Kaufen, kaufen, kaufen Sie!

Seit ein paar Wochen wird über den Kaufbutton diskutiert (z.B. auf bibliothekarisch.de), den einige Onleihen testweise eingeführt haben. Vieles ist schon gesagt worden, aber hier sind noch ein Paar Fragen, die ich habe, bzw. Punkte, die mir unklar sind.

  • Für wieviel Prozent Beteiligung verkaufen die teilnehmenden Bibliotheken ihre Seelen? Wer legt diesen Prozentsatz fest? Händler oder Verlag?
  • Erhalten die Bibliotheken nur einen Prozentsatz von dem konkreten eBook, dass angeklickt wurde oder von allen Produkten die in der “Session” von der Kundin im Webshop gekauft werden? (Vgl. Amazon Affiliate Programm)
  • Wie lange wird die “Testphase” dauern, bei der nur der ekz Shop eingebunden werden kann. Und ist dieser Zeitrahmen ungefähr so verlässlich, wie zum Beispiel das Android Streaming?
  • Wie erklärt man BibliotheksnutzerInnen, dass Hörbücher auf dem verlinkten Webshop als MP3 heruntergeladen werden können, aber in der Onleihe nicht
  • Gibt es auch ebooks im Shop, die man als Onleihe nicht lizensieren kann? Spätestens wenn die Pilotphase abgeschlossen ist und beliebige Buchhändler eingebunden werden können, wird das wohl der Fall sein. Das finde ich BibliotheksnutzerInnen noch schwieriger zu erläutern als das Format Problem.
  • Ist sofortwelten.de wirklich, wirklich das beste, das ekz eingefallen ist? Wirklich jetzt? “Sofort” als Verkaufsargument für einen Online Shop erscheint mir echt nicht besonders neu, spannend oder einfach merkbar. Schlimmer wäre nur noch vonzuhauseeinkaufen.de.
  • Werden die Zahlen, wieviel eingenommen wurde und mit welchen /wievielen Titeln eigentlich veröffentlicht? Ich bin gespannt auf die Jahresberichte der Pilotbibliotheken.
  • Finde das nur ich eigenartig, dass jedes Projekt auf diversen Konferenzen präsentiert wird und so ein großer Schritt in keinem Fachmedium angekündigt oder diskutiert wird?
  • Gibt es diese Information für Onleihe-Kundinnen eigentlich (Ich bin derzeit in keiner Bibliothek tätig)? Oder sind das geheime Geheiminformationen? Ich fände ja Transparenz bei öffentlichen Einrichtungen begrüßenswert.

Heute habe ich einen Leihmodell-Vergleich gelesen, bei dem Onleihe, Readfy und Skoobe getestet werden und Skoobe am besten bewertet wird, sowohl was Auswahl als auch Verfügbarkeit betrifft. Außerdem hat Amazon heute ihr Flatrate Kindle Unlimited für Deutschland angekündigt.

Und das bemerkenswerteste, das die Onleihe in den letzten Monaten hervorgebracht hat, ist eine Möglichkeit, nicht nur an Bibliotheken Geld zu verdienen, sondern auch an den EndkundInnen.

Oh, bevor ich es vergesse: Nachdem voriges Jahr bei Adobe ein paar Millionen E-Mailadressen und Passwörter geleakt wurden, u.a. wegen schlechter Security Praxis, hat heute jemand gepostet, dass die neue Version von Adobe Digital Editions im großen Stil nachhause telefoniert. Das wird zwar gerne mit “wen überrascht’s?” kommentiert, aber das Ausmaß mit dem Daten unverschlüsselt gesendet werden, auch von Büchern die nicht in ADE hineingeladen werden ist erschütternd.

Zusammenfassend gesagt: Es ist fraglich, ob das Geschäftsmodell der Onleihe auf längere Zeit hält. Die Konkurrenz ist groß und neue, innovative Ansätze sind nicht zu erwarten. Und jetzt gibt es Bibliotheken, die ihre NutzerInnen auch noch einreden möchten, es ist eine gute Idee, nicht auf die eBooks zu warten, sondern sie zu kaufen (wobei das strenggenommen ja kein Kauf ist sondern der Erwerb von beschränkten Nutzungsrechten).

So, jetzt ist sie vorbei – die Sommerpause

Dem Wetter nach ist der Sommer natürlich schon länger vorbei. Es steht eine Zeit fieberhafter Aktivität bevor, die eigentlich auf dem Blog landen sollte. Ein kurzer Ausblick:

Dieses Wochenende halten Ulli Koch und ich einen Vortrag auf dem Daten.Netz.Politik-Kongress #dnp14 über unsere Idee eines queer_feministischen Metaarchivs. Die Blogserie sollten wir auch fortsetzen, wir waren aber bisher damit beschäftigt, darüber einen wissenschaftlichen Artikel zu schreiben, der in Bälde erscheinen soll.

