. I want to stand at, say Tiffany’s in New York or the Lincoln Memorial in DC and get Truman Capote or Walt Whitman on my device without having to take a physical book with me. Although this would be a lot easier if there was paneuropean or global wlan. Some cities in Europe already offer free wlan, but I think this should be done everywhere, but without Prism surveillance, please & thank you (a lovely, if naive idea).

But all of that costs money and work. The creation and management of collections, virtual ones, too, is work. Many people are focusing hard on creating the library catalogues of the future, which will hopefully bring us more exact and more relevant search results when we’re looking for “Breakfast at Tiffany’s”, but this will still take a little while. And you all know about Google searches. (By the way, I have been looking for a specific techno version of Cole Porter’s “Let’s Do It” from ca. the 1990s for weeks. Specific to this techno version is the use of “When the little blue bird who has never said a word” and Google isn’t giving me anything useful, not even the Ella Fitzgerald version where she actually sings the intro.) This means that all these great services which could be possible will depend on the work of well-informed people for quite a while.

But isn’t there something that can be done now? Something that brings humans closer to texts (because we sadly can’t even talk about easy access to music and films yet)? Well, there are some things that can be done.

(At this point in the original text I am describing the situation in German-speaking Europe as I know it. American college libraries are – at least it seems so to me – already a couple of steps ahead of us.)

Why should universities not offer fiction to their students if the next public library is far away and/or doesn’t have opening times compatible with student or working life (still a big issue over here)? Although here I can definitely imagine cooperations between university and public libraries, with a local branch at the college. But in German-speaking Europe, branch libraries are being closed and opening hours are cut, because of lack of money (they say – they’re just not allotting more money to libraries).

For example, this is how the Stanford Libraries Blog (Stanford, CA) informs its students via Twitter and Blog about the fantasy titles in their curriculum collection:

Now that the brunt of the academic year is over Cubberley Library invites you to read something a little lighter. The library currently has a display of young adult fantasy books perfect for reading at the beach. If fantasy isn’t your thing we also have a wide variety of other genres as well. So even if you no longer quite fit in the Y category and are a lot more A you might still find something enjoyable to read. We’ll be more than happy to point you in the direction of our curriculum collection where these items are housed.

Does this seem normal to you? To me and to many of us here in German-speaking Europe, this seems strange. This positive attitude towards reading for fun! Phrases like “invites you”, “we’ll be more than happy”! Why, students could be having fun! They might come to the university library just like that, not just for research! And oh dear, they could be reading things other than “good” literature! (This is meant to be ironic. The sad fact is that students enjoying their time at university or school is not a big priority here.)

Although I must say that I do get a lot of fiction books from the Vienna University Library, even though their existence isn’t advertised. I just have to look them up in the catalogue and it is very convenient to simply pick them up at the desk. But wouldn’t it be even nicer if the university library would advertise openly that they have media whose purpose is entertainment? At the same time I’m all for the advertisement of recent purchases of scientific literature, because it can also be enjoyable.

Or let’s say, there is a big institution or firm, with a special library. Why shouldn’t there be a fiction section for all the people working in the institution or firm, maybe even with children’s books or cookbooks or gardening books or whatever? A full service? (I know a library kind of like this here in Vienna, minus the children’s books and non-fiction, just fiction. Again, this has much to do with the opening hours of public libraries here, which aren’t the best for people who work all day). Yes, this would cost the institution or firm money. But how about an open bookcase, where people can bring books they no longer want to keep and take books as they want? Such an open bookcase should also be subject to careful collection development and it should be clear that it is not a dumping ground and that books which aren’t taken will be weeded. But why not start up things like that?

Let’s bring the fun of reading to where people are.

Rundumservice*

*Heute mit generischem Femininum. Ich probier jetzt einfach alles einmal durch.

Ich bin zerrissen. Was soll eine Bibliothek eigentlich alles leisten? Welche Bedürfnisse der Nutzerinnen soll sie abdecken? Soll die Bibliothek zur Nutzerin kommen oder soll die Nutzerin in die Bibliothek kommen oder beides? Aber was wollen die Nutzerinnen eigentlich?

