tolino vs. kindle

Ich habe lange nicht gebloggt! Wenigstens kann ich guten Gewissens sagen, dass ich seit meinem letzten Blogpost viel gelesen habe, sowohl auf dem kindle als auch auf dem tolino. Ich finde beide eReader nach wie vor sehr praktisch.

Am kindle schätze ich

  • wie schnell und unkompliziert ich ihn mit ihm eBooks kaufen kann.
    Ich hab mir ein Papierbuch aus der Bibliothek geliehen, das mir sehr gut gefallen hat. Band 2 und 3 der Serie hat die Bibliothek nicht. Innerhalb von Minuten hab ich den zweiten Teil gekauft und über WLAN am kindle.
  • die seitlichen Blättertasten rechts und links.
    Auch die linke Blättertaste blättern weiter. Deswegen blättere ich immer wenn ich zurückblättern will zunächst in die falsche Richtung, bis mir einfällt, dass die oberen Blättertasten zum zurückblättern sind. Aber meistens blättere ich ohnehin weiter und da sind die Tasten sehr praktisch beim einhändigen Lesen.
  • wie einfach ich Artikel auf den kindle spielen kann.
    Es gibt ein Firefox-Plugin, mit dem man jeden Artikel, Blogeintrag etc. an den kindle senden kann. Beim nächsten Mal einschalten und mit WLAN verbinden lädt der kindle die Artikel dann herunter. Alternativ kann man auch Dateien an den kindle emailen. Praktisch für längere Zugfahrten, bei denen ich meine für später gespeicherten Artikel nachlesen möchte

Ich habe bei amazon kostenlos den “Geek-Atlas”, einen Reiseführer für Geeks, heruntergeladen. Ich wollte im Atlas nach Ausflugszielen in und um London suchen und mir ist aufgefallen, dass ich browsen, bzw. hin- und herspringen zwischen Inhaltsverzeichnis und Text auf dem kindle sehr unpraktisch finde, weil ich mich nicht gut orientieren kann, wo im Text ich mich befinde. Es hat mich überrascht, wie schnell und gründlich mich das genervt hat.

Obwohl ich prinzipell weiß, dass mein kindle keinen Touch Screen hat, erwische ich mich immer wieder mal dabei den Bildschirm zu berühren. Navigieren mit Tasten bin ich gar nicht mehr gewohnt. Obwohl ich sagen muss, dass die Bedienung des kindle wirklich gut durchdacht ist und sehr gut funktioniert (wenn man nicht gerade im Text herumspringen möchte).

Der tolino war mein treuer Begleiter während meiner “Game of Thrones” Obsession. Ich habe im Juni angefangen die Bücher zu lesen, nachdem die Fernsehserie in Pause gegangen ist. Die 5-bändige Serie hätte ich mir auf Papier wohl nicht angetan bzw. hätte es viel länger gedauert, weil ich 1000-Seiten Wälzer nicht gerne in der Handtasche mit mir herumtrage. Als eBook war Game of Thrones in London und später Irland dabei. Am tolino schätze ich besonders

  • die Beleuchtung.
    An einem lauen Sommerabend am Balkon sitzend, liest es sich besonders gut über King’s Landing. Und die tolino Beleuchtung zieht wesentlich weniger Gelsen (für Deutsche: Stechmücken) an, als die Außenbeleuchtung. Auch im Bett lese ich gerne mit der tolino Beleuchtung und nicht mit Nachttischlampe, weil ich mir da oft selbst einen Schatten werfe.
  • den Touchscreen.
    Trotz der gut gemachten kindle Bedienung ist ein Touchscreen für mich mittlerweile die logischere Art der Bedienung. Im Idealfall hätte ich wohl ein Lesegerät mit Blättertasten zum Lesen und einem Touchscreen zum einkaufen und navigieren.

Ich habe mir für den tolino basierend auf einem Review von literaturcafe.de die Hülle “Tuff Luv” bestellt. Sie ist eigentlich für den kindle Paperwhite gemacht, aber die Maße vom tolino sind fast identisch. Das einzige Problem ist, dass die Schlaufe die über das linke Eck geht den Einschalte-Schieber verdeckt, deshalb ist mein tolino meistens nur an 3 Ecken befestigt.

Interessanterweise finde ich den “integrierten Griff” der Hülle nicht besonders praktisch, aber dafür den Ständer mit dem man den Reader neben oder hinter den Teller stellen kann, sollte man beim Essen lesen (hab ich gehört). Nachdem ich die beiden Geräte ohnehin nie gemeinsam in Verwendung habe sondern nur hintereinander, verwende ich die Hülle für beide. Mein kindle hat zwar andere Maße, aber das fällt nicht wirklich auf.

