So, jetzt ist sie vorbei – die Sommerpause

Dem Wetter nach ist der Sommer natürlich schon länger vorbei. Es steht eine Zeit fieberhafter Aktivität bevor, die eigentlich auf dem Blog landen sollte. Ein kurzer Ausblick:

Dieses Wochenende halten Ulli Koch und ich einen Vortrag auf dem Daten.Netz.Politik-Kongress #dnp14 über unsere Idee eines queer_feministischen Metaarchivs. Die Blogserie sollten wir auch fortsetzen, wir waren aber bisher damit beschäftigt, darüber einen wissenschaftlichen Artikel zu schreiben, der in Bälde erscheinen soll.

Nächstes Wochenende geht’s zum diesjährigen Bibcamp nach Potsdam, auf das ich schon sehr gespannt bin. Ich würde ja gerne eine Session halten, aber kann mich noch nicht ganz für das Thema entscheiden – mal sehen was passiert, wenn ich dort bin.

Gestern und heute früh war das große Thema in der Bibliotheks-Twitterbubble der Pilotversuch der Onleihe, einem der Anbieter von E-books für Bibliotheken. In drei Bibliotheken sollen ab jetzt die zur Ausleihe gedachten E-books auch käuflich erwerbbar sein, per Button im Bibliothekskatalog. Kritische Worte dazu finden Dörte Böhner auf bibliothekarisch.de und DonBib auf Ultrabiblioteka. Ich teile ihre Ansicht und bin sehr verwundert – da läuft jetzt etwas sehr rapide ab, von dem ich dachte, dass es in der deutschsprachigen Bibliothekswelt nie geschehen würde, gerade weil es starke Gegenargumente und große Vorbehalte gibt. (Mal abgesehen davon, dass die künstliche Verknappung von digitalen Dateien … na egal.) Ich wette, das wird ein großes Thema beim Bibcamp.

Tja und in meinem Kopf warten Blogposts. Manche haben es sogar auf Papier geschafft … aber das heißt noch lange nicht, dass sie es dann vom Papier ins Internet schaffen. Ich werde mich bemühen! Zumindest steht ja nächste Woche eine lange Zugfahrt bevor, da könnte ja was entstehen …

Sich klonen können wäre gut – Bibcamp Teil 3

Jetzt kommen wir endlich zum Bibcamp. Ja, hat lange gedauert. Was ein Bibcamp ist, habe ich schon in Teil 1 erklärt. Mehr Info zu allem findet ihr auch auf dem Bibcamp-Blog, im Bibcampwiki und auf bibliothekarisch.de, wo die unvergleichliche Dörte Böhner @bibliothekarin eine Liste mit allen Blogbeiträgen zum 6. Bibcamp erstellt hat.

Noch dazu war ich auf dem Weg von der Stadtbibliothek zur U-Bahn hinter einer Kindergartengruppe gelandet, die sehr lustig war, von daher musste ich die natürlich ein wenig beobachten (ja, musste). Aber geschafft habe ich es trotzdem. Schnell noch das Umhängeschild und den WLAN-Zugang geholt und meinen Namen und den Twitternamen draufgekritzelt. Der große Saal war fast voll. Als ich dann in der hintersten Reihe die Katzenohren aufsetzte und mal tweetete, dass ich jetzt da war, wurde ich freundlich begrüßt.

Schließlich hatte ich ja alle schon vorgewarnt:

Und dann hieß es aufstehen. Mir war nämlich eine Session-Idee eingefallen und alle, die Sessions vorschlagen wollten, sollten sich vorne aufstellen. Tja.

Klar sagt ihr jetzt: “Aber warum setzt du dir dann Katzenohren auf?” Das Zittern kam nicht von den Katzenohren. Das Zittern kam davon, dass da an die 180 Leute waren, die ich nicht persönlich kannte und denen ich jetzt eine Session vorschlagen sollte. Per Mikrofon.

Aber mit freundlicher Unterstützung via Twitter habe ich es geschafft. Ich habe eine Show&Tell-Session vorgeschlagen, in der Annahme, dass alle wissen, was ein Show&Tell ist. Sollte nie angenommen werden. In meinem Kopf sah das so aus: Wir alle kennen coole Dinge, die auf Twitter oder Facebook weder so ausführlich, noch so begeistert vorgestellt werden können. In meiner Show&Tell-Session hätten sich Menschen gefunden, die eben etwas vorzustellen hatten – egal was – und in kurzen Impulsreferaten ihre Dinge vorstellen würden. Quasi Minisessions in einer Session. Ja. Mit zittrigen Händen sowas rüberzubringen ist nicht so leicht. Nächstes Mal hab ich das dann ausformuliert und kann’s allen nochmal näherbringen.

Nachdem alle ihre Sessions vorgeschlagen hatten, wurde der Sessionplan erstellt und dabei wurde ziemlich bald klar, dass uns allen die entscheidende Fähigkeit abging, uns zu zerteilen und so bequem an mehreren Sessions teilzunehmen. So sah ein Teil vom Sessionplan (ich sehe gerade es war der vorläufige von Samstag) aus:

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Im Bibcampwiki könnt ihr sehen, welche Sessions es gab und zu vielen die Dokumentation dazu lesen. Ich habe für Freitag geschätzt, dass es ca. 30% Frauen waren, die Sessions vorschlugen und ca. 70% Männer – anscheinend schon eine große Verbesserung zum vorigen Jahr.