Warum eigentlich nicht? Wenn’s schon Cafés gibt in Bibliotheken, wo Getränke und Speisen käuflich erworben werden können, warum kann es dann nicht auch Büromaterialien geben? Kann ich nicht … in der Bibliothek einkaufen und Bücher ausleihen? Besonders wenn ich Studentin bin und dringend einen Stift oder Papier oder Batterien oder weißgottwas brauche (Tampons. #huch)

Oder wäre es besser, die Bibliothek käme in die Papierwarenhandlung, in den Supermarkt, an den Strand, in den Park, ins Kino, nach Hause, wie die Entwürfe in der Session zu “Neue Dienstleistungen – Lego Prototyping” am Bibcamp in Nürnberg zeigten?

Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Offshorebibliothek am Strand bzw. im Kino mit RFID-Tags und Kristallpalast des Wissens – bzw. “Fantasietankstelle Bibliothek (© Bodo Pohla @bodop) Hier wird in “geschlossenen” Bücherschränken, die von der örtlichen öffentlichen Bibliothek betreut werden, Literatur z.B. Buch zum Film angeboten. Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Hörstation im Park bzw. in Wartezonen Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Hörstation im Park bzw. in Wartezonen – mit Steckern für Kopfhörer bzw. Runterladen via Bluetooth Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Bücherparty bzw. Medienparty zuhause - mit Bibliothekarin, Wissenschaftlerinnen die Vorträge halten (oder ist es doch ein Harlem Shake-Video?) Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Bücherparty bzw. Medienparty nach dem Vorbild von Tupperparties zuhause – mit Bibliothekarin, die die Schätze der Bibliothek vorstellt, Wissenschaftlerinnen, die Vorträge halten und die Medien dazu gibt’s auf der Party (oder ist es doch ein Harlem Shake-Video?) Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Nun, über das Internet ist es möglich auf ebooks bzw. Texte überall zuzugreifen, wo ich Empfang habe. Bücher gibt es an vielen, vielen Stellen – auch im Supermarkt – zu kaufen. Praktisch aber denke ich in der Warteschlange bei der Kassa nicht daran, mir aus der Bibliothek ebooks auszuleihen, weil mich dort nichts daran erinnert, dass es ein derartiges Angebot gibt (und mein nächster Supermarkt hat miserablesten Empfang. WLAN im Supermarkt, das wäre mal ein Service. Ungeahnte Werbemöglichkeiten. Langsam will ich bitte Geld für meine Ideen.). Praktisch ist die Auswahl der Bücher in Supermärkten und Papierwarenhandlungen oder auch Museumsshops eher beschränkt (und nichts gegen leichte Literatur hier!). Praktisch ist ein Grund dafür, dass es Bibliotheken gibt, eben, dass sich nicht alle Menschen dauernd Bücherkäufe leisten können. Und praktisch ist schließlich ein zentraler Vorteil einer Bibliothek die Tatsache, dass in den meisten Fällen nicht einfach alles irgendwie gesammelt wird, sondern dass gezielt erworben und in Sammlungen zusammengestellt wird, die dann auch weiter kuratiert werden.

Und so muss es auch mit den Bibliotheken sein, die zu ihren Nutzerinnen kommen – gezielt auf die lokalen/momentanen Bedürfnisse eingestellt. Das Problem bei diesen ganzen wunderbaren Einrichtungen ist natürlich, dass noch nicht alle Bücher als ebooks zur Verfügung stehen, dass noch lang nicht alle verfügbaren ebooks Bibliotheken zur Verfügung stehen, etc. etc. etc.

Aber was hindert eigentlich eine Universitätsbibliothek daran, an gewissen Stellen in der Universität Zugänge zu thematisch relevanten “Sammlungen” aus ihren Repositorien zu bieten? In der Universität Wien gibt es einen wunderbaren Arkadenhof mit Statuen wichtiger Wissenschaftler (154 Männer und eine einzige Frau, habt ihr etwas anderes erwartet?), sowie eine Statue der Nymphe Kastalia, die einen langen Schatten wirft (Der Muse reicht’s), der auf die vergessenen Forscherinnen hinweisen soll. Warum da nicht auch “Dockstationen”, wo Forschungsliteratur (zum Großteil schon gemeinfrei), Biografien – und (ach wäre das schön) Lehrveranstaltungen zu den Personen, zur Universität etc. angeschaut & heruntergeladen werden können?