Ich hab in den vergangenen Monaten sehr viel gelesen – eBooks und Papierbücher gleichermaßen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich zum eBook greife, wenn wenn ich weiß, was ich lesen möchte. Dann spiele ich das eBook auch auf den entsprechenden Reader und sorge dafür, dass er genug Strom kriegt. Wenn ich mich noch nicht entschieden habe, was ich als nächstes lesen möchte, dann gehe ich oft zum Bücherregal zuhause oder in der Bibliothek und lass mich von den vorhandenen Papierbüchern inspirieren. Problematisch wird das immer dann, wenn ich keinen Reader dabeihabe wenn das Papierbuch aus ist und dann akuter Buchmangel auftritt, meistens wenn ich noch eine Zugfahrt o.ä. vor mir habe.

Derzeit lese ich zum Beispiel den dritten Band von Ben Aaronovitchs Rivers of London Serie, die ich beim Einkaufsbummel in Dublin zu stark reduziertem Preis auf Papier gekauft habe. Den zweiten Band hab ich während einer Zugfahrt nach Wien ausgelesen, und weil ich kein weiteres Buch und auch keinen Reader dabeihatte, musste ich mir ein eBook aus der Onleihe auf das Handy herunterladen.

Ich lese nicht oft ganze Bücher am Handy, aber leichte, lustige, kurze Romane gehen da eigentlich ganz gut. Wegen des hohen Akkuverbrauchs und des stark spiegelnden Display ist das Handy nicht meine erste Wahl, aber in akuten Buchmangelsituationen ist es einer Zugfahrt ohne Buch jederzeit vorzuziehen 😉

Gastpost wieder löschen, bitte.

Am 8.6. 2013 habe ich einen Gastpost für Buchguerilla.de verfasst. Sie fühlen sich “dem Gedruckten verpflichtet”, bieten aber auch anderen Meinungen eine Plattform, eben meiner, dass ich eBooks und eReader toll finde. Aber heute auf Twitter las ich dann das:

Screenshot BuchguerillaUnd das will ich nicht unterstützen. Also habe ich um die Entfernung meines Gastposts gebeten.

Auch wenn ihr euch jetzt denkt: “Ach, ja, solche Tweets, mein Gott, ist das nicht schrecklich? Sturm im Wasserglas und so.” Mir ist es nicht egal. Der Tweet über die Welt ohne Buchrezensionen, die mit Katzen, Kuchenrezepten und Häkelmustern kombiniert werden, ist schlicht sexistisch. Wenn euch nicht klar ist warum, dann fragt euch doch mal, welche Personengruppe sowas macht und was dieser Personengruppe an ihren Beiträgen im Internet immer angekreidet wird, nämlich “nicht zu ernsthaften Themen zu schreiben”, “das (gewählte ernsthafte) Thema aufzuweichen”, “zuviel Privates/Unerhebliches/Tralala zu inkludieren” etc. und die deshalb in der Blogosphäre und im Internet viel zu oft als “unseriös” wahrgenommen wird. Was für ein enges Weltbild dieser Tweet verrät.

Mir doch egal, wie Menschen ihre Buchrezensionen kombinieren, solange sie dabei Spaß haben und die Gefühle anderer Menschen nicht verletzen i.e. nicht sexistisch, rassistisch, homophob, antisemitisch, ableist, klassistisch etc. sind. Ich will wissen, wie das Buch ist. Das ist es, was mich interessiert – und ob die Rezension gut ist. Aber die Güte einer Rezension kann nicht davon abgeleitet werden, was denn noch für Themen behandelt werden. Außerdem Katzen! Kuchen! Häkelmuster (Ich stricke ja eher, aber Häkeln kann ich auch)! Das sind gute Dinge. Kuchenrezepte und Häkelmuster erfordern ziemlich diffizile Fähigkeiten (Katzen auch, würde ich jetzt sagen), die nicht jeder Mensch besitzt. Was soll das?

Der mittlere Tweet – ok *schulterzuck*. Es hat durchaus Vorteile, Leseverhalten und den Inhalt des Bücherregals ab und zu zu hinterfragen. Aber je mehr Zwang, je mehr erhobener Zeigefinger, desto ungerner und desto mehr frage ich mich, wer es sich anmaßt mir vorzuschreiben, was ich zu tun habe.