Die erste Session, die ich am Freitag besuchte, war “Schöner Scheitern”, ausgezeichnet moderiert von Jens Wonke-Stehle @akte20_09. Klugerweise hatte er auch einen hashtag für die Session vorgeschlagen – #schoenerscheitern (macht das öfter, Leute!). Ich bette jetzt nicht alle meine Tweets ein (zu mühsam), sondern mache ein Telegramm daraus:

Jens will in Ruhe scheitern – Der dfg auch mal sagen, dass ein Projekt Quatsch ist – Projektdatenbank mit Anmerkungen, was nicht so gut gelaufen ist, lessons learned – Sprachhürden beim Artikelschreiben für Neulinge verhindern neue Impulse – Auch bei gut gelaufenen Projekten sagen, was gut gelaufen ist! – Bibliothekarische Projektkultur & Geldgeberkultur, jedes Projekt sollte auch wissenschaftl. Projekt sein

Aber wie ist das mit Fehlern, die Personen machen, sollten ja nicht angeprangert werden – Muss ein Projekt unbedingt Erfolg haben? Keiner will das schwarze Schaf sein und Bedenken haben – The portal that should not be named (Vascoda) – Es wird ohnehin hintenrum über Scheitern geredet, Offenheit würde Spekulationen vielleicht verhindern – Es braucht eine neue Fehlerkultur – Scheitern in die Zieldefinition einbauen, statt genauen Definitionen, wie welcher Erfolg erreicht werden muss

Bibliotheksinterne Projektdatenbanken braucht es! Besonders für kleinere Projekte, Dokumentation und Wissenstransfer (dass sie bibliotheksintern sein sollten war ein Vorschlag von mir) – Dokumentation darf aber Projekt nicht ersticken – Wenn externe Mitarbeit gefragt ist, wird es kritisch über Scheitern zu sprechen, um nicht zu entmutigen – Bibliothekscommunity ist so klein, dass sie sich Scheitern nicht leisten kann, wie trotzdem dokumentieren? – Werkstattberichte für Projekte, die gerade stattfinden, wo es noch kein Scheitern gibt?

Ausprobieren, ob es funktioniert statt muss ein Erfolg werden. Viel fataler, es gar nicht zu probieren – Projektdatenbank für knowledge transfer ist gescheitert. Hm. – Fehlende Fehlerkultur führt zu fehlender Innovation. Soll Ausprobieren belohnt werden? – Problem bei Belohnungen: Leute schlagen vor, führen aber nicht aus. Vorschlagende/r muss die Verantwortung übernehmen – @darisan (Louise Rumpf) sagte Organisationsstrukturen können Scheitern fördern – Lebenslanges Scheitern selbst lernen – ohne Scheitern funktioniert lernen nicht! – Kann nicht klatschen, muss Twittern!!! #schoenerscheitern #bib6

Lessons learned auf dem Flipchart:

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Fazit? Bei sich selbst anfangen und mit anderen über Fehlerkultur sprechen. Wir waren ca. 50 Leute, es ist also Interesse da, das Scheitern in den Bibliotheken offenzulegen, zu besprechen und zu akzeptieren. Ihr findet, das war sehr viel Getwitter? Ja. Mein Smartphone war danach leer. Also:

Danach ging’s in die von Jana Haase @xanaha und Petra Häusbauer moderierte Session “Innovationen vorantreiben/Kollegen (die Kolleginnen fehlen) ‘mitnehmen'”. Da mein Smartphone laden musste, habe ich von dort nur sehr wenig getwittert. Wie KollegInnen in die neue Bibliothekswelt mitgenommen werden können, dafür konnten wir ohnehin keine allgemeingültigen Handlungsanleitungen geben. Klar wurde, dass sich Menschen allen Alters gegen Innovationen erfolgreich langfristig wehren können. Langer Atem und Engelsgeduld sind also gefragt. Dass das die innovativen BibliothekarInnen dadurch frustriert werden, ist klar – und dass dann die Motivation sinkt, Innovationen einzuführen und voranzutreiben auch. Hm.

Als nächstes wäre eigentlich das in die Pause verschobene Show&Tell dran gewesen, aber Pausen sind zum pausieren da. Also wurde Show&Tell auf den nächsten Tag verschoben. Schließlich stand die letzte Session des Tages auf dem Programm. Ich hatte mir ursprünglich “Humor in Bibliotheken” – witzig storified von Moderatorin Sandra Dahlhoff @sandraausnrw – ausgesucht. Aber nach einer kurzen Rede zu Katzenohren und Clownnasen (ja …), Barrieren abbauen, etc., haute ich dann zu den Campus Communities ab (weil ich mir selbst lustig genug vorkomme *hust*).

Was denn Campus Communities sein sollten, davon hatte ich wohl eine ganz andere Vorstellung als der Rest. Ich hatte nämlich vor dem Bibcamp einen kleinen Rant auf diesem Blog angefangen und ihn dann doch nicht veröffentlicht, Grundtenor: “Universitäten in GB, Irland, USA, Kanada tun mehr für ihre StudentInnen, binden sie enger an sich, das ist gut für die StudentInnen und auch gut für die Unis, die Hierarchien sind flacher, warum geht das im deutschsprachigen Raum nicht und was können Bibliotheken tun, um das zu ändern.”