Die Universitätsbibliothek der Uni Wien hat auch ein “Objekt des Monats“, mit Links, die dann auf die Fachbereichsbibliothek verweisen und nähere Informationen zu dem Objekt liefern, aber wer mehr Literatur zum Objekt will, muss selbst suchen. Natürlich stellt ihr jetzt die Frage: “Müssen wir denn alles vorkauen?” Aber die Antwort darauf ist: Wenn ihr wollt, dass eure Bibliothek, eure Bestände, eure Services, eure Sammlungen, eure Informationen gesehen werden, dann JA! Stellt sie nicht unter den Scheffel, sondern hängt sie an alles, was ihr habt! Pflastert eure Institution, euer Dorf, eure Stadt, euer Land damit!

Denn es könnte so aussehen:

Literatur (und zwar nicht nur Belletristik!)/Informationen zu Sehenswürdigkeiten direkt bei der Sehenswürdigkeit auf das iPhone 8 Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Literatur (und zwar nicht nur Belletristik!)/Informationen zu Sehenswürdigkeiten direkt bei der Sehenswürdigkeit auf das iPhone 8. Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Wenn ich durch Berlin oder Wien wandere, wenn ich mit dem Zug durch die Lande brause und Dinge sehe, wenn ich in Gemäldegalerien, Museen, Veranstaltungsräumen, Bibliotheken etc. unterwegs bin, wünsche ich mir das so sehr. Dass ich einfach mein portables Endgerät zücken könnte und auch auf das unscheinbare Haus (aber mit Jugendstilelementen!) zielen könnte und Informationen darüber erhalten könnte. Dass ich, wenn ich in Berlin am Alexanderplatz stehe, sofort Zugang habe zu Döblin, ohne extra ein Buch mitnehmen zu müssen. Obwohl mir da eine europa- (was heißt – weltumspannende) Lösung fehlt, bei der ich kostengünstig zu WLAN komme. (Liebe Städte, bietet das bitte an, überall. Ohne Prism, danke.)

Aber das kostet ja alles Geld und Arbeit. Das Zusammenstellen von Sammlungen, auch virtuellen, ist Arbeit. Es arbeiten zwar viele wie wild daran, dass Bibliothekskataloge in Zukunft exaktere Ergebnisse liefern, wenn ihr “Berlin Alexanderplatz” sucht, aber das dauert noch. Und ihr wisst alle, wie das mit den Googlesuchen ist. (Übrigens suche ich seit Wochen verzweifelt eine Technoversion von Cole Porter’s “Let’s do it” aus den 1990ern – zentral ist “When the little blue bird who has never said a word” – und Google liefert mir keine Ergebnisse und auch nicht die Version von Ella Fitzgerald, wo sie eben die Einleitung singt.) Von daher werden diese ganzen schönen Angebote noch lange auf der Arbeit von gut informierten Menschen basieren.

Aber lässt sich denn jetzt noch nichts tun? Nicht einmal ein bisschen etwas, das den Menschen Texte näherbringt (denn von Filmen und Musik sprechen wir hier ja leider noch gar nicht)? Doch, lässt sich. Denn warum soll eigentlich eine Universitätsbibliothek ihren Studentinnen nicht Belletristik zur Verfügung stellen, wenn z.B. die nächste öffentliche Bibliothek weit entfernt ist und/oder nicht die kompatibelsten Öffnungszeiten hat? Obwohl ich mir da auch Kooperationen vorstellen kann, mit einer Zweigstelle in der Uni, aber Zweigstellen werden ja heute eher geschlossen und Öffnungszeiten gekürzt, weil ja das Geld … nun ja.

Das Stanford Library Blog (der Stanford University in Kalifornien) informiert seine Leserinnen (auch via Twitter) zum Beispiel so über ihr Belletristikangebot:

Now that the brunt of the academic year is over Cubberley Library invites you to read something a little lighter. The library currently has a display of young adult fantasy books perfect for reading at the beach. If fantasy isn’t your thing we also have a wide variety of other genres as well. So even if you no longer quite fit in the Y category and are a lot more A you might still find something enjoyable to read. We’ll be more than happy to point you in the direction of our curriculum collection where these items are housed.

