Shared Reading – Es klingt so schön, aber ich hab Bauchweh

Im Zuge der Recherchen für einen Artikel beschäftigte ich mich ein wenig mit der englischen Organisation The Reader. Sie wurde von Jane Davis gegründet, die auch das Prinzip des Shared Reading entwickelte. Ihr Ziel ist löblich: Einsamen, isolierten Menschen werden soziale Anknüpfungspunkte geboten – regelmäßig stattfindende Runden, bei denen gemeinsam reihum laut ein Buch, ein Text, ein Gedicht vorgelesen wird und über die unmittelbaren Eindrücke und Empfindungen gesprochen wird. Dabei erzählen die Menschen viel aus ihrem eigenen Leben, lernen neue Menschen und schöne Texte kennen.

Moderiert wird das von freiwilligen “Facilitators”, obwohl The Reader auch schon über hundert Angestellte hat. Angewendet wird die Methode auch in Kliniken, Schulen, Gefängnissen und … Firmen. Firmen. Hm. Für den besseren sozialen Zusammenhalt in Teams. Hm. The Reader arbeitet eng mit dem Centre for Research into Reading, Literature and Society der Universität Liverpool zusammen und Shared Reading (oder doch die regelmäßigen Sozialkontakte?) hat laut den erstellten wissenschaftlichen Studien sehr gute Auswirkungen auf geistige und körperliche Gesundheit.

Die Literarischen Unternehmungen, ein deutscher Ableger, haben sich im Herbst 2016 auf der Leipziger Buchmesse präsentiert und haben die Absicht, Shared Reading im deutschen Sprachraum zu verbreiten. So ganz klar kommt bei beiden Organisationen nicht heraus, wie es um das Verhältnis zwischen freiwilliger und bezahlter Arbeit steht, und da kriege ich ein wenig Bauchweh.

Denn einerseits: Gemeinsames Vorlesen! Sozialkontakte! Gesundheit! Bildung von Gemeinschaften! Yay! Das sind doch alles gute Dinge. Außerdem ist es ja gut, die Methode in Institutionen anzuwenden, in denen Menschen sich isoliert fühlen oder absichtlich isoliert werden, oder? Aber wenn ich so lese, wie Menschen sich freuen, dass sie im Altersheim, im Kinderheim oder im Gefängnis einmal in der Woche Zuspruch beim Shared Reading kriegen, klingt das nicht mehr so toll. Einmal in der Woche ist wohl besser als nie. Aber was ist mit dem Rest der Zeit, soll der einfach so weiterlaufen? Und sollten das nicht Menschen machen, die dafür bezahlt kriegen? Ein Blick rüber zur Bezahlung von Kindergärtner_innen, Pflegefachkräften, etc. zeigt schon, warum hier Freiwillige am Werk sind … spart noch mehr Geld ein, juhu. Irgendwann und irgendwo wurde noch die Frage gestellt, warum sich Menschen in solchen Institutionen isoliert fühlen oder isoliert werden. Ob solche Institutionen wirklich gut sind. Das mit der strukturellen Kritik und dem radikalen Umbau täte Not.

Das mit dem Shared Reading in Firmen, ja äh. Ich meine, super, ich will nämlich in der bezahlten Arbeit nicht zum Sporteln oder in komische Teambuildingseminare, aber fragen sich die Firmen mal, warum ihr Klima ihren Arbeitnehmer_innen nicht gut tut? Und ob das aufhört, nur weil alle jetzt zum Shared Reading müssen? Hach, jetzt muss ich lachen. Herzhaft. Aber dass Literatur zur Förderung von Kapitalismus verwurstet wird, ist ja auch nicht wirklich neu. Ich will’s nur angemerkt haben.

Schließlich: Wie sieht es in der lokalen Gemeinschaft aus? War da nicht was mit Kommunen und ihrer Aufgabe? Ist es etwa nicht Aufgabe der Kommunen, für das Wohlergehen ihrer Mitglieder zu Sorgen? Ihnen Räume zu bieten, in denen Gemeinschaft entstehen kann? In Zeiten zunehmenden Sozialabbaus wohl bisschen illusorisch, fürchte ich. Aber wenn es keine Gemeindezentren mehr gibt, in denen eine weite Bandbreite von Veranstaltungen für Menschen aller Altersgruppen stattfinden kann, wo sollen die denn dann hin?

De facto sind z.B. genau Bibliotheken eine Anlaufstelle für Menschen, die Sozialkontakte und weniger konsumorientierte Orte suchen. Ob sich die Bibliotheken dann aber auch für diese Menschen zuständig fühlen, also über die Ausleihe und Rückgabe von Medien und einen Schwatz hinaus, liegt im individuellen Ermessen – leider? Was, wenn es nur noch Ausleih- und Rückgabeautomaten gibt? Hätten dann Bibliothekar_innen nicht mehr Zeit für solche und ähnliche Veranstaltungen? Shared Reading wird von Therapie oder Sozialarbeit abgegrenzt, aber nur weil das da steht, heißt das nicht, dass es nicht Elemente von beidem hat und entwickeln wird und es für die moderierenden Personen sicherlich auch mit allen Regeln und Abgrenzungen intensive Beziehungen, die nicht alle eingehen werden wollen. In den USA haben manche Bibliotheken eigene Sozialarbeiter_innen und/oder Therapeut_innen angestellt, um ihre Besucher_innen zu begleiten.