Tatsächlich ging es aber in der Session um lokale/regionale wissenschaftliche soziale Netzwerke für WissenschaftlerInnen und ev. StudentInnen. Die Session, moderiert von Felix Lohmeier @felixlohmeier ist im Wiki von ihm auch wirklich extrem gut dokumentiert worden und Frau Lesewolke @lesewolke hat auch dazu gebloggt, also spare ich mir da jetzt den genauen Bericht. Meine Punkte haben es auch in die Session geschafft, wie ihr da sehen könnt. Fazit: Eine Campus Communitiy wird an der SLUB Dresden ausprobiert (ohne StudentInnen). Wie das mit der Anbindung von StudentInnen an ihre Universitäten und der Abflachung der Hierarchie werden soll, steht leider in den Sternen. Diese Session hat mir, neben Schöner Scheitern, am besten gefallen, da von den meisten TeilnehmerInnen intensiv diskutiert wurde und viele verschiedene Ansichten einflossen.

Damit war der erste Tag vorbei, nach köstlicher Pizza & späteren Getränken ging’s ab zum Schlafen. Und dann brach der 2. Tag des Bibcamps an.

Jetzt galt es!

Gesagt, getan. Und nach allerlei Plaudereien mit den BibliothekarInnen, die ich vor dem Bibcamp auf Twitter getroffen hatte, ging es in die erste Session: Neue Dienstleistungen in Bibliotheken – Prototyping mit Lego, moderiert von Elena Mastrapasqua und Dierk Eichel. Auch diese Session wurde storified und da viele meiner Fotos und Tweets dort landeten, erspare ich mir jetzt das Posten aller meiner Fotos und verweise euch dorthin. In den Videos könnt ihr sogar die Katzenohren in Aktion sehen.

Die nächste Session musste ich unbedingt besuchen: Dörte Böhner @bibliothekarin moderierte die Session zu Bibliothekarische Blogs/Social Media und persönliche Weiterbildung. Frau Lesewolke hat in einem Open Knowledge Pad fleißig mitgeschrieben und später dazu gebloggt. Klar war, dass die persönliche Fortbildung per Social Media sehr viel bringt, zum Beispiel für KollegInnen, die in einer One Person Library arbeiten, aber eigentlich für alle.

Eine junge Auszubildende der Stadtbibliothek Nürnberg sprach an, dass sie sich aufgrund des Blogs der dortigen FaMis (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste) ein klareres Bild über ihre Ausbildung und ihre Ausbildungsstätte machen konnte. Das fand ich toll, denn genau das ist für mich ein Grund, warum alle Bibliotheken eine gute Präsenz im Internet haben sollten: Damit Menschen, die wissen möchten wie es denn in einer bestimmten Bibliothek so zugeht, das auch erfahren können, auf eine lebendige Art und Weise. Ein großes Problem sahen wir allerdings bei der Bewältigung der Informationsflut und bei der Weitergabe der Informationen an KollegInnen, die nicht via Twitter oder Facebook eingebunden sind. Daher sind meiner Meinung nach bibliothekarische Blogs, die Informationen aggregieren, wie z.B. bibliothekarisch.de, Lesewolke und in Österreich natürlich das VÖBBLOG, sehr wichtig, damit Informationen auch längerfristig und suchbar gespeichert und in Ruhe abgerufen werden können.

Vor dieser Session und danach gab es wunderbare Nürnberger Rostbratwürstchen auf Semmeln – Drei im Weggla heißt das. Das Essen war überhaupt ausgezeichnet. Und in allen Pausen nahm ich fleißig den Makerspace in Anspruch, den es auf dem Bibcamp gab. Bitte, es gab dort eine Buttonmaschine. Jede Bibliothek sollte sowas haben, die Welt wäre schöner und voller Buttons! Buttons! Buttons für alle! *hust* Nein, ernsthaft: mit einer Buttonmaschine lässt sich mit vergleichsweise kleinem Aufwand sehr viel Spaß haben.

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Und dann war es soweit, Ausreden halfen nicht, die letzte Session musste ihren Lauf nehmen. Ich war dran mit der Moderation. Show & Tell – Fundstücke also. In der Executive-Suite:

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Was wollte ich da eigentlich vorstellen?

Und was ist diese beste Verbindung? Das ist Ravelry, ein soziales Netzwerk plus Datenbank für StrickerInnen und HäklerInnen. Hier gibt es eine Tour, hier ist ein Artikel von Farhad Manjoo auf Slate.com über Ravelry, dann gibt es noch ein Ravelry Blog. Ihr mögt jetzt lachen. Aber in punkto BenutzerInnenfreundlichkeit gibt es wenige Seiten, die besser sind – und die Nützlichkeit für StrickerInnen lässt sich nicht verleugnen. Will ich etwas stricken, kann ich meine Suche nach einem Strickmuster extrem fein einstellen, Garne, Strickmuster und Projekte sind miteinander verknüpft, würde ich also einen Pullover stricken wollen, kann ich zuerst nachsehen, wer ihn denn noch gestrickt hat, wie der an einem echten Körper aussieht, in verschiedenen Farben, Garnen, welche Probleme aufgetreten sind, etc.