Diese positive Besetzung des Lesens zum Vergnügen! “Invites you!” “We’ll be more than happy!” Hilfe, da könnten die Studentinnen ja Spaß haben! Nicht nur wegen des Studiums in die Bibliothek kommen” Und vielleicht nicht nur die “gute” Literatur lesen! Wobei ich sagen muss, dass ich viele der belletristischen Bücher, die ich lese, von der Universität Wien auch bekomme, ohne dezidierte Werbung. Ich muss sie nur im Katalog suchen. Es ist auch sehr bequem, sie einfach am Schalter abholen zu können. Aber wäre es nicht noch viel schöner, wenn eine Universitätsbibliothek auch offen damit werben kann, dass sie Medien, die für den Spaß bestimmt sind, besitzt und verleiht? Ich bin ja auch für die Offenlegung und Bewerbung der letzten Ankäufe – denn auch akademische Literatur kann Spaß machen.

Oder sagen wir, es gibt eine große Institution, eine große Firma, mit einer Institutions- oder Firmenbibliothek. Warum sollte es da nicht eine Belletristiksektion geben, die von allen in dem Haus arbeitenden Menschen genützt werden kann? Vielleicht sogar mit Kinder-, Koch-, Garten-, was immer-Büchern? Ein Rundumservice? (Ich kenne übrigens so eine Bibliothek.) Ja, das kostet auch Geld. Aber wie wäre es mit einem offenen Bücherschrank? Auch ein solcher wird im besten Fall kuratiert und es muss klar sein, dass das kein Abfallkübel ist und dass Bücher, die keine Besitzerin finden, entsorgt werden. Aber warum nicht?

Bringen wir das Lesevergnügen an die Menschen.

Freiheit durch Lesen – Lesefreiheit?

Gerade aus Berlin zurückgekommen erwartete mich dieser Tweet:

Worum ging’s? Letzten Sommer führte Brasilien ein neues Programm ein, nach dem Häftlinge ihre Haftzeit durch das Lesen von Büchern verkürzen konnten.

Artikel aus dem Tweet (auf Englisch) hier.

Artikel zum gleichen Thema von Spiegel Online hier.

Hm, interessant, dachte ich. Meine Antwort an Jean-Paul, der im übrigen ein sehr lesenswertes Blog betreibt, ging sich in drei Tweets nicht aus, also der Griff zum Laptop.

Also: durch das Lesen von Büchern können weibliche und männliche Häftlinge in fünf Haftanstalten in Brasilien ihre Haftzeit verkürzen. Pro Buch vier Tage Haftzeit weniger, maximal 12 Bücher im Jahr, also maximal 48 Tage weniger, das ist ja schon mehr als ein Monat. Toll. Und am Schluss kommen sie mit einer humanistischen Grundeinstellung raus und tun nie mehr Böses oder so. Oder nicht?

Die Bücher werden vorher ausgesucht und sollen aus verschiedenen Bereichen stammen. Ganz klar ist nicht, ob es “Klassiker der Wissenschaftsliteratur, Philosophie und Belletristik” sein sollen, ob klassische brasilianische Literatur, wissenschaftliche und philosophische Lektüre oder Literaturklassiker allgemein, sowie wissenschaftliche und philosophische Lektüre.

Und da sind wir gleich beim ersten Problem, das ich mit einer solchen Vorstellung habe: Wer soll denn diese Bücher aussuchen? Wenn eine Bibliothek eine solche Aktion unterstützt, sollte der gesamte Katalog der Bibliothek angeboten werden, war mein erster Impuls. Der Zwang zum Bücherlesen hat schließlich noch nie Lesefreude bewirkt – erinnert euch bitte an euren Deutschunterricht. Wenn der gut war, hattet ihr Glück.

Was ist aber, wenn sich die GefängnisinsassInnen Bücher mit *huch* erotischem, pornografischem, gewalttätigem, rassistischem, sexistischem und anderem unerwünschtem Inhalt bestellen? (Bufo Calvin erwähnt in seinem Blog “I Love My Kindle” z.B. The Anarchist Cookbook, aber auch “problematische” Klassiker der Weltliteratur.) Soll das eingeschränkt werden? Wer überprüft den Inhalt der Werke? Ein Kanon humanistischer Erbauungsliteratur also? Sensibilisierende Fachbücher? Wie gut müssen die sein, damit Lesefreude aufkommt?