Es ist ein bisschen schwierig. Gemeinsame Aktivitäten, ja bitte. Mehr. Und Platz dafür. Räume. Geld für Essen und Material. Menschen, die für ihre Arbeit bezahlt werden, ja doch. Freiwilligenarbeit ist toll, aber können sich nicht alle leisten und wenn sie bezahlte Arbeitsplätze ersetzt, ist sie abzulehnen. Ohne die Strukturen und Institutionen in unserer Gesellschaft zu verändern, die zur Vereinsamung und Isolation von Menschen führen, ist genau hinzusehen, ob gemeinsames Vorlesen eine Strategie unter vielen ist – oder doch nur ein neoliberales Pflaster.

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Kaufen, kaufen, kaufen Sie!

Seit ein paar Wochen wird über den Kaufbutton diskutiert (z.B. auf bibliothekarisch.de), den einige Onleihen testweise eingeführt haben. Vieles ist schon gesagt worden, aber hier sind noch ein Paar Fragen, die ich habe, bzw. Punkte, die mir unklar sind.

  • Für wieviel Prozent Beteiligung verkaufen die teilnehmenden Bibliotheken ihre Seelen? Wer legt diesen Prozentsatz fest? Händler oder Verlag?
  • Erhalten die Bibliotheken nur einen Prozentsatz von dem konkreten eBook, dass angeklickt wurde oder von allen Produkten die in der “Session” von der Kundin im Webshop gekauft werden? (Vgl. Amazon Affiliate Programm)
  • Wie lange wird die “Testphase” dauern, bei der nur der ekz Shop eingebunden werden kann. Und ist dieser Zeitrahmen ungefähr so verlässlich, wie zum Beispiel das Android Streaming?
  • Wie erklärt man BibliotheksnutzerInnen, dass Hörbücher auf dem verlinkten Webshop als MP3 heruntergeladen werden können, aber in der Onleihe nicht
  • Gibt es auch ebooks im Shop, die man als Onleihe nicht lizensieren kann? Spätestens wenn die Pilotphase abgeschlossen ist und beliebige Buchhändler eingebunden werden können, wird das wohl der Fall sein. Das finde ich BibliotheksnutzerInnen noch schwieriger zu erläutern als das Format Problem.
  • Ist sofortwelten.de wirklich, wirklich das beste, das ekz eingefallen ist? Wirklich jetzt? “Sofort” als Verkaufsargument für einen Online Shop erscheint mir echt nicht besonders neu, spannend oder einfach merkbar. Schlimmer wäre nur noch vonzuhauseeinkaufen.de.
  • Werden die Zahlen, wieviel eingenommen wurde und mit welchen /wievielen Titeln eigentlich veröffentlicht? Ich bin gespannt auf die Jahresberichte der Pilotbibliotheken.
  • Finde das nur ich eigenartig, dass jedes Projekt auf diversen Konferenzen präsentiert wird und so ein großer Schritt in keinem Fachmedium angekündigt oder diskutiert wird?
  • Gibt es diese Information für Onleihe-Kundinnen eigentlich (Ich bin derzeit in keiner Bibliothek tätig)? Oder sind das geheime Geheiminformationen? Ich fände ja Transparenz bei öffentlichen Einrichtungen begrüßenswert.

Heute habe ich einen Leihmodell-Vergleich gelesen, bei dem Onleihe, Readfy und Skoobe getestet werden und Skoobe am besten bewertet wird, sowohl was Auswahl als auch Verfügbarkeit betrifft. Außerdem hat Amazon heute ihr Flatrate Kindle Unlimited für Deutschland angekündigt.

Und das bemerkenswerteste, das die Onleihe in den letzten Monaten hervorgebracht hat, ist eine Möglichkeit, nicht nur an Bibliotheken Geld zu verdienen, sondern auch an den EndkundInnen.

Oh, bevor ich es vergesse: Nachdem voriges Jahr bei Adobe ein paar Millionen E-Mailadressen und Passwörter geleakt wurden, u.a. wegen schlechter Security Praxis, hat heute jemand gepostet, dass die neue Version von Adobe Digital Editions im großen Stil nachhause telefoniert. Das wird zwar gerne mit “wen überrascht’s?” kommentiert, aber das Ausmaß mit dem Daten unverschlüsselt gesendet werden, auch von Büchern die nicht in ADE hineingeladen werden ist erschütternd.