Nächstes Wochenende geht’s zum diesjährigen Bibcamp nach Potsdam, auf das ich schon sehr gespannt bin. Ich würde ja gerne eine Session halten, aber kann mich noch nicht ganz für das Thema entscheiden – mal sehen was passiert, wenn ich dort bin.

Gestern und heute früh war das große Thema in der Bibliotheks-Twitterbubble der Pilotversuch der Onleihe, einem der Anbieter von E-books für Bibliotheken. In drei Bibliotheken sollen ab jetzt die zur Ausleihe gedachten E-books auch käuflich erwerbbar sein, per Button im Bibliothekskatalog. Kritische Worte dazu finden Dörte Böhner auf bibliothekarisch.de und DonBib auf Ultrabiblioteka. Ich teile ihre Ansicht und bin sehr verwundert – da läuft jetzt etwas sehr rapide ab, von dem ich dachte, dass es in der deutschsprachigen Bibliothekswelt nie geschehen würde, gerade weil es starke Gegenargumente und große Vorbehalte gibt. (Mal abgesehen davon, dass die künstliche Verknappung von digitalen Dateien … na egal.) Ich wette, das wird ein großes Thema beim Bibcamp.

Tja und in meinem Kopf warten Blogposts. Manche haben es sogar auf Papier geschafft … aber das heißt noch lange nicht, dass sie es dann vom Papier ins Internet schaffen. Ich werde mich bemühen! Zumindest steht ja nächste Woche eine lange Zugfahrt bevor, da könnte ja was entstehen …

Öffentliche Konsultation zur Überprüfung der Regeln zum EU-Urheberrecht

Mein Vorsatz für 2014 ist mir spannendere Titel für meine Blogposts auszudenken 😉

Mein Freund hat mich gerade darauf aufmerksam gemacht, dass es noch bis Anfang Februar eine EU-Konsultation zum Thema Urheberrecht gibt und E-Lending darin auch recht ausführlich behandelt wird.

Auf der Website steht sehr schön:

“Alle Interessensvertreter sind eingeladen, zu dieser Konsultation beizutragen. Es werden insbesondere Beiträge von Konsumenten, Nutzern, Autoren, Darstellern, Verlagen, Produzenten, Rundfunkunternehmen, Vermittlern, Verteilern und anderen Dienstleistern, Verwertungsgesellschaften, öffentlichen Behörden und Mitgliedstaaten gesucht.” (Hervorhebung durch mich)

Man kann die Fragen im Word oder Open Office Format herunterladen, in jeder der offiziellen EU Mitgliedssprachen beantworten und anschließend per E-Mail einsenden. Wobei anscheinend die Fragen im Open Office Format anders nummeriert sind, also mein Linux mit Open Office nutzender Freund Word empfiehlt.

Wer sich für 2014 vorgenommen hat, sich für Library E-Lending einzusetzen, dem/der empfehle ich sich Abschnitt III A. Access to content in libraries and archives vorzunehmen.

Wem das 36-Seiten Dokument zu viel Arbeit ist, oder den Aufruf an “ganz normale” NutzerInnen von eBooks weiterleiten möchte, kann sich auch die Help reform copyright!-Seite ansehen. Da kann man die Fragen ankreuzen, die einen persönlich betreffen. Dann werden einem die relevanten Fragen aus dem Konsultationsdokument inkl. Beantwortungsmöglichkeit angezeigt, die anschließend gleich verschickt werden können.

Es wäre cool, wenn jemand diese Seite für BibliothekarInnen und NutzerInnen von Bibliotheksebooks anpasst, damit wir den Aufruf weiter verbreiten und entsprechend viele Rückmeldungen von diesen beiden Positionen erhalten können. Eine Aufgabe, die wie geschaffen ist für Interessensvertretungen, wie ich finde. Damit könnte man womöglich sogar die Effektivität von Kampagnen messen?

In meiner kleinen bibliothekarischen Filterbubble hab ich noch nicht viel zu der Konsultation gelesen. Wenn mir was entgangen ist, freue ich mich sehr über Hinweise!

Guten Rutsch und ein gutes neues Jahr voller spannender Bücher 🙂

tolino vs. kindle

Ich habe lange nicht gebloggt! Wenigstens kann ich guten Gewissens sagen, dass ich seit meinem letzten Blogpost viel gelesen habe, sowohl auf dem kindle als auch auf dem tolino. Ich finde beide eReader nach wie vor sehr praktisch.