Das sind Ansätze aus dem 19. Jahrhundert, wie Verena Kern in einem Artikel und ihrer Diplomarbeit über Gefangenenbibliotheken in Österreich darlegt. Nach Lektüre dieses Artikels zeigt sich ganz klar: Nein, eine öffentliche Bibliothek kann nicht so einfach ihren ganzen Katalog zur Verfügung stellen. Gefangenenbibliotheken unterliegen besonderen Bedingungen und Einschränkungen.

Ok, also ein festgelegter Kanon. Damit überprüft werden kann, dass die Bücher auch wirklich gelesen und verstanden wurden, sollen die Häftlinge Essays über die Bücher schreiben. Die sollen aber leserlich und fehlerfrei sein, sowie Absätze und Seitenränder haben.

Hm. Und wie soll das gehen, wenn eine Mehrheit der Häftlinge Brasiliens nicht einmal die Volksschule abgeschlossen haben, viele AnalphabetInnen und funktionale AnalphabetInnen sind? Glaubt bloß nicht, dass es in Europa besser wäre. Dieses Problem ist sehr viel gewichtiger als “Oh, aber da muss man ja einen Kanon festlegen”.

In dem Artikel, den mir Jean-Paul geschickt hat, gibt es einen Trailer zu dem Film “Barreras”, initiiert von dem Musiker Rafael Kalil, produziert von Iemanjá Cinematográfica. Letztes Jahr wurde via Crowdfunding Geld gesammelt, um den Film auch wirklich zu produzieren, wie es um ihn jetzt steht, weiß ich nicht, aber hier ist der Link zur Beschreibung (weiter unten auf Englisch).

In diesem Trailer (Link zum Trailer auf Youtube) sagt der Musiker BNegão ab Minute 3:02:

If you want to make your inner self better, you need to take care of everybody and everybody includes people that are in there [prison] as well. Because these people will get out one day. They are serving a sentence and the sentence one day will end [sic]. If you don’t give those people the chance to change, learn a profession, learn how to read, learn how to write, get better or at least that the conditions one finds himself in don’t get worse [sic], things just won’t get any better. On the contrary, everything will get worse

Also müsste eine solche Initiative viel breiter gefasst sein. Es reicht auch nicht aus, nur Lesen und Schreiben zu unterrichten – alles, was so zu einer Grundbildung dazugehört müsste vermittelt werden und wenn diese Stufe abgeschlossen ist, dann sollte auch noch eine Person da sein, mit der die gelesenen Bücher besprochen werden können und die Feedback zu den Essays geben kann.

Ohne den breiten Unterricht bevorzugt diese Initiative solche, die bereits lesen, schreiben und sich ausdrücken können, wie Bufo Calvin zu bedenken gibt. Gleichzeitig ist es aber auch nicht so, dass alle Gefangenen an diesem Programm teilnehmen dürfen, nein, sie werden vorher ausgesucht (Link zum Community Blog von Canadian Broadcasting Coproration cbcnews). Und nach welchen Kriterien findet das statt? Wird nicht gesagt.

Welche Rolle können jetzt Bibliotheken in dem Ganzen spielen? Tja: Es gibt schon lange Gefangenenbibliotheken bzw. -büchereien (seit den 1960ern in Deutschland und Österreich gesetzlich vorgeschrieben) und dort auch BibliothekarInnen (ja, auch wenn sie nicht alle die tradionelle BibliothekarInnenausbildung gemacht haben).

Ein paar Links (nein, ich hab das jetzt nicht alles gelesen):

Zur Situation in österreichischen Bibliotheken gibt es wie bereits erwähnt, einen Artikel, der einen guten Überblick bietet und eine Diplomarbeit von Verena Kern (die Diplomarbeit übrigens betreut von Monika Bargmann aka @librarymistress).

Infoseite zu Gefangenenbibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbands

Praxiserfahrungen in Gefangenenbibliotheken (Land Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, u.a. – auch eine Seite des Deutschen Bibliotheksverbands)

Eine amerikanische Bibliothekarin, die zu “Exploring Prison Librarianship” schreibt – Link zum Artikel über die brasilianische Initiative.

Für Deutschland gibt es auch den Verein “Freiabonnements für Gefangene e.V.”, der Bücherspenden, Zeitungsabospenden, Weihnachtspakete, etc. für Gefangene entgegennimmt – wichtig, weil Häftlinge Zeitungsabos beziehen müssen, wenn sie sich andere Zeitungen als in ihrer Bibliothek ansehen wollen, sich die aber oft nicht leisten können.