Zusammenfassend gesagt: Es ist fraglich, ob das Geschäftsmodell der Onleihe auf längere Zeit hält. Die Konkurrenz ist groß und neue, innovative Ansätze sind nicht zu erwarten. Und jetzt gibt es Bibliotheken, die ihre NutzerInnen auch noch einreden möchten, es ist eine gute Idee, nicht auf die eBooks zu warten, sondern sie zu kaufen (wobei das strenggenommen ja kein Kauf ist sondern der Erwerb von beschränkten Nutzungsrechten).

Taste the Definitionsmacht – Comics und Kanon

Wie sieht es denn bei den Mainstreamcomics bzw. Graphic Novels genau aus mit der Verteilung zwischen Männern* und Frauen*? Sind wir da schon auf gleich? Oder werden doch vor allem Männer*erlebnisse und Männer*literatur von männlichen* Comiczeichnern in Projekte umgesetzt, die dann von männlichen* Kritikern besprochen werden?

Hier sind ein paar Statistiken dazu. Zum Beispiel basieren im ganzen “The Graphic Canon”-Projekt nur 25 Comics auf Literaturvorlagen von Autorinnen*. 49 weibliche* Hauptfiguren kommen vor, 86 Künstlerinnen* waren beteiligt. Klingt das nach viel? Lest nach.

Welcome to Shoebox Castle!

Ein Tweet

Ein Text

Ein Rant.

Und einige Statistiken.

Die Frage, ob Comics Kunst sind, ist immer mit “Ja” zu beantworten. Darum geht es nicht in diesem Rant. Bestes Statement zu dieser Frage kam von @karinkollerwp:

Es geht auch nicht darum, ob Comics von Männern* oder Frauen* mehr “wert” sind, welche ich lieber lese, etc., denn ich lese fast alle Comics, die mir unterkommen.

In der österreichischen Tageszeitung “Die Presse” schreibt Christoph Huber am 17.11.2013 (in der Print-Ausgabe) (wie schon getweetet) eine Männerkritik über Männercomics über Männerliteratur und Männererlebnisse.

Es kommen vor:

Nicolas Mahlers Essay in Bildern in der…

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Für neue Kinder- und Jugendliteratur jenseits der Gendernormen

Die Büchereien Wien haben auf Twitter folgenden Artikel getweetet: “Jungs voran” von Tilman Spreckelsen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ich nehm den mal ein bisschen auseinander.

Erstens mal nicht zu vergessen, dass sich nicht alle den Kauf von Büchern leisten können, dass Kinder lesender Eltern mehr lesen als Kinder mit Eltern, die nicht lesen, Unterstützung aus dem Elternhaus, die Rarität von in der Elternsprache erhältlichen Kinderbüchern, wenn diese Sprache nicht Deutsch ist. Und dass Lesen als Aktivität leider auch gegendert ist: Mehr Mädchen* als Buben* – obwohl historisch nicht so und leider manchmal immer noch nicht so, bzw. Wertungsunterschiede zwischen “Mädchen*-” und “Buben*literatur”, genauso wie bei “Frauen*-” und “Männer*literatur und bei der Literaturkritik. Und sicher noch viel mehr. Aber ich schaue jetzt einfach nur einmal auf diesen Artikel.

Ich liebe ja schon die Bezeichnung “Patentantenbücher”. So werden Sachbücher bezeichnet, die angeblich bei den beschenkten Kindern zunächst nicht so gut ankommen. Und da muss ja unbedingt “Patentante” genommen werden, nicht etwa “Patenbücher” (um dieses generische Maskulinum mal besser zu nutzen) oder “Verwandtengeschenke” oder so. Außerdem sind Sachbücher bei Kindern beliebt, weil sie bei der Entdeckung und Einordnung der Welt behilflich sind. Wird das Buch nicht geliebt, liegt das nicht nur am Kind, sondern auch am Buch. Gestehen wir Kindern bitte ihre individuellen Zugänge und eigenen Urteile zu und auch die Möglichkeit, Urteile zu revidieren.

Im nächsten Absatz geht es um den Buchmarkt. Ich finde sehr lustig, dass der Autor hier annimmt, dass Kinder und Jugendliche nur Kinder- und Jugendliteratur lesen und dass diese nur von den Eltern bzw. Großeltern gekauft und zur Verfügung gestellt wird. Wenn Kinder und Jugendliche freien Zugang zu Literatur haben, lesen sie auch das, wozu sie Zugang haben. Gibt es also Bücher im Haus bzw. wird die öffentliche Bibliothek besucht und haben Kinder und Jugendliche freien Zugang und Lesefreiheit, dann funktioniert diese Trennung nicht.