Am kindle schätze ich

  • wie schnell und unkompliziert ich ihn mit ihm eBooks kaufen kann.
    Ich hab mir ein Papierbuch aus der Bibliothek geliehen, das mir sehr gut gefallen hat. Band 2 und 3 der Serie hat die Bibliothek nicht. Innerhalb von Minuten hab ich den zweiten Teil gekauft und über WLAN am kindle.
  • die seitlichen Blättertasten rechts und links.
    Auch die linke Blättertaste blättern weiter. Deswegen blättere ich immer wenn ich zurückblättern will zunächst in die falsche Richtung, bis mir einfällt, dass die oberen Blättertasten zum zurückblättern sind. Aber meistens blättere ich ohnehin weiter und da sind die Tasten sehr praktisch beim einhändigen Lesen.
  • wie einfach ich Artikel auf den kindle spielen kann.
    Es gibt ein Firefox-Plugin, mit dem man jeden Artikel, Blogeintrag etc. an den kindle senden kann. Beim nächsten Mal einschalten und mit WLAN verbinden lädt der kindle die Artikel dann herunter. Alternativ kann man auch Dateien an den kindle emailen. Praktisch für längere Zugfahrten, bei denen ich meine für später gespeicherten Artikel nachlesen möchte

Ich habe bei amazon kostenlos den “Geek-Atlas”, einen Reiseführer für Geeks, heruntergeladen. Ich wollte im Atlas nach Ausflugszielen in und um London suchen und mir ist aufgefallen, dass ich browsen, bzw. hin- und herspringen zwischen Inhaltsverzeichnis und Text auf dem kindle sehr unpraktisch finde, weil ich mich nicht gut orientieren kann, wo im Text ich mich befinde. Es hat mich überrascht, wie schnell und gründlich mich das genervt hat.

Obwohl ich prinzipell weiß, dass mein kindle keinen Touch Screen hat, erwische ich mich immer wieder mal dabei den Bildschirm zu berühren. Navigieren mit Tasten bin ich gar nicht mehr gewohnt. Obwohl ich sagen muss, dass die Bedienung des kindle wirklich gut durchdacht ist und sehr gut funktioniert (wenn man nicht gerade im Text herumspringen möchte).

Der tolino war mein treuer Begleiter während meiner “Game of Thrones” Obsession. Ich habe im Juni angefangen die Bücher zu lesen, nachdem die Fernsehserie in Pause gegangen ist. Die 5-bändige Serie hätte ich mir auf Papier wohl nicht angetan bzw. hätte es viel länger gedauert, weil ich 1000-Seiten Wälzer nicht gerne in der Handtasche mit mir herumtrage. Als eBook war Game of Thrones in London und später Irland dabei. Am tolino schätze ich besonders

  • die Beleuchtung.
    An einem lauen Sommerabend am Balkon sitzend, liest es sich besonders gut über King’s Landing. Und die tolino Beleuchtung zieht wesentlich weniger Gelsen (für Deutsche: Stechmücken) an, als die Außenbeleuchtung. Auch im Bett lese ich gerne mit der tolino Beleuchtung und nicht mit Nachttischlampe, weil ich mir da oft selbst einen Schatten werfe.
  • den Touchscreen.
    Trotz der gut gemachten kindle Bedienung ist ein Touchscreen für mich mittlerweile die logischere Art der Bedienung. Im Idealfall hätte ich wohl ein Lesegerät mit Blättertasten zum Lesen und einem Touchscreen zum einkaufen und navigieren.

Ich habe mir für den tolino basierend auf einem Review von literaturcafe.de die Hülle “Tuff Luv” bestellt. Sie ist eigentlich für den kindle Paperwhite gemacht, aber die Maße vom tolino sind fast identisch. Das einzige Problem ist, dass die Schlaufe die über das linke Eck geht den Einschalte-Schieber verdeckt, deshalb ist mein tolino meistens nur an 3 Ecken befestigt.

Interessanterweise finde ich den “integrierten Griff” der Hülle nicht besonders praktisch, aber dafür den Ständer mit dem man den Reader neben oder hinter den Teller stellen kann, sollte man beim Essen lesen (hab ich gehört). Nachdem ich die beiden Geräte ohnehin nie gemeinsam in Verwendung habe sondern nur hintereinander, verwende ich die Hülle für beide. Mein kindle hat zwar andere Maße, aber das fällt nicht wirklich auf.

Ich hab in den vergangenen Monaten sehr viel gelesen – eBooks und Papierbücher gleichermaßen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich zum eBook greife, wenn wenn ich weiß, was ich lesen möchte. Dann spiele ich das eBook auch auf den entsprechenden Reader und sorge dafür, dass er genug Strom kriegt. Wenn ich mich noch nicht entschieden habe, was ich als nächstes lesen möchte, dann gehe ich oft zum Bücherregal zuhause oder in der Bibliothek und lass mich von den vorhandenen Papierbüchern inspirieren. Problematisch wird das immer dann, wenn ich keinen Reader dabeihabe wenn das Papierbuch aus ist und dann akuter Buchmangel auftritt, meistens wenn ich noch eine Zugfahrt o.ä. vor mir habe.