Und dann der oberste Tweet – klassisch klassistisch. “Schundliteratur”. Ja, dieses dumme, dumme Volk von “kritiklosen Tagträumern”, das nur Schund liest (und noch dazu auf e-readern!) und zu “gehobener” Literatur gezwungen werden muss, damit es endlich Kritik übt an allem! Mit dieser Vorstellung sind wohl ein paar meiner Großeltern angetreten, aber ich teile diese nicht. Denn um fundierte Kritik üben zu können, muss der Gegenstand erforscht werden. Woher soll ich wissen, ob ein zur “Schundliteratur” zählendes Buch gut ist oder nicht, wenn ich nie “Schundliteratur” gelesen habe? Mit der Zeit erst bildet sich das Urteilsvermögen heraus, das es uns erlaubt, etwas von vornherein abzulehnen.

Dieser oberste Tweet ist eine Beleidigung aller kritischen und kritisch denkenden Menschen, z.B. der Bibliothekar*innen in meiner Twittertimeline, die gerne “Schundliteratur” lesen, sich über die Klischees lustig machen und einfach das Lesen hochleben lassen, in der Gewissheit, dass Lesen zu mehr Lesen führt. Die genau beobachten, was sich in der von ihnen und den Bibliotheksbenützer*innen gelesenen “Schundliteratur” abspielt. Die Forderungen nach besserer “Schundliteratur” stellen, mit besserem Schreibstil, mehr Inklusivität und Diversität.  Denn hallo, Jane Austen und die Bücher der Schwestern Brontë, zu denen Leser*innen von “Schundliteratur” auch greifen bzw. greifen werden, gelten als Hochliteratur. Aber sicher wird es Menschen geben, die das ob der – Schund! – romantischen Themen bestreiten. Äh ja, Werther. Bringt sich um, weil seine Lotte ihn nicht heiratet (oje, Spoiler). Romeo & Julia, The Great Gatsby … na egal.

Ein großartiges Beispiel für den lustvollen, aber trotzdem kritischen Umgang mit “Schundliteratur” ist übrigens das Buchrezensionsblog (ich sehe beim Kontrollblick hier keine Katzen, Kuchenrezepte oder Häkelmuster) Smart Bitches, Trashy Books. Und wenn ich mich an meinen zweiten Post auf diesem Blog zurückbesinne – den über Erotica  – meine Güte, da wird in dem Artikel von Katie Dunneback als eine der Autor*innen Anaïs Nin empfohlen. Oh, ist das vielleicht Porno und gilt das daher nicht? Wollen wir über die männlichen Autoren der “gehobenen” Literatur und ihre Ergüsse reden? Na egal, sind wohl nur Einzelbeispiele.

Wozu der Zwang zur “guten” Literatur führt, könnt ihr in der Schule sehen: Dazu, dass den jungen Menschen das Lesen im schlimmsten Fall ganz verleidet wird. Aber anstatt wertfrei zu fragen, wie Menschen generell zum Lesen und dann zur breit gefächerten Lektüre gebracht werden können, werden solche Aussagen gemacht. So klappt das nicht.

Und dann noch so:

Polemikund so:

SexismusCheck your privilege, wie es auf Englisch so schön heißt.

/end rant

Editiert von AZ, wegen verdrehtem Datum und vergessenen Buchstaben.

Nachtrag am 3.7. 2013:

Die Konversation ging dann auf Twitter noch weiter.

HumorAch so, das war “Satire”. Eine klassische Ausrede.

privilegeOhne Kommentar.

SatireIch füg hier mal einen Link zu den Tweets ein, damit die Debatte nachgelesen werden kann.

Tja und dann gab’s noch diesen Text als Reaktion von 54 Books (mir nicht ganz klar ob der Auslöser oder Reaktion war – wurde von 54 Books auf Twitter geklärt), der sich damit ins gleiche Aus stellt, aber wenigstens offen zugibt, dass er neidisch ist.

Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass es eine konstruktive Debatte wird. Sexismus und Klassismus sind nie konstruktiv, auch wenn sie Reaktionen und Debatten hervorrufen. Aber ich konnte das nicht so lassen. Für mich ist der Titel unseres Blogs nicht einfach nur ein Wortspiel.

Mein E-Reader und ich ein paar Monate später

Letztes Wochenende bin ich wieder einmal von einem Studienwochenende in Berlin zurückgekehrt. Wie fast immer hatte ich meinen Kobo Glo dabei. Selbst wenn ich ihn gar nicht benutze, ist es gut ihn für alle Fälle dabei zu haben. Als ich ihn einmal vergaß, musste ich 30 Bücher kaufen kaufte ich ein Buch und zwei Comics. Die Comics hatte ich zwischen Berlin und Dresden ausgelesen. Ich brauche ihn nicht immer, aber wenn er nicht mit ist, kann es schlimm werden.