Dass der Markt für Kinderbuchliteratur konservativ ist – volle Zustimmung. Leider viel zu konservativ. Siehe die Debatten um Rassismus in Kinderbüchern – und Sexismus, Klassismus, Ableismus, etc., die wir auch führen oder führen sollten. Zu oft wird ohne nochmalige Überprüfung unreflektiert tradiert, was in der eigenen Kindheit und Jugend für gut befunden wurde. Andererseits sind nicht alle “alten” Bücher per se schlecht. Diese Debatte ist eine wichtige und soll mit vielen Stimmen geführt werden.

Sehe ich mir die Zahlen an, die der Autor aus der Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Arbeitsgemeinschaft Jugendbuchverlage zitiert, scheint es so (ohne jetzt die Studie genau zu kennen), als würden Buben* jetzt mehr Bücher kaufen. Gut so.

Lustig aber die Annahme, dass Kinder und Jugendliche “früher” nie selbst bestimmen konnten, was sie lesen. Leider zeigen die Leseverbote der Vergangenheit sowohl, dass bestimmte Lektüre verboten oder verpönt war – aber gleichzeitig zeigen sie auch, dass und was gelesen wurde (so wie viele Aktivitäten nur durch ihr Aufscheinen in Gesetzesbüchern und Strafakten aufscheinen). Gegen die Leseverbote gab es auch immer Widerstand. Tatsächliche Lesefreiheit ist wohl trotzdem rarer gewesen und Zugang zu Lektüre auch. Allerdings gibt es eine lange orale Tradition von Geschichten und Liedern, zu denen der Zugang ähnlich schwer kontrollierbar ist wie der Zugang zu Lektüre.

Aber kommen wir zum Knackpunkt des Artikels aus meiner Sicht. Warum kaufen denn die Jungen* laut dem Journalisten mehr Bücher?

“Vielleicht, weil sie mit Titeln wie „Gregs Tagebuch“, den allgegenwärtigen Piratengeschichten oder auch den realistischen Jugendbüchern mit männlichen Hauptfiguren endlich ein breites Angebot finden, das sie interessiert.”

Und da muss ich dann vollends lachen. Eigentlich ist das ein Satz, den ich lieber Literaturwissenschaftler*innen überlassen würde, die wissen mehr als ich (mischt euch bitte ein! Ich lerne gerne was!)

Jedenfalls hatte/habe ich den Eindruck, dass es lange gar keine spezifische Jugendliteratur gab und die Kinder und Jugendlichen, wenn sie Zugang zu Geschichten (nehmen wir mal das Wort, um orale Traditionen auch hineinzubringen) immer unmittelbaren Zugang zu “realistischen” Geschichten hatten. Was ist überhaupt “realistisch”? Heißt das, dass die “echte” Welt beschrieben wird? Ist ein Lied über den Arbeitsalltag nicht die “echte Welt”? Ist ein Märchen schon “unrealistisch”, auch wenn es verklausuliert die “echte Welt” beschreibt?

Aber mein Hauptpunkt ist: Es gab und gibt schon immer ein “breites Angebot” an männlichen Hauptfiguren, auch, und besonders, in der Kinder- und Jugendbuchliteratur. Wenn ich an die Bibel denke, die – ja – viele Frauenfiguren hat, deren zentrale Akteure aber Männer sind. Wenn ich an die Ritter- und Heldensagen denke, deren zentrale Akteure immer Männer sind. Die Geschichtsbücher über die Cäsaren, Kaiser und Könige, Erfinder und Abenteurer.

Wenn ich an die ganzen Jugendbuchserien denke, die im besten Fall ein oder ui – zwei – “Quotenmädchen” dabeihaben – geschenkt! Einfach nur mal bei den populärsten Kinderbüchern von Erich Kästner durchzählen (Ich liebe Kästner, auch wenn ich gewisse Probleme sehe, kam Kästner in der Rassismusdebatte denn überhaupt vor?), wieviele männliche Hauptfiguren haben: 7 von 9. Meine Lieblingsbuchserie, “Die Kinder von Nummer 67” von Lisa Tetzner (die leider mittlerweile auch teilweise problematisch gesehen werden muss): Unzählige Jungen*, ein paar Mädchen*, auch wenn diese paar Mädchen* tragende Rollen haben. Michael Ende (auch problematisch): 3 der vier großen Werke haben cismännliche* Hauptfiguren. Harry Potter – trotz Hermione – die zentralen Figuren sind Jungen* bzw. Männer.

Geschenkt, dass es “Mädchenbücher” gibt. Genau die beschreiben oft die “echte Welt” am meisten, vermitteln die volle Gendernorm mit Mann, Kindern, Haushalt. Genauso viele Märchen. Leider. Und warum müssen eigentlich Jungen* immer Bücher lesen, in denen Jungen* die Protagonisten sind? Von Mädchen* wird immer verlangt, sich mit eben diesen Protagonisten zu identifizieren, wenn sie nicht nur “Hanni und Nanni” lesen wollen, weil die “Jugendliteratur” eben auch einen Genderbias hat.