Was andere Bibliotheken tun können? In Ländern, wo Gefangenenbibliotheken noch nicht Standard sind, sich für solche einsetzen, bzw. sie gründen. Und sobald sie existieren: Sich mit ihren KollegInnen aus den Gefangenenbibliotheken austauschen, sie teilhaben lassen an den letzten Entwicklungen, sie unterstützen bei der Ausbildung, bei der Erwerbung, beim Aussondern der Bestände etc.

Aber was ist jetzt mit der Initiative, Lesen gegen Haftreduzierung? Machen wir daraus Bildung gegen Haftreduzierung mit einem Stufensystem, das auch das Lesen und Besprechen von Büchern einschließt, dann klappt das vielleicht. Aber im Großen und Ganzen habe ich zu wenig Ahnung vom Strafvollzug, um da eine fundierte Lösung anzubieten.

My dream library

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

If I ever get to interview people who want a job at the library I will hopefully work for then, I think one of the questions I’d ask would be: “Do you have a dream library?” Then I’d watch the candidate, I’d listen to what they say and how they say it. Do their eyes sparkle? What’s going on in their dream library? Does it involve humans or does it involve things?

Of course, budget constraints. Of course, personnel questions. Of course, e-books and all that. Of course.

But it’s a dream library. It’s not real. It serves to feed the soul of the librarian, because maybe some parts of it can be realized. Those can be small parts – displays, for example – or large parts, when, for example, a 3-D printer is purchased with the intention of offering a maker space or when a new library is built.

My dream library has a large plaza in front of it, so everybody can sit outside in the summer. It has areas for children and for teens. It has many rooms that can be used for making things, practicing things, for meetings, greetings, parties, what have you. It has an auditorium for lectures, movies, classes. It has a café where you can bring your own food and drinks. In that café there is a regular breakfast table, lunch table and dinner table for people who don’t want to eat alone. Everybody brings something to it.

My dream library has a large comic library. It has regular dress-up days, where people in costume get prizes (free dvd rental … or by then, possibly, free book rental). It has friendly service and long opening hours and it’s open on weekends and holidays. Ideally, it has a library cat, but I feel that could be very stressful for said cat, so … well, it’s my dream library. It has 10 library cats.

My dream library is open to everybody and actively works with the community to lend support to those who need it. That means social workers, nurses, showers. It might probably be best for it to have a kindergarten attached. Or at least it will have staff on hand to offer babysitting if parents just want to browse, work, relax for a few hours. Yes, that will cost money, but it will be offered. It’s my dream library.

In my dream library, you can borrow items. Tools you don’t use very often, baking forms, electronic gadgets, like heartrate monitors, water and soil testing kits, e-readers, mobile devices, plant seeds, glasses, art (from the community), musical instruments, knitting needles and crochet hooks, huge pots and pans, camping gear, extra chairs. In my dream library, you can borrow services – fixing things, gardening, babysitting, looking after elderly people, painting, moving things. The fees for services are other services. Or food. Or clothes. Or money.

My dream library is in a community that has community gardens, maybe even community fields. The plaza in front of it becomes a market place, where people trade their vegetables, fruit, and flowers. At the library you can take classes to learn how to preserve the excess vegetables and fruit, so the trading can go on even in winter. Once you know the basics, you can join the canning group that meets twice a month, because cooking together is more fun. On Saturday afternoons and evenings, the plaza becomes a different market, as people bring their crafts or things they no longer want to trade or sell, and people from the community perform the things they practiced together in groups or alone.

You can take a class for almost anything, as long as there is a teacher. The teacher doesn’t have to be there in person, after all, the internet is vast. And there is a group for almost anything, as long as there are interested people. Personally, I attend the knitting group, the choir and the folk group, the anime club and the comic society. Sometimes I’ll attend the gaming night. And I’m a member of the group that reads books out loud, so anyone can listen. We record the reading sessions, you can livestream them and later download them as a podcast from the library webpage.

Did I talk about the quiet room? My dream library has two rooms that get quiet at a certain time of the day, one for adults and one for kids. They can come there to rest, even nap, for an hour or two. Maybe there’s some Bach and other quiet music, louder than background music. Yes, there’s a supervisor.