Denn mittlerweile habe ich mich ja an eine gewisse Routine gewöhnt und kann im Nachtzug recht gut schlafen. Wenn ich richtig müde bin – und das versuche ich meistens zu sein – lese ich nur kurz im Kobo, wenn überhaupt. Aber diesmal nicht. Diesmal konnte ich partout nicht schlafen.

Das sind die Glanzstunden des Kobo Glo. Ohne die anderen Fahrgäste zu stören, konnte ich mich ungestört Elisabeth Gaskells “North & South” widmen und brauchte dazu nur die niedrigste Helligkeitsstufe. Bis es in Prag um halb fünf hell wurde, da wechselte ich dann zwischen Schlafen, Lesen und Landschaftsbetrachtung. Die Rückfahrt über Hannover war noch schlimmer und um ca. 6 Uhr früh hatte ich “North & South” ausgelesen. Der Kobo war bei der Abreise zu 100% geladen gewesen. Nach zwei fast durchlesenen Nächten mit dauerhafter niedrigster Beleuchtung hatte er noch 79% Batteriezeit. Klingt nach viel Verbrauch? Ohne Beleuchtung verbraucht der Kobo so wenig Strom, dass ich noch lange weiterlesen kann und selbst mit Beleuchtung hat er noch für 8 Nächte Energie.

Lesestatistiken

Gleichzeitig hatte ich auch Zeit, mir Gedanken über die Kobo-Gamification zu machen. Kalte Fakten gibt’s bei den Lesestatistiken, die mir verraten, was ich gerade lese, wieviele Bücher und Stunden ich insgesamt gelesen habe, etc.

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Aber dann gibt es noch Lesepreise, von denen ich mittlerweile auch einige “gewonnen” – sagen wir lieber: erreicht – habe. Bei manchen von diesen ist angegeben, wie sie erreicht werden, bei anderen nicht.

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Wird ein Preis während dem Lesen erreicht, erscheint ein kurzer Hinweis, der aber nicht anklickbar ist und nur so kurz aufscheint, dass gar nicht klar ist, welcher Preis da erreicht wurde. Von den Preisen selbst – derzeit 26 – beziehen sich 10 auf das Lesen zu verschiedenen Tageszeiten – z.B. zur Geisterstunde oder am frühen Nachmittag, ein paar auf das Benutzen von Features, z.B. Markieren, Worte nachschlagen und der Rest auf Lesevolumen, Lesedauer, das Teilen des Reading Life auf Facebook und noch ein paar so Dinge.

Außer der simplen Existenz dieser “Lesepreise” und der Möglichkeit, ihr Erreichen auf sozialen Netzwerken teilen zu können, gibt es keine Anreize dafür, die Preise zu gewinnen (z.B. Gutscheine für e-books). So viele Preise gibt es auch nicht, aber es scheint, dass seit dem letzten Update ein paar dazu gekommen sind. Was bei Kobo-Updates passiert, wird übrigens nicht kommuniziert.

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Fraglich ist, wie das Erreichen der Preise gemessen wird – wie lange und wie oft muss gelesen werden, damit “zur Geisterstunde lesen” erreicht wird? Den Preis “Wörter hoch!”, also das nachschlagen von 10 neuen Bedeutungen im eingebauten Wörterbuch, habe ich sicher nicht “ehrlich” gewonnen, da ein unabsichtliches Antippen der Mitte des Bildschirms bereits zum Aufrufen des Wörterbuchs führen kann. Noch dazu kennt das Wörterbuch genau die Worte nicht, die mich am meisten interessieren …

Wörter hoch

Und von dem Kommentar beim “Wörter hoch!” Preis, da steht “Sie haben 10 neue Bedeutungen nachgeschlagen. Vielleicht ist es jetzt Zeit, mal rauszugehen?”, bin ich ja nicht so begeistert.

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Beim Preis “Primetime” steht “Ihr Fernseher fühlt sich vermutlich einsam! Sie haben fünfmal zur besten Sendezeit gelesen: von 20-22 Uhr”. Ich habe keinen Fernseher. Und sollte ein E-Reader nicht eigentlich zum Lesen animieren? Wenn die Leserin oder der Leser fünfmal zwischen 14 und 16 Uhr liest, schließt der Kobo daraus, dass sie/er heute frei hat. Und Pendeln findet prinzipiell zwischen 7 und 9 Uhr morgens statt. Wer entscheidet diese Normen? Das nervt.