Dazu gibt es dann noch Gruppen zu allen möglichen Interessen, z.B. auch eine für BibliothekarInnen, aber besonders gut sind diese Gruppen natürlich für die Organisation lokaler Strickgruppen. Die digitale Bibliothek der Strickmuster, die sich aus Einträgen von Mustern aus Büchern, Magazinen, Webseiten und Mustern individueller DesignerInnen zusammensetzt, ist mittlerweile riesig. Jede Person hat die Möglichkeit, selbst entworfene Strickmuster in die Datenbank einzutragen und dann entweder auf ihr/sein Blog zu verlinken oder ein PDF zum Herunterladen zur Verfügung zu stellen. Das Einstellen der Muster ist gratis, die PDFs oder Ebooks können entweder zum Verkauf oder gratis angeboten werden. Und vieles, vieles mehr. Wenn ein/e StrickerIn z.B. ein Blog hat, können einzelne Strickprojekte mit den betreffenden Blogposts verlinkt werden und und und.

Als Nächstes stellte Sandra Dahlhoff @sandraausnrw awfullibrarybooks.net vor. Dort posten BibliothekarInnen Bilder von Büchern, bei denen sie sich fragen: “Warum hat unsere Bibliothek die eigentlich und wer macht so schreckliche Bücher?” In dem Gespräch, das folgte, wurde auch Monika Bargmann @librarymistress (die leider nicht beim Bibcamp war) erwähnt, die auf ihrem Blog eine Sammlung von Büchern und anderen Medien in denen BibliothekarInnen vorkommen, angelegt hat.

Dann kam Jakob Voß @nichtich dran, der eine API entworfen hat, mit der z.B. ermöglicht werden kann, dass BibliotheksbenützerInnen mobil auf ihre Bibliothekskonten zugreifen können, um ihre Leihfristen zu kontrollieren, Bücher zu verlängern, etc., etc., etc. Hier hat er darüber gebloggt und hier ist die Info zu seiner Patrons Account Information API. Eine App, die alle NutzerInnenkonten von allen Bibliotheken, die ich besuche, anzeigt, auf einem Interface alle ausgeliehenen Bücher sehen und verlängern können – besser als jedes fliegende Auto! Ich hoffe, das setzt sich baldigst durch. Dann noch kühn eine These aufgestellt:

Mehr dazu bald auf diesem Blog.

Jens @akte20_09 stellte dann Guerilla Gardening und spezifisch, die Samenbombe genauer vor. In der folgenden Diskussion über das Maker Movement bzw. die Do-It-Yourself-Bewegung wurde auch thingiverse erwähnt.

Letztes Thema war dann Bibliotheksbau und wie damit umgegangen werden soll, wenn der Architekt verbietet, Beschriftungen anzubringen, vorgestellt von Cynthia Lengler @cynnautilus. Aus der Not eine Tugend gemacht haben sie und die anderen BibliothekarInnen des Medienzentrums der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen in der Schweiz. Mit einer studentischen Theatergruppe wurden Filme erarbeitet und gedreht, die die Regeln der Bibliothek vorstellen sollen. Allgemeiner Favorit war der Film zu der in jeder Bibliothek oft gestellten Frage: Wo ist die Toilette?

Das war also mein Beitrag zum Bibcamp, neben unzähligen Tweets, den Katzenohren und einer fast immer offenen Klappe.

Nicht zu fassen – Graphic Novels “For Ladies Only”

Erinnert ihr euch? Vor zwei Wochen war ich in Nürnberg und habe dort einen Comic gekauft. Eigentlich wollte ich ja “Are You My Mother” von Alison Bechdel kaufen, aber Verena hatte das letzte Exemplar gekauft. Also habe ich ein bisschen geschmökert und bin dann auf “Wie ein leeres Blatt” von Pénélope Bagieu und Boulet gestoßen. Wenn ihr diesem Link folgt: http://www.carlsen.de/hardcover/wie-ein-leeres-blatt/27917#Inhalt kommt ihr auf eine neutrale Seite, wo ihr Cover, Inhalt und Bewertungen seht und den Comic direkt kaufen könnt.

Heute habe ich den Comic noch einmal gelesen. Und was sehe ich auf der letzten Seite? Etwas, das mir vorher nicht aufgefallen war. Etwas, das mir den Sonntagmorgen ein wenig vermieste. Das da:

Graphic Novels für Frauen

Foto Anna Zschokke

HÄÄÄÄÄÄÄ?!?!?! Was soll das? Nach einem entrüsteten Tweet die Googlesuche: ja. Das gibt’s wirklich. “For Ladies Only” sagt der Carlsen Verlag. Um die Reihe zu bewerben, gab es schon ein paar “Ladies-Nights” in Buchgeschäften, mit einer Lesung und

“Prosecco und fettreduzierten – aber sehr leckeren – Schnittchen der portable Make-Up-Tisch einer Kosmetikfirma, an dem man sich optisch herrichten lassen konnte, sowie eine Kamera mit New York-Fototapete, vor der eine Mitarbeiterin einer Hamburger Fotostudiokette gewillte Damen ablichtete,”

berichtet madamebooks in ihrem Blog. Besucht hat sie die Ladies-Night (Ladies’ Night, wenn schon!) gemeinsam mit Lachwitz, der ebenfalls darüber bloggte.

Dazu gleich mal ein Hinweis: ich teile nicht alle Meinungen, die in den bis jetzt und danach zitierten Blogs bzw. Comics vertreten werden.