Derzeit lese ich zum Beispiel den dritten Band von Ben Aaronovitchs Rivers of London Serie, die ich beim Einkaufsbummel in Dublin zu stark reduziertem Preis auf Papier gekauft habe. Den zweiten Band hab ich während einer Zugfahrt nach Wien ausgelesen, und weil ich kein weiteres Buch und auch keinen Reader dabeihatte, musste ich mir ein eBook aus der Onleihe auf das Handy herunterladen.

Ich lese nicht oft ganze Bücher am Handy, aber leichte, lustige, kurze Romane gehen da eigentlich ganz gut. Wegen des hohen Akkuverbrauchs und des stark spiegelnden Display ist das Handy nicht meine erste Wahl, aber in akuten Buchmangelsituationen ist es einer Zugfahrt ohne Buch jederzeit vorzuziehen 😉

Gastpost wieder löschen, bitte.

Am 8.6. 2013 habe ich einen Gastpost für Buchguerilla.de verfasst. Sie fühlen sich “dem Gedruckten verpflichtet”, bieten aber auch anderen Meinungen eine Plattform, eben meiner, dass ich eBooks und eReader toll finde. Aber heute auf Twitter las ich dann das:

Screenshot BuchguerillaUnd das will ich nicht unterstützen. Also habe ich um die Entfernung meines Gastposts gebeten.

Auch wenn ihr euch jetzt denkt: “Ach, ja, solche Tweets, mein Gott, ist das nicht schrecklich? Sturm im Wasserglas und so.” Mir ist es nicht egal. Der Tweet über die Welt ohne Buchrezensionen, die mit Katzen, Kuchenrezepten und Häkelmustern kombiniert werden, ist schlicht sexistisch. Wenn euch nicht klar ist warum, dann fragt euch doch mal, welche Personengruppe sowas macht und was dieser Personengruppe an ihren Beiträgen im Internet immer angekreidet wird, nämlich “nicht zu ernsthaften Themen zu schreiben”, “das (gewählte ernsthafte) Thema aufzuweichen”, “zuviel Privates/Unerhebliches/Tralala zu inkludieren” etc. und die deshalb in der Blogosphäre und im Internet viel zu oft als “unseriös” wahrgenommen wird. Was für ein enges Weltbild dieser Tweet verrät.

Mir doch egal, wie Menschen ihre Buchrezensionen kombinieren, solange sie dabei Spaß haben und die Gefühle anderer Menschen nicht verletzen i.e. nicht sexistisch, rassistisch, homophob, antisemitisch, ableist, klassistisch etc. sind. Ich will wissen, wie das Buch ist. Das ist es, was mich interessiert – und ob die Rezension gut ist. Aber die Güte einer Rezension kann nicht davon abgeleitet werden, was denn noch für Themen behandelt werden. Außerdem Katzen! Kuchen! Häkelmuster (Ich stricke ja eher, aber Häkeln kann ich auch)! Das sind gute Dinge. Kuchenrezepte und Häkelmuster erfordern ziemlich diffizile Fähigkeiten (Katzen auch, würde ich jetzt sagen), die nicht jeder Mensch besitzt. Was soll das?

Der mittlere Tweet – ok *schulterzuck*. Es hat durchaus Vorteile, Leseverhalten und den Inhalt des Bücherregals ab und zu zu hinterfragen. Aber je mehr Zwang, je mehr erhobener Zeigefinger, desto ungerner und desto mehr frage ich mich, wer es sich anmaßt mir vorzuschreiben, was ich zu tun habe.

Und dann der oberste Tweet – klassisch klassistisch. “Schundliteratur”. Ja, dieses dumme, dumme Volk von “kritiklosen Tagträumern”, das nur Schund liest (und noch dazu auf e-readern!) und zu “gehobener” Literatur gezwungen werden muss, damit es endlich Kritik übt an allem! Mit dieser Vorstellung sind wohl ein paar meiner Großeltern angetreten, aber ich teile diese nicht. Denn um fundierte Kritik üben zu können, muss der Gegenstand erforscht werden. Woher soll ich wissen, ob ein zur “Schundliteratur” zählendes Buch gut ist oder nicht, wenn ich nie “Schundliteratur” gelesen habe? Mit der Zeit erst bildet sich das Urteilsvermögen heraus, das es uns erlaubt, etwas von vornherein abzulehnen.