Fazit: Kobo yay, Kobo Gamification nay.

Kindle

Ich habe kürzlich den Blogpost I got a Kindle von librarian.net gelesen und war sofort von Gadget-Neid befallen. Jessamyn hat einen gebrauchten Kindle über ebay gekauft. Ja, warum eigentlich nicht? Einen Kindle zum Vollpreis kaufen, wenn ich gerade ein neues Lesegerät erstanden habe, kann ich nicht rechtfertigen, aber aus beruflichem Interesse ist so ein Gebrauchtkindle schon sinnvoll, finde ich.

Außerdem habe ich vor kurzem auf Twitter von “Send to Kindle” gelesen. Man kann das Mini-Programm zu Firefox und Chrome hinzufügen. Dadurch kriegt der Browser ein neues Icon. Mit einem Klick darauf wird der Blogpost oder die Webseite dann an das Kindle-Konto geschickt und wenn der Kindle das nächste Mal mit WLAN verbunden ist, lädt er den Artikel automatisch herunter. Besonders angenehm daran ist, dass Werbung etc. herausgefiltert wird und nur der reine Artikeltext übrig bleiben sollte. Es gibt einige Apps und Dienste, die soetwas machen, z.B. Pocket (früher Read it later), aber die Integration mit dem Kindle gefällt mir. Noch ein Argument einen Kindle auszuprobieren. (Etwas ähnliches gibt es übrigens mit Evernote für den Sony PRS-T2)

Leider hab ich in Österreich keinen günstigen Kindle mit 3G (kostenloses Internet wie am Handy!) auf ebay gefunden, aber dafür einen günstigen, quasi unbenutzten “normalen” Kindle auf willhaben.at. Nach einem abendlichen Treffen auf einem schlecht beleuchteten Parkplatz ist er jetzt meiner!

Nach dem Einschalten ist man sofort auf der Seite “Einstellungen” wo man sich mit seinem Amazon-Konto einloggen kann. Die Bedienung des Geräts mit Tasten statt Touchscreen ist ungewohnt. Aber es hat auch Vorteile: der Druckpunkt der Tasten gibt ein besseres Feedback, als die Eingabe per Touchscreen, wo man lange nicht weiß, ob der richtige Buchstabe berührt wurde und gelegentlich aus Ungeduld Buchstaben doppelt tippt (hab ich gehört!).

Tasten auf dem KindleDie Bedienung ist einfach und man hat das System schnell durchschaut. Home-Taste, Tastatur auftauchen und verschwinden lassen, Menütaste (mittlerweile versteh ich das Symbol ja), Navigation mit der Auswahltaste in der Mitte.

kindle tasten

Die seitlichen Blättertasten haben einen komischen Druckpunkt, den ich gewöhnungsbedürftig finde. Aber dass es sie rechts und links gibt, je nachdem mit welcher Hand man den Reader gerne hält, finde ich praktisch, genauso wie die kleinere Zurückblättertaste oberhalb.

Ich habe schon ein paar gratis eBooks bei Amazon “gekauft”, deshalb waren mit meinem Konto dort schon eBooks verbunden, die auf dem Reader als Archiv aufscheinen. Will man sie herunterladen, geht sofort ein Fenster mit verfügbaren WLAN-Verbindungen auf, sobald die Verbindung steht, wird das eBook heruntergeladen.

Mein erster Eindruck ist sehr positiv. Ich bin gespannt, welchen der beiden Reader ich stärker nutzen werde.

Ich will nicht unterschlagen, dass der Kindle bzw. Kundin bei amazon zu sein Nachteile hat, aber die hebe ich mir vorerst für einen späteren Blogpost auf. Sie sind in dem Kindle-Posting auf librarian.net sehr gut zusammengefasst. Der auffälligste Nachteil und wohl auch der Grund, warum ich mit dem Kauf so lange gewartet habe, ist, dass der Kindle nicht mit der Onleihe kompatibel ist und auch keine ePubs lesen kann. eBooks im ePub-Format kann man zwar ins kindle Format umwandeln, aber nur wenn sie keinen Kopierschutz haben, was aber bei allen Onleihe eBooks der Fall ist.

Ich werde wohl in Zukunft meine eBooks mit Calibre verwalten (müssen), weil das Programm mit beiden Formaten umgehen kann.