Hier ein paar der Reaktionen (ansonsten “Graphic Novels für Frauen” googeln), auf die ich mich auch beziehen werde:

Auf “Das Leben ist kein Ponyhof” in Comic- und Blogpostform von Sarah Burrini – Leseempfehlung für den Comic, übrigens.

Auf “Ein Comicleben” – auch Leseempfehlung.

Auf Beetlebum von Johannes Kretzschmar

Und auf Grober Unfug – Blog eines Berliner Comicladens mit 2 Filialen, die sich schon mal auf einen Besuch von mir gefasst machen können. Am 11.5. ist nämlich Gratis-Comic-Tag und ich bin dann in Berlin. Und meine Katzenohren auch.

Und was sollen “Graphic Novels für Frauen” jetzt sein? Von der Seite des Carlsen-Verlags:

Die Antwort, warum es Graphic Novels für Frauen braucht, ist ganz einfach: Frauen stehen gar nicht auf Superhelden und krude Zeichnungen!

*seufz* Ehrlich? Wirklich? Alle Frauen? Unkritisch stehe ich nicht zu Superheldencomics, aber ich mag X-Men, besitze V for Vendetta und The League of Extraordinary Gentlemen (ja, keine “normalen” Superheldengeschichten) und lese gerne Manga und schaue gerne Anime mit Superhelden und Superheldinnen. Von den amerikanischen Superheldenfilmen hab ich jetzt ein bisschen genug, aber ich habe mir etliche angesehen und einige ziemlich cool gefunden. Außerdem: Wonderella und andere Onlinecomics. Und ich bin damit nicht allein. Es gibt viele weibliche Fans von Superhelden und Superheldinnen, da stimme ich mit Ein Comicleben überein.

Mir sind auch krude Zeichnungen egal, wenn nur die Geschichte gut ist oder die Gags lustig sind. Ach, Carlsen, Carlsen. Klar, hier geht es nicht um Frauen, die schon Comics lesen. Hier geht es um Frauen, die *nicht* Comics lesen, deshalb heißt es ja auch “Graphic Novels”, damit die Nase ungerümpft bleibt. Deshalb wäre es ja auch gut, wenn die “Graphic Novels für Frauen” in der Brigitte rezensiert werden, wie Sabine Witkowski, verantwortliche Redakteurin, zu madamebooks gemeint hat. Ich verstehe das. Neue Zielgruppen erschließen und so.

Um die Comics an die Frau zu bringen, wurden die “Graphic Novels für Frauen” auch als “Lifestyle-Produkte” beworben, mit Deko-Kissen, wie auf Grober Unfug zu sehen ist. Weiters wird auf der Seite des Carlsen-Verlags bekanntgegeben:

Und schließlich sind sie so gemacht, wie es selbst im Carlsen Verlag erst mal die Frauen haben wollten: Die Bücher passen in jede Handtasche, haben einen praktischen Gummibandverschluss UND fühlen sich gut an!

Ja, das ist wichtig! (Nicht.) Denn haben die neuen Graphic Novels nicht im Allgemeinen alle Handtaschenformat? Und Manga sowieso? Bzw. gibt es ja doch auch Stoffbeutel und Oversize-Handtaschen? Werden normale Bücher auch damit beworben, dass sie Handtaschenformat haben? Werden Graphic Novels sonst damit beworben, dass sie Rucksack- oder Aktentaschenformat haben? Ich mag ja auch die A4-formatigen Comics, weil sie ihren ZeichnerInnen mehr Platz bieten (ach, die ganzseitigen Bilder in Garulfo, und Mit Mantel und Degen). Insgesamt ist mir das Format egal, gebt mir gute Comics!

Und wie sieht es jetzt mit den Inhalten aus? Modewelt in Paris. Alltagsleben plus Schuhfetischismus. Magersucht. Klar, das hat “Frauen” zu interessieren. Nein, ich habe diese Comics nicht gelesen. Lesen würde ich sie schon, denn ich bin neugierig und die Geschichten scheinen gut zu sein (ich vertraue da mal auf Beetlebum und den Carlsen-Verlag). Zweimal pink und je einmal türkis, weiß und crémefarben sind die Cover, die bisher auch noch mit einem Hinweis “Special Edition For Ladies” versehen waren. Gnah. Warum das Pink ein Problem ist, erklären Ein Comicleben, Sarah Burrini und das Internet gerne.

Wie ein leeres Blatt

Foto Anna Zschokke

Der Comic “Wie ein leeres Blatt” hat keinen solchen Hinweis. Offensichtlich wurde das wieder aufgegeben, wie Andreas Blatt in seiner Rezension für das Comic-Blog der FAZ berichtet. Meine Motivation, zu dem Comic zu greifen, war ja genau Boulet, bzw. da ich ja seinen Onlinecomic lese, den er gratis im Netz zur Verfügung stellt, wollte ich ihn durch den Kauf des Comics finanziell unterstützen (ja, da bin ich wohl etwas idealistisch).