Dieser oberste Tweet ist eine Beleidigung aller kritischen und kritisch denkenden Menschen, z.B. der Bibliothekar*innen in meiner Twittertimeline, die gerne “Schundliteratur” lesen, sich über die Klischees lustig machen und einfach das Lesen hochleben lassen, in der Gewissheit, dass Lesen zu mehr Lesen führt. Die genau beobachten, was sich in der von ihnen und den Bibliotheksbenützer*innen gelesenen “Schundliteratur” abspielt. Die Forderungen nach besserer “Schundliteratur” stellen, mit besserem Schreibstil, mehr Inklusivität und Diversität.  Denn hallo, Jane Austen und die Bücher der Schwestern Brontë, zu denen Leser*innen von “Schundliteratur” auch greifen bzw. greifen werden, gelten als Hochliteratur. Aber sicher wird es Menschen geben, die das ob der – Schund! – romantischen Themen bestreiten. Äh ja, Werther. Bringt sich um, weil seine Lotte ihn nicht heiratet (oje, Spoiler). Romeo & Julia, The Great Gatsby … na egal.

Ein großartiges Beispiel für den lustvollen, aber trotzdem kritischen Umgang mit “Schundliteratur” ist übrigens das Buchrezensionsblog (ich sehe beim Kontrollblick hier keine Katzen, Kuchenrezepte oder Häkelmuster) Smart Bitches, Trashy Books. Und wenn ich mich an meinen zweiten Post auf diesem Blog zurückbesinne – den über Erotica  – meine Güte, da wird in dem Artikel von Katie Dunneback als eine der Autor*innen Anaïs Nin empfohlen. Oh, ist das vielleicht Porno und gilt das daher nicht? Wollen wir über die männlichen Autoren der “gehobenen” Literatur und ihre Ergüsse reden? Na egal, sind wohl nur Einzelbeispiele.

Wozu der Zwang zur “guten” Literatur führt, könnt ihr in der Schule sehen: Dazu, dass den jungen Menschen das Lesen im schlimmsten Fall ganz verleidet wird. Aber anstatt wertfrei zu fragen, wie Menschen generell zum Lesen und dann zur breit gefächerten Lektüre gebracht werden können, werden solche Aussagen gemacht. So klappt das nicht.

Und dann noch so:

Polemikund so:

SexismusCheck your privilege, wie es auf Englisch so schön heißt.

/end rant

Editiert von AZ, wegen verdrehtem Datum und vergessenen Buchstaben.

Nachtrag am 3.7. 2013:

Die Konversation ging dann auf Twitter noch weiter.

HumorAch so, das war “Satire”. Eine klassische Ausrede.

privilegeOhne Kommentar.

SatireIch füg hier mal einen Link zu den Tweets ein, damit die Debatte nachgelesen werden kann.

Tja und dann gab’s noch diesen Text als Reaktion von 54 Books (mir nicht ganz klar ob der Auslöser oder Reaktion war – wurde von 54 Books auf Twitter geklärt), der sich damit ins gleiche Aus stellt, aber wenigstens offen zugibt, dass er neidisch ist.

Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass es eine konstruktive Debatte wird. Sexismus und Klassismus sind nie konstruktiv, auch wenn sie Reaktionen und Debatten hervorrufen. Aber ich konnte das nicht so lassen. Für mich ist der Titel unseres Blogs nicht einfach nur ein Wortspiel.

Rundumservice*

*Heute mit generischem Femininum. Ich probier jetzt einfach alles einmal durch.

Ich bin zerrissen. Was soll eine Bibliothek eigentlich alles leisten? Welche Bedürfnisse der Nutzerinnen soll sie abdecken? Soll die Bibliothek zur Nutzerin kommen oder soll die Nutzerin in die Bibliothek kommen oder beides? Aber was wollen die Nutzerinnen eigentlich?

Warum eigentlich nicht? Wenn’s schon Cafés gibt in Bibliotheken, wo Getränke und Speisen käuflich erworben werden können, warum kann es dann nicht auch Büromaterialien geben? Kann ich nicht … in der Bibliothek einkaufen und Bücher ausleihen? Besonders wenn ich Studentin bin und dringend einen Stift oder Papier oder Batterien oder weißgottwas brauche (Tampons. #huch)

Oder wäre es besser, die Bibliothek käme in die Papierwarenhandlung, in den Supermarkt, an den Strand, in den Park, ins Kino, nach Hause, wie die Entwürfe in der Session zu “Neue Dienstleistungen – Lego Prototyping” am Bibcamp in Nürnberg zeigten?

Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Offshorebibliothek am Strand bzw. im Kino mit RFID-Tags und Kristallpalast des Wissens – bzw. “Fantasietankstelle Bibliothek (© Bodo Pohla @bodop) Hier wird in “geschlossenen” Bücherschränken, die von der örtlichen öffentlichen Bibliothek betreut werden, Literatur z.B. Buch zum Film angeboten. Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Hörstation im Park bzw. in Wartezonen Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Hörstation im Park bzw. in Wartezonen – mit Steckern für Kopfhörer bzw. Runterladen via Bluetooth Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Bücherparty bzw. Medienparty zuhause - mit Bibliothekarin, Wissenschaftlerinnen die Vorträge halten (oder ist es doch ein Harlem Shake-Video?) Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Bücherparty bzw. Medienparty nach dem Vorbild von Tupperparties zuhause – mit Bibliothekarin, die die Schätze der Bibliothek vorstellt, Wissenschaftlerinnen, die Vorträge halten und die Medien dazu gibt’s auf der Party (oder ist es doch ein Harlem Shake-Video?) Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Nun, über das Internet ist es möglich auf ebooks bzw. Texte überall zuzugreifen, wo ich Empfang habe. Bücher gibt es an vielen, vielen Stellen – auch im Supermarkt – zu kaufen. Praktisch aber denke ich in der Warteschlange bei der Kassa nicht daran, mir aus der Bibliothek ebooks auszuleihen, weil mich dort nichts daran erinnert, dass es ein derartiges Angebot gibt (und mein nächster Supermarkt hat miserablesten Empfang. WLAN im Supermarkt, das wäre mal ein Service. Ungeahnte Werbemöglichkeiten. Langsam will ich bitte Geld für meine Ideen.). Praktisch ist die Auswahl der Bücher in Supermärkten und Papierwarenhandlungen oder auch Museumsshops eher beschränkt (und nichts gegen leichte Literatur hier!). Praktisch ist ein Grund dafür, dass es Bibliotheken gibt, eben, dass sich nicht alle Menschen dauernd Bücherkäufe leisten können. Und praktisch ist schließlich ein zentraler Vorteil einer Bibliothek die Tatsache, dass in den meisten Fällen nicht einfach alles irgendwie gesammelt wird, sondern dass gezielt erworben und in Sammlungen zusammengestellt wird, die dann auch weiter kuratiert werden.

Und so muss es auch mit den Bibliotheken sein, die zu ihren Nutzerinnen kommen – gezielt auf die lokalen/momentanen Bedürfnisse eingestellt. Das Problem bei diesen ganzen wunderbaren Einrichtungen ist natürlich, dass noch nicht alle Bücher als ebooks zur Verfügung stehen, dass noch lang nicht alle verfügbaren ebooks Bibliotheken zur Verfügung stehen, etc. etc. etc.

Aber was hindert eigentlich eine Universitätsbibliothek daran, an gewissen Stellen in der Universität Zugänge zu thematisch relevanten “Sammlungen” aus ihren Repositorien zu bieten? In der Universität Wien gibt es einen wunderbaren Arkadenhof mit Statuen wichtiger Wissenschaftler (154 Männer und eine einzige Frau, habt ihr etwas anderes erwartet?), sowie eine Statue der Nymphe Kastalia, die einen langen Schatten wirft (Der Muse reicht’s), der auf die vergessenen Forscherinnen hinweisen soll. Warum da nicht auch “Dockstationen”, wo Forschungsliteratur (zum Großteil schon gemeinfrei), Biografien – und (ach wäre das schön) Lehrveranstaltungen zu den Personen, zur Universität etc. angeschaut & heruntergeladen werden können?

Die Universitätsbibliothek der Uni Wien hat auch ein “Objekt des Monats“, mit Links, die dann auf die Fachbereichsbibliothek verweisen und nähere Informationen zu dem Objekt liefern, aber wer mehr Literatur zum Objekt will, muss selbst suchen. Natürlich stellt ihr jetzt die Frage: “Müssen wir denn alles vorkauen?” Aber die Antwort darauf ist: Wenn ihr wollt, dass eure Bibliothek, eure Bestände, eure Services, eure Sammlungen, eure Informationen gesehen werden, dann JA! Stellt sie nicht unter den Scheffel, sondern hängt sie an alles, was ihr habt! Pflastert eure Institution, euer Dorf, eure Stadt, euer Land damit!

Denn es könnte so aussehen:

Literatur (und zwar nicht nur Belletristik!)/Informationen zu Sehenswürdigkeiten direkt bei der Sehenswürdigkeit auf das iPhone 8 Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Literatur (und zwar nicht nur Belletristik!)/Informationen zu Sehenswürdigkeiten direkt bei der Sehenswürdigkeit auf das iPhone 8. Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Wenn ich durch Berlin oder Wien wandere, wenn ich mit dem Zug durch die Lande brause und Dinge sehe, wenn ich in Gemäldegalerien, Museen, Veranstaltungsräumen, Bibliotheken etc. unterwegs bin, wünsche ich mir das so sehr. Dass ich einfach mein portables Endgerät zücken könnte und auch auf das unscheinbare Haus (aber mit Jugendstilelementen!) zielen könnte und Informationen darüber erhalten könnte. Dass ich, wenn ich in Berlin am Alexanderplatz stehe, sofort Zugang habe zu Döblin, ohne extra ein Buch mitnehmen zu müssen. Obwohl mir da eine europa- (was heißt – weltumspannende) Lösung fehlt, bei der ich kostengünstig zu WLAN komme. (Liebe Städte, bietet das bitte an, überall. Ohne Prism, danke.)