Prinzipiell finde ich es großartig, dass gelesen wird. Es ist gut, wenn Bücher gelesen werden. Lesen, Lesespaß, Lesefreude ist wunderbar und wichtig. Ich persönlich habe meine Probleme mit dem Vorschreiben von Lesestoff bzw. welche Geschichten gehört, gesehen, gelesen werden dürfen. Ich bin dafür, dass sich die Leser*innen selbst entscheiden, was sie lesen wollen (das hab ich aber an anderer Stelle schon lang und breit ausgeführt). Aber genauso ist klar, dass ein Buch aus verschiedenen Gründen (kann ja auch langweilig, voller fachlicher oder Druckfehler oder aber eben Rassismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus, etc sein) abgelehnt wird, von den Eltern oder den Kindern selbst, wie es immer mehr geschieht.

Für echte Lesefreiheit braucht es ein diverseres Angebot. Neue Kinder- und Jugendbücher, die sich von den Gendernormen verabschieden und auch andere Diskriminierungsformen nicht mehr weitertragen. Kinder und Jugendliche sollten als mündige Leser*innen (bzw. Medienkonsument*innen, auch wenn mir das Wort nicht gefällt) mit Mitspracherecht noch viel mehr wahr- und vor allem ernstgenommen werden.

Gastpost wieder löschen, bitte.

Am 8.6. 2013 habe ich einen Gastpost für Buchguerilla.de verfasst. Sie fühlen sich “dem Gedruckten verpflichtet”, bieten aber auch anderen Meinungen eine Plattform, eben meiner, dass ich eBooks und eReader toll finde. Aber heute auf Twitter las ich dann das:

Screenshot BuchguerillaUnd das will ich nicht unterstützen. Also habe ich um die Entfernung meines Gastposts gebeten.

Auch wenn ihr euch jetzt denkt: “Ach, ja, solche Tweets, mein Gott, ist das nicht schrecklich? Sturm im Wasserglas und so.” Mir ist es nicht egal. Der Tweet über die Welt ohne Buchrezensionen, die mit Katzen, Kuchenrezepten und Häkelmustern kombiniert werden, ist schlicht sexistisch. Wenn euch nicht klar ist warum, dann fragt euch doch mal, welche Personengruppe sowas macht und was dieser Personengruppe an ihren Beiträgen im Internet immer angekreidet wird, nämlich “nicht zu ernsthaften Themen zu schreiben”, “das (gewählte ernsthafte) Thema aufzuweichen”, “zuviel Privates/Unerhebliches/Tralala zu inkludieren” etc. und die deshalb in der Blogosphäre und im Internet viel zu oft als “unseriös” wahrgenommen wird. Was für ein enges Weltbild dieser Tweet verrät.

Mir doch egal, wie Menschen ihre Buchrezensionen kombinieren, solange sie dabei Spaß haben und die Gefühle anderer Menschen nicht verletzen i.e. nicht sexistisch, rassistisch, homophob, antisemitisch, ableist, klassistisch etc. sind. Ich will wissen, wie das Buch ist. Das ist es, was mich interessiert – und ob die Rezension gut ist. Aber die Güte einer Rezension kann nicht davon abgeleitet werden, was denn noch für Themen behandelt werden. Außerdem Katzen! Kuchen! Häkelmuster (Ich stricke ja eher, aber Häkeln kann ich auch)! Das sind gute Dinge. Kuchenrezepte und Häkelmuster erfordern ziemlich diffizile Fähigkeiten (Katzen auch, würde ich jetzt sagen), die nicht jeder Mensch besitzt. Was soll das?

Der mittlere Tweet – ok *schulterzuck*. Es hat durchaus Vorteile, Leseverhalten und den Inhalt des Bücherregals ab und zu zu hinterfragen. Aber je mehr Zwang, je mehr erhobener Zeigefinger, desto ungerner und desto mehr frage ich mich, wer es sich anmaßt mir vorzuschreiben, was ich zu tun habe.

Und dann der oberste Tweet – klassisch klassistisch. “Schundliteratur”. Ja, dieses dumme, dumme Volk von “kritiklosen Tagträumern”, das nur Schund liest (und noch dazu auf e-readern!) und zu “gehobener” Literatur gezwungen werden muss, damit es endlich Kritik übt an allem! Mit dieser Vorstellung sind wohl ein paar meiner Großeltern angetreten, aber ich teile diese nicht. Denn um fundierte Kritik üben zu können, muss der Gegenstand erforscht werden. Woher soll ich wissen, ob ein zur “Schundliteratur” zählendes Buch gut ist oder nicht, wenn ich nie “Schundliteratur” gelesen habe? Mit der Zeit erst bildet sich das Urteilsvermögen heraus, das es uns erlaubt, etwas von vornherein abzulehnen.