Hätte ich den Comic gekauft, wenn ich gewusst hätte, dass er “für Frauen” gedacht ist? Ich habe mich ja schon im Comicladen gewundert, was es mit den Gummibändchen
auf sich hat, da lagen nämlich noch mehr aus der Reihe. Aber nicht als Extra-Display, zum Glück. Die anderen haben mich aber nicht angesprochen, vor allem nicht, nachdem ich “Boulet” gesehen hatte. Im Nachhinein kann ich es nicht sagen. Vielleicht hätte ich ihn gekauft (Boulet!) und sofort einen Blogpost geschrieben? Vielleicht hätte ich auf dem Bibcamp eine andere Session (über Feminismus, Sexismus und/oder andere Ismen in Bibliotheken nämlich) gehalten?

Jetzt, da ich “Wie ein leeres Blatt” besitze, bin ich froh – die Geschichte ist gut. Es geht ja auch nicht um ein “Frauenthema”, sondern die Hauptfigur des Comics ist eine Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat. Und sie holt sich Hilfe bei einer anderen Frau. Als Film würde der Comic den Bechdel-Test bestehen. Dabei wurde die Geschichte von einem Mann geschrieben, so wie auch “Luft und Liebe“, ein anderer Comic aus der “Graphic Novels für Frauen”-Serie, geschrieben von Hubert, gezeichnet von Marie Calliou.

Im Idealfall ist sowohl das Geschlecht der Leser*innen als auch der Autor*innen (ja, dieser Absatz bewusst mit Gendersternchen) egal – universell ansprechend sollen sie sein, die Comics. Wer kann sagen, was wem gefällt? Lesen Brigitte-Leser*innen denn nur Bücher über “Frauen”themen? Was sagt da der Carlsen Verlag?

Mit den Graphic Novels hat sich das inhaltliche und gestalterische Spektrum der Bildergeschichten so breit entwickelt, dass sich auch Frauen dafür interessieren.

Ach so, erst mit den Graphic Novels. Ja. Ehrlich? Dabei sollten sie doch im Carlsen Verlag eine Ahnung von Comicgeschichte haben. Aber es geht hier ja um “Frauen”, die noch keine Comics lesen.

Nun, ich lese ja schon Comics. Ich lese Comics, seit ich ein Kind bin. Comics haben in meiner ganzen Entwicklung eine unglaublich wichtige Rolle gespielt. Ich rede hier nicht von Micky Maus, Donald Duck, Lucky Luke, Asterix, Tim und Struppi, Gaston, Marsupilami, Isnogood, Yoko Tsuno und viele mehr, obwohl die auch immens wichtig waren. Ich rede von Claire Bretécher, Franziska Becker, Gerhard Seyfried, wunderschönen, absolut nicht jugendfreien und ganz auf Männer ausgerichteten Comics aus den Sammlungen von diversen Erwachsenen in meinem Umfeld, Ralf König (der war ganz, ganz wichtig), Maus, den unvergleichlichen Love & Rockets von Jaime und Gilbert Hernandez, Strangers in Paradise von Terry Moore, der eine große weibliche Leserschaft hat (für die beiden letzten danke, danke, DANKE Büchereien Wien!), Garulfo, Mit Mantel und Degen, Trent (ja, ich mag Western), etc. etc. etc. und so weiter, bis Flight, die tausenden Manga und die vielen, vielen Onlinecomics, die ich seit fast meiner Anfangszeit im Internet (gute 14 Jahre) lese.

Ich bin mit meiner Liebe zu Comics nicht allein. Es gibt noch viele andere Menschen, die Comics lieben und kaufen. Wie in einigen der Blogposts von männlichen Autoren angemerkt, hätten auch diese Interesse an den “Graphic Novels für Frauen”. Muss es also wirklich die Schubladisierung sein?

Mein Tipp: Anstatt “Graphic Novels für Frauen” herauszugeben, überlegt euch lieber, wie ihr gute Autor*innen unterstützt, die zu allen möglichen Themen schreiben. Wenn Kinder und Jugendliche zu Comics kommen, lesen sie alles und sollen auch alles lesen dürfen. Vielleicht verstehen sie noch nicht alles, aber der Eindruck bleibt. Springen Erwachsene erst über die Hürde des “aber Comics sind doch Kinderkram”, freuen sie sich sicher auch, wenn sie nicht in Schubladen gesteckt werden und ein genauso breites Angebot finden.

So aber: Sympathieverlust und Genervtheit.

Einmal Stadtbibliothek Nürnberg, bitte – Bibcamp 2013, Teil 2

Vorwarnung: Die Beschreibung des Bibcamp 2013 in Nürnberg folgt in Teil 3. Hier beschreibe ich meinen Besuch in der Stadtbibliothek Nürnberg mit vielen Fotos.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Auf dem Weg vom Comicladen (siehe Teil 1) zum Bibcamp kam ich auf die Idee, doch schnell in die Stadtbibliothek von Nürnberg zu schauen. Das ist jetzt aber kein umfassender Bericht, sondern eine Auflistung der Dinge, die mir aufgefallen sind. Für mehr als Schauen und Staunen hatte ich nicht wirklich Zeit.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Es war nicht weiter schwierig, die Stadtbibliothek zu finden. Nur der Haupteingang war ein wenig versteckter als erwartet, dahinter dann eine Freitreppe mit großen Stufen, die ins Bibliotheksinnere führte. Dort gab’s erst einmal das erste Staunen: Kästchen ohne Schlüssel, ohne Münzen! Einfach einen selbst gewählten, vierstelligen Code eingeben und voilà! Sehr elegant.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Mein nächster Halt beim Rundgang durch das Erdgeschoß war das Regal mit den Bereitstellungen für die BibliotheksbenützerInnen. Die stehen in der Stadtbibliothek einfach so offen herum – keine Wartezeiten am Schalter mehr!