Aber das kostet ja alles Geld und Arbeit. Das Zusammenstellen von Sammlungen, auch virtuellen, ist Arbeit. Es arbeiten zwar viele wie wild daran, dass Bibliothekskataloge in Zukunft exaktere Ergebnisse liefern, wenn ihr “Berlin Alexanderplatz” sucht, aber das dauert noch. Und ihr wisst alle, wie das mit den Googlesuchen ist. (Übrigens suche ich seit Wochen verzweifelt eine Technoversion von Cole Porter’s “Let’s do it” aus den 1990ern – zentral ist “When the little blue bird who has never said a word” – und Google liefert mir keine Ergebnisse und auch nicht die Version von Ella Fitzgerald, wo sie eben die Einleitung singt.) Von daher werden diese ganzen schönen Angebote noch lange auf der Arbeit von gut informierten Menschen basieren.

Aber lässt sich denn jetzt noch nichts tun? Nicht einmal ein bisschen etwas, das den Menschen Texte näherbringt (denn von Filmen und Musik sprechen wir hier ja leider noch gar nicht)? Doch, lässt sich. Denn warum soll eigentlich eine Universitätsbibliothek ihren Studentinnen nicht Belletristik zur Verfügung stellen, wenn z.B. die nächste öffentliche Bibliothek weit entfernt ist und/oder nicht die kompatibelsten Öffnungszeiten hat? Obwohl ich mir da auch Kooperationen vorstellen kann, mit einer Zweigstelle in der Uni, aber Zweigstellen werden ja heute eher geschlossen und Öffnungszeiten gekürzt, weil ja das Geld … nun ja.

Das Stanford Library Blog (der Stanford University in Kalifornien) informiert seine Leserinnen (auch via Twitter) zum Beispiel so über ihr Belletristikangebot:

Now that the brunt of the academic year is over Cubberley Library invites you to read something a little lighter. The library currently has a display of young adult fantasy books perfect for reading at the beach. If fantasy isn’t your thing we also have a wide variety of other genres as well. So even if you no longer quite fit in the Y category and are a lot more A you might still find something enjoyable to read. We’ll be more than happy to point you in the direction of our curriculum collection where these items are housed.

Diese positive Besetzung des Lesens zum Vergnügen! “Invites you!” “We’ll be more than happy!” Hilfe, da könnten die Studentinnen ja Spaß haben! Nicht nur wegen des Studiums in die Bibliothek kommen” Und vielleicht nicht nur die “gute” Literatur lesen! Wobei ich sagen muss, dass ich viele der belletristischen Bücher, die ich lese, von der Universität Wien auch bekomme, ohne dezidierte Werbung. Ich muss sie nur im Katalog suchen. Es ist auch sehr bequem, sie einfach am Schalter abholen zu können. Aber wäre es nicht noch viel schöner, wenn eine Universitätsbibliothek auch offen damit werben kann, dass sie Medien, die für den Spaß bestimmt sind, besitzt und verleiht? Ich bin ja auch für die Offenlegung und Bewerbung der letzten Ankäufe – denn auch akademische Literatur kann Spaß machen.

Oder sagen wir, es gibt eine große Institution, eine große Firma, mit einer Institutions- oder Firmenbibliothek. Warum sollte es da nicht eine Belletristiksektion geben, die von allen in dem Haus arbeitenden Menschen genützt werden kann? Vielleicht sogar mit Kinder-, Koch-, Garten-, was immer-Büchern? Ein Rundumservice? (Ich kenne übrigens so eine Bibliothek.) Ja, das kostet auch Geld. Aber wie wäre es mit einem offenen Bücherschrank? Auch ein solcher wird im besten Fall kuratiert und es muss klar sein, dass das kein Abfallkübel ist und dass Bücher, die keine Besitzerin finden, entsorgt werden. Aber warum nicht?

Bringen wir das Lesevergnügen an die Menschen.

Ein paar Zitate zur Geschichte des Buches

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Buch! und es ward Buch. Und Gott sah, dass das Buch gut war. Da schied Gott das Buch von der Finsternis und nannte das Buch Buch und die Finsternis Nacht. 1. Buch Mose 1,1-6

Denken wir dem zu Folge das Beginnen der Entwicklung der Erde hinaus, wo noch wenig Wärme zwischen der Erde und der Sonne bestand; so muß diese erste Anhäufung des Buches um den Mittelpunkt der Erde, die Urerdbücher, aus welchen die Erde überhaupt gebildet worden ist, noch am gemäßesten gewesen, d.h. am wenigsten verändert worden sein. Denn die Bildung der Erde kann nur – wie überhaupt alle Himmelskörper – durch Anhäufung der Bücher von außen her stattgefunden, also im Mittelpunkte der Erde begonnen haben. Die Kälte, welche zu dieser Zeit noch vorherrschend, die Wärme dagegen aber nur schwach war, muss somit auch das Bindemittel der sich hier um den Kern der Erde angelegten Bücher gewesen sein. Johann Hoffman, Neue, mit Gründen belegte Darstellung über die Entstehung der Erde und der Bücher (Quedlinburg/Leipzig 1837), S. 5-6