Leben mit dem E-Reader: Wir feiern Indiebookday

Heute ist Indiebookday. Was für ein Tag? Nun, der mairisch Verlag hat den 23. März zum Indiebookday ausgerufen, zu dem Tag, an dem wir die Buchhandlung unseres Vertrauens aufsuchen, ein Buch aus einem kleinen, unabhängigen Verlag erwerben und ein Foto davon auf unseren sozialen Netzwerken posten sollen. Mehr Info gibt’s hier: http://www.indiebookday.de/

Eine Freundin hatte mich schon vor Wochen auf Facebook zum Indiebookday eingeladen. Haaa, in eine Buchhandlung gehen und ein Buch kaufen, dachte ich mir. Nette Idee.

Irgendwann in der Zeit habe ich auch den binooki Verlag kennengelernt, auf Twitter, per Empfehlung der Büchereien Wien. Der binooki Verlag übersetzt türkische Klassiker und Gegenwartsliteratur ins Deutsche und bietet sie sowohl auf Papier als auch als e-books an. Oh, die wollte ich gerne lesen. Also auf die gedankliche Leseliste, mit dem Vermerk, halt irgendwann in den versammelten Bibliothekskatalogen nachzusehen, ob ich sie irgendwo ausleihen könnte. Ich mache das oft so – und meistens enttäuschen mich die versammelten Bibliotheken nicht. Besonders die Bibliothek der Universität Wien hat meine letzten Lesewünsche ausgezeichnet erfüllt.

Diese Woche entschloss ich mich aber dazu, den Indiebookday doch zu feiern. Blöd nur, dass sich in meiner Nähe keine Buchhandlung befindet. Außerdem habe ich eine leichte Buchbesitzphobie seit ich die Bibliothek meines Vaters auflösen musste (auch deshalb so viel Bibliotheksbenutzung) und in den nächsten Monaten stehen wieder lange Zugreisen an. Daher hege ich auch eine große Sympathie für e-books und der Kobo wollte sowieso wieder einmal gefüttert werden. Gestern schaute ich noch nach, ob ich Bücher des binooki Verlags denn auch über den Kobo erwerben könnte: Ja. Dann fragte ich extra nochmal auf Twitter nach, ob denn ein e-book auch gilt und bekam sofort die Antwort: Ja, gilt!

Heute habe ich es dann gekauft: “Das Siebentagegebet” von Zerrin Soysal, bequem auf dem Sofa sitzend, das ich vorher auf der Suche nach dem Kobo umgegraben hatte. Gelesen wird es dann nächste Woche, im Zug. “Aber die kleinen Buchhandlungen!”, höre ich euch sagen. Andere gehen extra hin, bestellen Papierbücher direkt bei den Verlagen … nun, ich will das heute nicht. Ich will heute bequem von meinem Sofa aus ein e-book bestellen und es gleich “besitzen”, auch wenn ich es erst später lese. Der binooki Verlag hat bei mir auch deshalb einen Stein im Brett, weil das geht.

Übrigens sind wegen dem Indiebookday mindestens drei weitere Bücher auf meine Wunschleseliste gewandert. Und die hole ich mir vielleicht sogar in der Buchhandlung.

Indiebookday

tolino shine

Seit Tagen liest man in diversen Bücher-Blogs von nichts anderem: seit 7. März wird der neue eReader tolino shine bei Thalia und Weltbild (in Deutschland auch Hugendubel) verkauft. Während diverse Blogger spekulieren, ob die Zusammenarbeit von so vielen großen Buchhändlern und der deutschen Telekom endlich zum “Kindle-Killer” führt (ist unwahrscheinlich), war mein Grund mir am Donnerstag den tolino zu kaufen viel banaler: Er kann alles, was die anderen Reader können, die ich ins Auge gefasst hatte und ist dabei 30€ billiger.

Es ist ein eInk Reader mit Touchscreen, WLAN und Beleuchtung und kann, wie ich aus verlässlicher Quelle erfahren habe (Danke, Stadtbibliothek Erlangen!) mit Onleihe eBooks umgehen.

Ich hatte früher einen Sony PRS-T1, das Vormodell zum aktuellen Sony Reader und war auch sehr zufrieden damit, aber ich wollte unbedingt einen beleuchteten Reader haben.