Die Stadtbibliothek Nürnberg verlangt für die Benützung der Bibliothek übrigens keine Jahresgebühr und es gibt auch keine Gebühren für die Ausleihe von Medien. Verrechnet werden Mahngebühren und die Verlängerung von Medien. Genaueres dazu hat Wolfgang Kaiser auf bibliothekarisch.de geschrieben.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Leider konnte ich das schöne Stiegenhaus wegen einem beleidigten Knie nicht benützen. Also habe ich den Lift genommen. Jedes Stockwerk hat seine eigene Farbe und wie ihr sehen könnt, ist im Lift angeschrieben, welche Bereiche sich wo befinden.

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Ich entschied mich für den dritten Stock, wo sich Kinder- und Junge Bibliothek befinden. Wie Bibliotheksbereiche für Kinder und Jugendliche gestaltet sind interessiert mich besonders. Vor allem die Trennung hat mich hier gereizt – wie würde diese aussehen?

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

In der Kinderbibliothek fiel mir erst einmal diese hübsche kleine Bücherausstellung zum Thema China auf. Genau auf der richtigen Höhe für Kinder befand sich eine gute Mischung mit Bilderbüchern und Sachbüchern. Das Buch “An Großvaters Hand” von Chen Jianghong kann ich übrigens nur empfehlen.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Auch die Höhe der Infotheke ist in zwei Bereichen auf kleinere Kinder ausgerichtet. Wie sich dieses offene Arrangement im Alltag bewährt würde ich gerne einmal sehen.

Weiter hinten gab es dann noch ein Zelt, große, bequeme Sitzgelegenheiten zum Herumlümmeln, lustige Teppiche, einen Veranstaltungsbereich mit großen Stufen, auf denen eine ganze Schulklasse sitzen kann, und viele, viele Medien in allen möglichen Sprachen. Der ganze Bereich ist schön, ohne mit zu viel Spielzeug oder kitschigen Gestaltungselementen vollgeramscht zu sein. Und der Ausblick ist umwerfend – leider war das Wetter trüb.

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

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Und dann ging es eben in die Junge Bibliothek, ein Ausdruck, der mir gut gefällt. Mir gefällt auch, dass sie vom Kinderbereich räumlich klar getrennt ist.

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Was mir nicht gefällt ist dieses Plakat. Mittlerweile ist klar, dass sich Bilder wie dieses negativ auf das Selbstbewusstsein junger Frauen auswirken – eine Gruppe von Jugendlichen, vielleicht sogar bei der Bibliotheksbenutzung wäre mir lieber.

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Fast revolutionär ist hier aber im Sitzbereich der Getränkeautomat mit verschließbaren Flaschen. Ich hoffe, die Sitzgelegenheiten bleiben auch bei längerer Verweildauer bequem.

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Hier gibt es auch einen eigenen Bereich für den XBOX-Treff, mit Fußschemeln – das ist ziemlich cool.

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Vollends neidisch wurde ich dann bei der Mangasammlung. So eine hätte ich auch gerne in einer nahe gelegenen Bibliothek.

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Die eingestrickte Säule war dann das letzte Highlight der Jungen Bibliothek, bevor ich weiter musste – ob es da eine Strickgruppe gibt, die sich dort trifft?

Insgesamt hat mir auch die Junge Bibliothek sehr gut gefallen. Wie das dann aber ist, wenn ältere BesucherInnen diesen Bereich der Bibliothek benützen wollen, ist eine andere Frage. Von amerikanischen BibliothekarInnen weiß ich, dass Bereiche für Jugendliche auch ältere BenützerInnen anziehen und dass sie ein ziemliches Auge darauf haben müssen, wenn diese für die Jugendlichen unangenehm werden. Ich unterstütze auch voll und ganz, dass Jugendliche ihre eigenen Bereiche brauchen. Aber ich will auch Manga lesen …

Dann musste ich weiter. Angenehm verabschiedet wurde ich durch die wohlriechende Seife in der Toilette im Erdgeschoß. Es war keine rosa, blaue, weiße oder schaumige Industrieseife, sondern sie duftete irgendwie nach Mandeln und Sheabutter und hat mich schwerst beeindruckt. So ein kleines Detail, aber was für ein bleibender Eindruck.

Es gab dann am 2. Tag des Bibcamps eine Führung durch die Bibliothek, die ich ausgelassen habe – ich mag Gruppenführungen nicht besonders. Ich weiß nicht, ob mir genauso viel aufgefallen wäre. Zwei Wochen später ist auch ein bisschen etwas von der “Alles ist so cool!”-Stimmung verflogen und ich sehe mehr Aspekte, darunter auch kritische. Aber der positive Eindruck überwiegt. Von daher – Stadtbibliothek Nürnberg – gerne wieder!

So. Und jetzt komme ich ENDLICH zum Bibcamp. In Teil 3 …

Editiert wg. Formatierungsproblemen.