Dieser oberste Tweet ist eine Beleidigung aller kritischen und kritisch denkenden Menschen, z.B. der Bibliothekar*innen in meiner Twittertimeline, die gerne “Schundliteratur” lesen, sich über die Klischees lustig machen und einfach das Lesen hochleben lassen, in der Gewissheit, dass Lesen zu mehr Lesen führt. Die genau beobachten, was sich in der von ihnen und den Bibliotheksbenützer*innen gelesenen “Schundliteratur” abspielt. Die Forderungen nach besserer “Schundliteratur” stellen, mit besserem Schreibstil, mehr Inklusivität und Diversität.  Denn hallo, Jane Austen und die Bücher der Schwestern Brontë, zu denen Leser*innen von “Schundliteratur” auch greifen bzw. greifen werden, gelten als Hochliteratur. Aber sicher wird es Menschen geben, die das ob der – Schund! – romantischen Themen bestreiten. Äh ja, Werther. Bringt sich um, weil seine Lotte ihn nicht heiratet (oje, Spoiler). Romeo & Julia, The Great Gatsby … na egal.

Ein großartiges Beispiel für den lustvollen, aber trotzdem kritischen Umgang mit “Schundliteratur” ist übrigens das Buchrezensionsblog (ich sehe beim Kontrollblick hier keine Katzen, Kuchenrezepte oder Häkelmuster) Smart Bitches, Trashy Books. Und wenn ich mich an meinen zweiten Post auf diesem Blog zurückbesinne – den über Erotica  – meine Güte, da wird in dem Artikel von Katie Dunneback als eine der Autor*innen Anaïs Nin empfohlen. Oh, ist das vielleicht Porno und gilt das daher nicht? Wollen wir über die männlichen Autoren der “gehobenen” Literatur und ihre Ergüsse reden? Na egal, sind wohl nur Einzelbeispiele.

Wozu der Zwang zur “guten” Literatur führt, könnt ihr in der Schule sehen: Dazu, dass den jungen Menschen das Lesen im schlimmsten Fall ganz verleidet wird. Aber anstatt wertfrei zu fragen, wie Menschen generell zum Lesen und dann zur breit gefächerten Lektüre gebracht werden können, werden solche Aussagen gemacht. So klappt das nicht.

Und dann noch so:

Polemikund so:

SexismusCheck your privilege, wie es auf Englisch so schön heißt.

/end rant

Editiert von AZ, wegen verdrehtem Datum und vergessenen Buchstaben.

Nachtrag am 3.7. 2013:

Die Konversation ging dann auf Twitter noch weiter.

HumorAch so, das war “Satire”. Eine klassische Ausrede.

privilegeOhne Kommentar.

SatireIch füg hier mal einen Link zu den Tweets ein, damit die Debatte nachgelesen werden kann.

Tja und dann gab’s noch diesen Text als Reaktion von 54 Books (mir nicht ganz klar ob der Auslöser oder Reaktion war – wurde von 54 Books auf Twitter geklärt), der sich damit ins gleiche Aus stellt, aber wenigstens offen zugibt, dass er neidisch ist.

Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass es eine konstruktive Debatte wird. Sexismus und Klassismus sind nie konstruktiv, auch wenn sie Reaktionen und Debatten hervorrufen. Aber ich konnte das nicht so lassen. Für mich ist der Titel unseres Blogs nicht einfach nur ein Wortspiel.

Nicht zu fassen – Graphic Novels “For Ladies Only”

Erinnert ihr euch? Vor zwei Wochen war ich in Nürnberg und habe dort einen Comic gekauft. Eigentlich wollte ich ja “Are You My Mother” von Alison Bechdel kaufen, aber Verena hatte das letzte Exemplar gekauft. Also habe ich ein bisschen geschmökert und bin dann auf “Wie ein leeres Blatt” von Pénélope Bagieu und Boulet gestoßen. Wenn ihr diesem Link folgt: http://www.carlsen.de/hardcover/wie-ein-leeres-blatt/27917#Inhalt kommt ihr auf eine neutrale Seite, wo ihr Cover, Inhalt und Bewertungen seht und den Comic direkt kaufen könnt.

Heute habe ich den Comic noch einmal gelesen. Und was sehe ich auf der letzten Seite? Etwas, das mir vorher nicht aufgefallen war. Etwas, das mir den Sonntagmorgen ein wenig vermieste. Das da:

Graphic Novels für Frauen

Foto Anna Zschokke

HÄÄÄÄÄÄÄ?!?!?! Was soll das? Nach einem entrüsteten Tweet die Googlesuche: ja. Das gibt’s wirklich. “For Ladies Only” sagt der Carlsen Verlag. Um die Reihe zu bewerben, gab es schon ein paar “Ladies-Nights” in Buchgeschäften, mit einer Lesung und

“Prosecco und fettreduzierten – aber sehr leckeren – Schnittchen der portable Make-Up-Tisch einer Kosmetikfirma, an dem man sich optisch herrichten lassen konnte, sowie eine Kamera mit New York-Fototapete, vor der eine Mitarbeiterin einer Hamburger Fotostudiokette gewillte Damen ablichtete,”

berichtet madamebooks in ihrem Blog. Besucht hat sie die Ladies-Night (Ladies’ Night, wenn schon!) gemeinsam mit Lachwitz, der ebenfalls darüber bloggte.