My dream library has a garden, too. After all, I like flowers. All the trees in it carry fruit or nuts. And there are guest rooms, for librarians, scientists, writers, and other people who want or need to spend some time in the library or in the community.

Finally, my dream library records things. It records the life stories of the library patrons. It records their pictures, their movies, their email exchanges, their chat logs, their twitter feeds, if they want. It records the things produced at the library, produced in the community, and the things going on in the community.

And of course my dream library has a huge budget ;D

In the future I’ll sometimes talk about activities, events, services or media I’d like to offer at my dream library. Have you thought about your dream library lately?

Erotika in der Bibliothek?

50 Shades of Grey? Ob Schauder aus Grauen oder Vergnügen, es wird gelesen. Was aber, wenn BibliotheksbenützerInnen mehr Lesestoff aus diesem Genre verlangen? Katie Dunneback öffnet dazu mit ihrem Artikel Full-Frontal Shelving auf Library Journal Reviews eine Schatzkiste voll mit Informationen aus dem amerikanischen Bibliothekswesen.

Die drei Hauptfragen des Artikels lauten: Wo am Besten mit dem Entdecken erotischer Literatur beginnen, wie bereits vorhandene Bücher erfassen und wie kann die Bibliothek den BenützerInnen bei der Suche nach neuem Lesestoff am besten behilflich sein? Weiters bietet Dunneback einen kurzen geschichtlichen Überblick der erotischen Literatur von Sappho bis zu den e-books, eine Bibliografie für AnfängerInnen mit Anthologien, AutorInnen und weiterführenden Websites, ein Interview mit der Autorin Sylvia Day, Statistiken zum Absatz von Erotika in Buch- und e-book-Form und erklärt die verschwommenen Grenzen zwischen romance, erotic fiction und erotica (Nein, das ist nicht dasselbe). Besonders wichtig dabei ist ihre Anleitung, wie aus Katalog und Entlehnstatistik erhoben werden kann, welche erotische Literatur bereits vorhanden ist und ob sich am jeweiligen Bibliotheksstandort überhaupt ein Bedarf an erotischer Literatur bemerkbar macht.

Am meisten haben mich die Beispiele aus der Praxis und die ethische Haltung beeindruckt. Wie kann diskret, aber hilfreich auf die Lesebedürfnisse der BibliotheksbesucherInnen eingegangen werden? Dunneback sagt dazu:

You want to give your patrons a sense of privacy with this most intimate of reads but also offer them an understanding that the library supports their reading interests no matter what they choose. (Katie Dunneback, Full-Frontal Shelving, Library Journal Reviews)

Sie erzählt von Empfehlungs-Foldern, die auf Nachfrage überreicht werden können, von Lesezeichen mit relevanten Empfehlungen, die in die Bücher gelegt werden können, von Empfehlungsfunktionen für die e-book-Plattform der Bibliothek – wichtig, da Erotika und verwandte Genres gerne in digitaler Form gelesen werden.

Genauso beeindruckend ist ihr Absatz zum Umgang mit Beschwerden. Ihre Handlungsanleitungen – u.a. Training aller Bibliotheksangestellten darin, was im Beschwerdefall zu tun ist; umfassende Dokumentation und Information; schriftliches Feedback an die/den BeschwerdeführerIn – sind beispielhaft und sollten weit verbreitet werden. Im Gespräch mit Verena fiel ihr dazu ein, dass bei der Besprechung von media2go von vielen SchulbibliothekarInnen sofort angesprochen wurde, dass 50 Shades of Grey ohne Altersbeschränkung ausgeliehen werden kann. Weiters wurde gefragt, wie es mit der rechtlichen Situation aussieht, da es keine Altersbeschränkungen für Bücher gibt (zum Glück! sage ich da).

Adding erotica when it is not your thing is the same as adding in any other specialized collection that is not your thing. You can do this and probably already have with other collections. (Katie Dunneback, Full-Frontal Shelving, Library Journal Reviews)

Vielleicht hat die Welle der Erotika Österreich noch nicht oder nicht auf diese Weise erreicht. Vielleicht kommt sie nie. Aber ein bisschen Vorbereitung kann nicht schaden. Und dabei ist dieser Artikel sehr hilfreich.

AZ/@nightlibrarian