Anna meinte, dass er nicht gerade schön sei und in einigen Foren ist von “DDR-Design” die Rede, aber ich muss zugeben, dass ich von keinem Reader behaupten würde, er ist sexy. Ein Kollege hat eInk so schön “den Charme von Recycling Papier anno 1992” genannt und das trifft es ziemlich gut 😉

Ich schaffe es am Donnerstag kurz vor Geschäftsschluss zu Thalia und geh in den zweiten Stock um ihn mal selbst auszuprobieren. Ok, es ist ein eReader, das Konzept (Bibliothek, Shop, Blättern, Schriftgröße einstellen) ist überall ziemlich ähnlich. Den will ich! Also spreche ich die Verkäuferin an: “Ich hätte gern den tolino shine.” Sie lächelt, geht zur eReader Ausstellung und sieht mich dann etwas ratlos an. “Welchen Schein für den tolino?” Die herbeieilende Kollegin die zur eReading-Abteilung gehört kann das Missveständnis aufklären und schickt mich ins Erdgeschoß zur Kassa.

“Ich hätte gerne den tolino shine.” Wieder leicht ratloses Lächeln bis ich sage “der neue Reader”. Ah, ja, der, der ist neu, oder? Der Ansturm hält sich also anscheinend in Grenzen 😉 und das Konzept überzeugt sie anscheinend auch nicht sehr, immerhin gibt sie mir ein Leeszeichen mit ins Sackerl.

eReader namens tolino in seiner Schachtel

tolino stellt sich vor

Tolino begrüßt mich freundlich, stellt sich auch brav vor und gibt gleich ein paar Tipps zur Bedienung. Er wird mit drei eBooks ausgeliefert, die man ohnehin gratis im Netz findet, weil die Urheber länger als 70 Jahre verstorben sind. Im unteren Teil des Startbildschirms kann mit indem man auf “Jetzt anmelden” tippt eine WLAN Verbindung herstellen und kommt so gleich zum Thalia Shop.

Die Anmeldung bei Thalia ist notwendig um die Cloud nutzen zu können. Die ist im Prinzip nichts anderes als gratis Speicherplatz, wo eBooks die über den Shop gekauft werden automatisch gespeichert werden. Man muss aber nicht unbedingt den Shop verwenden, man kann eBooks auch über eine Speichekarte auf den tolino bringen bzw. einfach mit dem Browser eBooks von der eigenen Dropbox, der Onleihe, dem Projekt Gutenberg oder irgendeinem Shop herunterladen. Auch so erworbene eBooks kann man vom tolino in die Cloud laden. Es ist ein gratis Backup und wir wissen alle wie wichtig das ist, weil: Jesus saves, but Buddha makes incremental backups!

Erste positive Eindrücke:

  • Sehr praktisch finde ich, dass das Gerät gratis alle Telekom WLAN Hotspots nutzen kann. Es wird für mich nicht sehr oft relevant sein, aber es ist gut zu wissen eine Notfall Internetverbindung für Deutschland zu haben, die nicht so viel kostet wie Roaming mit dem Handy.
  • Außerdem super: Sobald er ein Netz hat, weiß er wie spät es ist.
  • Und den Knopf oben rechts für die Beleuchtung find ich auch praktisch.

Nicht ideal:

  • Das Schnapperl (für Deutsche: Schieber) mit dem man ihn einschaltet fand ich schon beim Sony 605 nicht ideal
  • Das Plastikverdeck für den USB-Anschluss macht keinen sehr stabilen Eindruck
  • braungraumetallic ist eine gewöhnungsbedürftige Farbe. Schön ist anders.

Wieder was gelernt:

  • Ich bin ein Sucker für schöne Verpackungen 🙂 Schachtel und Schuber gefallen mir.
  • Ich hab die Bedienungsanleitung gebraucht, um das Menü zu finden. Das Symbol mit den drei horizontalen Linien war viel zu subtil für mich.
  • Diesmal kauf ich mir wirklich bald eine ordentliche Hülle, damit ich nicht wieder den Bildschirm zerkratze, wie bei meinem alten Sony. Faszinierend, wie einfach ich 100€ für einen Reader ausgebe, aber mich nicht zu einer Ausgabe von 30€ für eine Schutzhülle überwinden kann.

Leben mit dem E-Reader

Seit knapp eineinhalb Monaten besitze ich einen E-Reader. Und es gibt dieses Blog. Also verknüpfe ich nun die beiden und werde ab und zu über mein Leben mit Kobo schreiben.