Dazu gleich mal ein Hinweis: ich teile nicht alle Meinungen, die in den bis jetzt und danach zitierten Blogs bzw. Comics vertreten werden.

Hier ein paar der Reaktionen (ansonsten “Graphic Novels für Frauen” googeln), auf die ich mich auch beziehen werde:

Auf “Das Leben ist kein Ponyhof” in Comic- und Blogpostform von Sarah Burrini – Leseempfehlung für den Comic, übrigens.

Auf “Ein Comicleben” – auch Leseempfehlung.

Auf Beetlebum von Johannes Kretzschmar

Und auf Grober Unfug – Blog eines Berliner Comicladens mit 2 Filialen, die sich schon mal auf einen Besuch von mir gefasst machen können. Am 11.5. ist nämlich Gratis-Comic-Tag und ich bin dann in Berlin. Und meine Katzenohren auch.

Und was sollen “Graphic Novels für Frauen” jetzt sein? Von der Seite des Carlsen-Verlags:

Die Antwort, warum es Graphic Novels für Frauen braucht, ist ganz einfach: Frauen stehen gar nicht auf Superhelden und krude Zeichnungen!

*seufz* Ehrlich? Wirklich? Alle Frauen? Unkritisch stehe ich nicht zu Superheldencomics, aber ich mag X-Men, besitze V for Vendetta und The League of Extraordinary Gentlemen (ja, keine “normalen” Superheldengeschichten) und lese gerne Manga und schaue gerne Anime mit Superhelden und Superheldinnen. Von den amerikanischen Superheldenfilmen hab ich jetzt ein bisschen genug, aber ich habe mir etliche angesehen und einige ziemlich cool gefunden. Außerdem: Wonderella und andere Onlinecomics. Und ich bin damit nicht allein. Es gibt viele weibliche Fans von Superhelden und Superheldinnen, da stimme ich mit Ein Comicleben überein.

Mir sind auch krude Zeichnungen egal, wenn nur die Geschichte gut ist oder die Gags lustig sind. Ach, Carlsen, Carlsen. Klar, hier geht es nicht um Frauen, die schon Comics lesen. Hier geht es um Frauen, die *nicht* Comics lesen, deshalb heißt es ja auch “Graphic Novels”, damit die Nase ungerümpft bleibt. Deshalb wäre es ja auch gut, wenn die “Graphic Novels für Frauen” in der Brigitte rezensiert werden, wie Sabine Witkowski, verantwortliche Redakteurin, zu madamebooks gemeint hat. Ich verstehe das. Neue Zielgruppen erschließen und so.

Um die Comics an die Frau zu bringen, wurden die “Graphic Novels für Frauen” auch als “Lifestyle-Produkte” beworben, mit Deko-Kissen, wie auf Grober Unfug zu sehen ist. Weiters wird auf der Seite des Carlsen-Verlags bekanntgegeben:

Und schließlich sind sie so gemacht, wie es selbst im Carlsen Verlag erst mal die Frauen haben wollten: Die Bücher passen in jede Handtasche, haben einen praktischen Gummibandverschluss UND fühlen sich gut an!

Ja, das ist wichtig! (Nicht.) Denn haben die neuen Graphic Novels nicht im Allgemeinen alle Handtaschenformat? Und Manga sowieso? Bzw. gibt es ja doch auch Stoffbeutel und Oversize-Handtaschen? Werden normale Bücher auch damit beworben, dass sie Handtaschenformat haben? Werden Graphic Novels sonst damit beworben, dass sie Rucksack- oder Aktentaschenformat haben? Ich mag ja auch die A4-formatigen Comics, weil sie ihren ZeichnerInnen mehr Platz bieten (ach, die ganzseitigen Bilder in Garulfo, und Mit Mantel und Degen). Insgesamt ist mir das Format egal, gebt mir gute Comics!

Und wie sieht es jetzt mit den Inhalten aus? Modewelt in Paris. Alltagsleben plus Schuhfetischismus. Magersucht. Klar, das hat “Frauen” zu interessieren. Nein, ich habe diese Comics nicht gelesen. Lesen würde ich sie schon, denn ich bin neugierig und die Geschichten scheinen gut zu sein (ich vertraue da mal auf Beetlebum und den Carlsen-Verlag). Zweimal pink und je einmal türkis, weiß und crémefarben sind die Cover, die bisher auch noch mit einem Hinweis “Special Edition For Ladies” versehen waren. Gnah. Warum das Pink ein Problem ist, erklären Ein Comicleben, Sarah Burrini und das Internet gerne.