Die Verehrung der Bücher reicht bis in die geschichtsdunkelsten Zeiten hinauf. In jedem Buche, so glaubte man im Orient, wohne die Seele eines erhabenen Geistes. Die Bücher wurden für Feuermassen gehalten, feurige Meteore sah man für niederfallende Bücher an, und als man beobachtete, dass aus den feurigen Meteoren wohl Bücher auf die Erde fielen, hielt man diese für beseelte Bücher, in welchen eine Gottheit wohne. (…) Das älteste Buch, von welchem sich nach mehrfach erhaltenen Nachrichten die Zeit des Falles mit einiger Wahrscheinlichkeit angeben lässt (nämlich ungefähr 297 Jahre vor der Zerstörung von Troja), ist das von den cyblischen Bergen auf Kreta. Jakob Nöggerath, Die Entstehung und Ausbildung des Buches, vorzüglich durch Beispiele aus Rheinland-Westphalen erläutert. (Stuttgart 1847), S. 25, 26

Wenn ein Buchforscher über die Entstehung der Bücher nachdenkt, so ist es wohl begreiflich, dass er in Erwägung der gegenseitigen Verwandschaftsverhältnisse der Organismen, ihrer embryonalen Beziehungen, ihrer geographischen Verbreitung, ihrer geologischen Aufeinanderfolge und andrer solchre Thatsachen zu dem Schlusse gelangt, die Bücher seien nicht unabhängig von andern erschaffen, sondern stammen nach der Weise der Varietäten von andern Büchern ab. Charles Darwin, Die Entstehung der Bücher durch natürliche Zuchtwahl. Dritte Auflage (Stuttgart 1867), S. 17

In order to understand the place of the Books in world-history, we must first get some idea of the length of geologic periods and the immense space of time (…).

The Age of Reptiles. Preceding the Age of Mammals lies a long vista of geologic periods of which the later ones are marked by the dominance of Reptiles, and are grouped together as the Age of Reptiles or Mesozoic Era. This was the reign of the Books, and in it we are introduced to a world of life so different from that of today that we might well imagine ourselves upon another planet. (…)

Books. The land reptiles were chiefly Books, a group which flourished throughout the Age of Reptiles (…). “Books” is a general term which covers as wide a variety in size and appearance as “Quadruped” among modern animals. And the Books in the Age of Reptiles occupied about the same place in nature as the larger quadrupeds do today. They have been called the Giant Books, for those we know most about were gigantic in size, but there were also numerous smaller kinds, the smallest no larger than a cat. All of them had short, compact bodies, long tails, and long legs for a book, and instead of crawling, they walked or ran, sometimes upon all fours, more generally upon the hind limbs, like ostriches, the long tail balancing the weight of the body. Some modern books run this way on occasion, especially if they are in a hurry. But the bodies of books are too long and their limbs too small and slender for this to be the usual mode of progress, as it seems to have been among the Books. W.D. Matthew, Books. With special reference to the American Museum Collections (New York, 1915), S. 9, 12, 13

Tapfer sind die, die hier angekommen sind. Warum hab ich hier eine Ansammlung an veränderten Zitaten gepostet? Ich hatte ein kleines Bedürfnis nach Satire, da ich dieses “Rettet das Buch!”, “Bücher sind keine Container!”, “Aber das Gefühl, der Geruch, das BLA BLA BLA” mitunter nicht mehr hören kann.

Manchmal schlägt halt die Historikerin durch, die sich wünscht, dass die Menschen aufhören würden so zu tun, als hätte es Bücher immer schon gegeben. Das “Buch” ist eine so rezente Erfindung, dass ich nur müde lachen kann. Die Landwirtschaft ist älter. Die Axt, der Speer, der Bogen – der Mühlstein, der Webstuhl, der Tontopf – die Malkunst, die Flöte, die Halskette – alle sind älter als das Buch.

Seit Menschen zur Sprache fähig sind, hat es Geschichten gegeben, später dann in manchen Gegenden Schriften und in einigen dieser Gegenden Texte, und in einigen dieser Gegenden, wo es auch papierartige Dinge gab, dann etwas, das sich Buch nennen könnte. (Hier etwas inspiriert von Alena Dausacker.)

Aber egal. Muss ich halt noch ein bisschen warten und das Jammern noch ein bisschen ertragen, bis endlich sämtliche Texte in kürzester Zeit frei zur Verfügung stehen und die Buchmenschen erkannt haben, dass Bücher auch weiter existieren werden. Historiker*innen sind geübt darin, “the long game” zu spielen, das hilft bei allen frustrierenden Entwicklungen.