Seit dem 21. Jänner besitze ich einen E-Reader, den Kobo glo. Ja, ich bin spät dran bei dieser Entwicklung, aber ich wollte auch ein bisschen warten, bis es ein breiteres Angebot gab. Ausgesucht habe ich ihn auf die Empfehlung einer Bekannten hin, die mit ihrem Kobo sehr zufrieden war. Danach sah ich mir auch ein paar Testberichte und Videos an, die mich aber nur verunsicherten. Mittlerweile sollen ja E-Reader wieder out und Tablets voll in sein. In 2 Jahren hab ich dann eines …

Wie die meisten anderen meiner elektronischen Geräte musste der Kobo erst einmal ein bisschen warten, bevor ich ihn in Betrieb nahm. Dann rückte aber meine nächste Berlinreise immer näher. Meine Hauptmotivation, überhaupt einen E-Reader zu besitzen war nämlich, Lesestoff und andere Informationen ohne Gewichtsbelastung immer dabeizuhaben (Vorbild dabei: Ruth Klüger) und Bücher möglichst wenig durch Transport zu vernudeln (das mache ich nämlich).

Ich bestückte also den Kobo mit einigen Klassikern der Weltliteratur, die ich auf der Kobo-Plattform fand (nur die Hälfte in der “Wollte ich immer schon lesen”-Kategorie), sowie einigen anderen Dingen. Und ja, auf der Reise nach Berlin und vor allem auf der Rückreise im Nachtzug bewährte sich der Kobo ausgezeichnet. Im dämmrigen Flugzeug half die Beleuchtung, auch ohne Licht von oben auszukommen und im dunklen Schlafwagen reichte dann schon eine niedrige Beleuchtungsstufe für das Lesen aus.

Danach war die Hauptattraktion aber die längste Zeit das eingebaute Sudokuspiel, da ich einerseits genügend Papierbücher hatte, die ich lesen wollte und mich andererseits etwas sehr verärgert hatte.

Unter den Klassikern der Weltliteratur, mit denen ich den Kobo bestückt hatte, befanden sich ein paar Sammlungen von Gedichten. Ich liebe Gedichte und die Vorstellung, in der U-Bahn oder sonstwo zu sitzen, und ein Gedicht zu lesen, war ein großer Faktor bei dem Wunsch nach einem E-Reader (jaja, pretentious, ich weiß). Nach dem Aufrufen einer Sammlung von Gedichten Rudyard Kiplings begrüßte mich aber ein Wortsalat, der nicht im entferntesten an ein Gedicht erinnerte. Zwar waren die einzelnen Strophen getrennt, aber die einzelnen Zeilen waren nach Prosamanier zusammengeschoben und unlesbar. Der Blick in die anderen Gedichtbände zeigte, dass das kein Formatierungsfehler in einem einzelnen Dokument war.

Nach einer Googlesuche wusste ich dann Bescheid: bei Gedichten muss jede Zeile von Hand in HTML formatiert werden, um auf e-readern genauso lesbar zu sein, wie auf Papier.

Ein paar Artikel dazu (Auswahl):

Why Some E-books Just Don’t Look Right von Craig Morgan Teicher auf Publishers Weekly

Poetry and E-Books: Will Poems Ever Work in eBook Formatting? von Hillel Italie auf Huffington Post Books

Breaking the Poetry Code von Alizah Salario auf der Website der Poetry Foundaton

Ein Problem beim Formatieren von Gedichten für e-reader ist, dass es für die Darstellung von Gedichten und für ihre Elemente im englischen Sprachraum keine eigenen Begriffe gibt, daher müssen sich die CodiererInnen mit Begriffen aus der Prosa helfen. Das zweite Problem ist, dass die sehr praktische Veränderung der Schriftgröße bei E-Readern bei der Darstellung von Gedichten Probleme verursacht. Und wie sollen denn Gedichte mit sehr langen Zeilen optimal dargestellt werden? Das dritte Problem ist, dass die Formatierung eines Textes auf unterschiedlichen E-Readern unterschiedlich dargestellt werden kann. Klar, dass z.B. Project Gutenberg es sich nicht leisten kann, die Gedichtsammlungen in seinem Angebot zu formatieren. Da wäre dann Crowdsourcing gefragt.

Tja. Gedichte also weiterhin auf Papier, als Hörbuch/Audiodatei, auf Webseiten? Es zeigt sich, dass ein reines Digitalisieren von Texten nicht ausreicht, sondern dass SchriftsetzerInnen für E-Books genauso wichtig sind. Qualitativ hochwertige E-Books werden an ihrer Darstellung zu erkennen sein. Ich spreche hier aber vom englischen Sprachraum. Vielleicht ist das im deutschen Sprachraum ganz anders, zu diesem Problem habe ich auf Deutsch jedenfalls noch nichts gefunden.

Andererseits konnte ich die lyrischen Textwürste auf meinem E-Reader durch lautloses Vorlesen dann doch für mich entdecken. Aber eigentlich will ich das nicht.

AZ/@nightlibrarian