Wie ein leeres Blatt

Foto Anna Zschokke

Der Comic “Wie ein leeres Blatt” hat keinen solchen Hinweis. Offensichtlich wurde das wieder aufgegeben, wie Andreas Blatt in seiner Rezension für das Comic-Blog der FAZ berichtet. Meine Motivation, zu dem Comic zu greifen, war ja genau Boulet, bzw. da ich ja seinen Onlinecomic lese, den er gratis im Netz zur Verfügung stellt, wollte ich ihn durch den Kauf des Comics finanziell unterstützen (ja, da bin ich wohl etwas idealistisch).

Hätte ich den Comic gekauft, wenn ich gewusst hätte, dass er “für Frauen” gedacht ist? Ich habe mich ja schon im Comicladen gewundert, was es mit den Gummibändchen
auf sich hat, da lagen nämlich noch mehr aus der Reihe. Aber nicht als Extra-Display, zum Glück. Die anderen haben mich aber nicht angesprochen, vor allem nicht, nachdem ich “Boulet” gesehen hatte. Im Nachhinein kann ich es nicht sagen. Vielleicht hätte ich ihn gekauft (Boulet!) und sofort einen Blogpost geschrieben? Vielleicht hätte ich auf dem Bibcamp eine andere Session (über Feminismus, Sexismus und/oder andere Ismen in Bibliotheken nämlich) gehalten?

Jetzt, da ich “Wie ein leeres Blatt” besitze, bin ich froh – die Geschichte ist gut. Es geht ja auch nicht um ein “Frauenthema”, sondern die Hauptfigur des Comics ist eine Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat. Und sie holt sich Hilfe bei einer anderen Frau. Als Film würde der Comic den Bechdel-Test bestehen. Dabei wurde die Geschichte von einem Mann geschrieben, so wie auch “Luft und Liebe“, ein anderer Comic aus der “Graphic Novels für Frauen”-Serie, geschrieben von Hubert, gezeichnet von Marie Calliou.

Im Idealfall ist sowohl das Geschlecht der Leser*innen als auch der Autor*innen (ja, dieser Absatz bewusst mit Gendersternchen) egal – universell ansprechend sollen sie sein, die Comics. Wer kann sagen, was wem gefällt? Lesen Brigitte-Leser*innen denn nur Bücher über “Frauen”themen? Was sagt da der Carlsen Verlag?

Mit den Graphic Novels hat sich das inhaltliche und gestalterische Spektrum der Bildergeschichten so breit entwickelt, dass sich auch Frauen dafür interessieren.

Ach so, erst mit den Graphic Novels. Ja. Ehrlich? Dabei sollten sie doch im Carlsen Verlag eine Ahnung von Comicgeschichte haben. Aber es geht hier ja um “Frauen”, die noch keine Comics lesen.

Nun, ich lese ja schon Comics. Ich lese Comics, seit ich ein Kind bin. Comics haben in meiner ganzen Entwicklung eine unglaublich wichtige Rolle gespielt. Ich rede hier nicht von Micky Maus, Donald Duck, Lucky Luke, Asterix, Tim und Struppi, Gaston, Marsupilami, Isnogood, Yoko Tsuno und viele mehr, obwohl die auch immens wichtig waren. Ich rede von Claire Bretécher, Franziska Becker, Gerhard Seyfried, wunderschönen, absolut nicht jugendfreien und ganz auf Männer ausgerichteten Comics aus den Sammlungen von diversen Erwachsenen in meinem Umfeld, Ralf König (der war ganz, ganz wichtig), Maus, den unvergleichlichen Love & Rockets von Jaime und Gilbert Hernandez, Strangers in Paradise von Terry Moore, der eine große weibliche Leserschaft hat (für die beiden letzten danke, danke, DANKE Büchereien Wien!), Garulfo, Mit Mantel und Degen, Trent (ja, ich mag Western), etc. etc. etc. und so weiter, bis Flight, die tausenden Manga und die vielen, vielen Onlinecomics, die ich seit fast meiner Anfangszeit im Internet (gute 14 Jahre) lese.

Ich bin mit meiner Liebe zu Comics nicht allein. Es gibt noch viele andere Menschen, die Comics lieben und kaufen. Wie in einigen der Blogposts von männlichen Autoren angemerkt, hätten auch diese Interesse an den “Graphic Novels für Frauen”. Muss es also wirklich die Schubladisierung sein?

Mein Tipp: Anstatt “Graphic Novels für Frauen” herauszugeben, überlegt euch lieber, wie ihr gute Autor*innen unterstützt, die zu allen möglichen Themen schreiben. Wenn Kinder und Jugendliche zu Comics kommen, lesen sie alles und sollen auch alles lesen dürfen. Vielleicht verstehen sie noch nicht alles, aber der Eindruck bleibt. Springen Erwachsene erst über die Hürde des “aber Comics sind doch Kinderkram”, freuen sie sich sicher auch, wenn sie nicht in Schubladen gesteckt werden und ein genauso breites Angebot finden.

So aber: Sympathieverlust und Genervtheit.