Mit Katzenohren nach Nürnberg – Bibcamp 2013, Teil 1

Nur zur Vorwarnung: Eine genauere Beschreibung des Bibcamps 2013 in Nürnberg findet in Teil 3 statt. Hier beschreibe ich vor allem meine Vorbereitungen und einen Teil meines Ausflugs vor dem Bibcamp. Teil 2 beschreibt dann meinen Kurzbesuch in der Stadtbibliothek Nürnberg. Wenn ihr aber wissen wollt, warum ich beim Bibcamp Katzenohren anhatte, lest weiter.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Sie ging schon am Donnerstagabend los, meine Reise nach Nürnberg zum Bibcamp 2013. Bibcamp? Ein Bibcamp ist ein Barcamp für BibliothekarInnen und Bibliotheksinteressierte. Und was ist ein Barcamp? Ein Barcamp ist eine andere Form der Konferenz, eine Unkonferenz, frei zugänglich, ohne vorher festgelegtes Programm. Abgehalten werden keine Frontalvorträge, sondern Sessions, die jede und jeder vorschlagen kann und in denen, vielleicht nach einem kurzen Vortrag der ModeratorInnen, alle zum mitdiskutieren eingeladen sind. Oder schaut mal hier auf Wikipedia, was ein Barcamp ist.

Im Vorfeld, beim Packen, ließ ich meinen Assoziationen freien Lauf. Aus unerfindlichen Gründen dachte mein Hirn, dass ich Hosen anziehen müsste, denn wir könnten ja möglicherweise auf dem Boden sitzen. Das kommt wohl von meiner Assoziation von “Barcamp” mit “Spontanität”. Das hab ich meinem Hirn dann schnell ausgetrieben. Aber mein Hirn wollte auch Katzenohren mitnehmen. Katzenohren? Die haben doch auf einer ernsten Veranstaltung nichts zu suchen! Ein Bibcamp ist doch kein Faschingsfest und auch keine Comicbörse. Aber sagt das mal meinem Hirn. Also war ich stark versucht, sie zuhause zu lassen. Eine kurze Meinungserhebung auf Twitter hat mich umgestimmt.

Katzenohren und R2Knee2

Foto Verena Lenes

Und warum Katzenohren? Was es mit denen auf sich hat, wurde ich öfter gefragt. Bei der ersten Anfrage habe ich leider komplett ausgeblendet, dass nicht alle wissen, woher das Katzenohrenmem kommt und habe die Frage daher wohl sehr ungenügend beantwortet (sorry!). Katzen- und andere Tierohren sind ein Bestandteil der japanischen (Comic)kultur. Ja, genau, die kommen aus den Manga, den Comics mit den großen Augen. Heute sind sie nicht mehr so topmodern (die Manga- & Animewelt hat sich entwickelt), aber als Verkleidung auf Conventions, wo sich alle möglichen Fans treffen, sind sie ein wichtiger Bestandteil. Mehr dazu natürlich auf Wikipedia.

Für mich sind die Katzenohren einfach lustig und ich finde mehr Spaß täte uns allen gut. Ich habe sie auch einmal in meiner letzten Bibliothek aufgesetzt, sogar mit geschminkter Katzennase und Schnurrbarthaaren (damals wirklich am Faschingsdienstag) und die vielen erstaunten und lächelnden Gesichter waren es mir wert. Meine und eure Barrieren abbauen ist daher ebenfalls ein Bestandteil meiner Motivation. Außerdem, zynisch gesagt, wissen jetzt alle wer ich bin – die mit den Katzenohren.

Dyeforyarn in Fürth

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Das Bibcamp 2013 begann offiziell am Freitag, dem 12. April um 13 Uhr. Ich machte mich, wie gesagt, schon am Donnerstag auf den Weg. Am Freitagmorgen wollte ich genug Zeit haben, um in Fürth bei Dyeforyarn Wolle einzukaufen. Was meine Strickleidenschaft mit Bibliotheken zu tun hat, sage ich euch dann in Teil 3.

“Und dann hast du dich auf den Weg zum Bibcamp gemacht!”, sagt ihr. Ja … äh, nein. Nachdem ich wieder in Nürnberg angekommen war, machte ich mich auf den Weg zu einem Comicladen, den Verena schon am Donnerstag besucht hatte. Sie erstand dort Alison Bechdel’s neuen Graphic Novel “Are You My Mother?” (erscheint diesen Herbst auf Deutsch)., lieh ihn mir als Abendlektüre und da er mir sehr gut gefiel (ihr “Fun Home” gehört ja zu meinen wichtigen Büchern), musste ich mir ein eigenes Exemplar anschaffen.

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Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA

Ich bin jetzt noch ergriffen vor Ehrfurcht bei der Erinnerung an diesen Comicladen. Ultra Comix heißt er, in der Vorderen Sternengasse in Nürnberg liegt er. Drei Stockwerke Comics, Bücher, Plakate, Spiele, T-shirts und noch viel, viel mehr. Alles, was so ein Nerdherz begehrt. Außer “Are You My Mother?”, denn das letzte Exemplar hatte Verena gekauft.

Also ein bisschen geschmökert und Fotos gemacht, dann “Wie ein leeres Blatt” von Pénélope Bagieu und Boulet gekauft. Darin geht es um eine junge Frau, die eines Tages auf einer Bank aufwacht und ihr gesamtes früheres Leben vergessen hat. Boulet führt übrigens hier ein grandioses Comiconlinetagebuch.

Befürchtet ihr jetzt, dass ich vor lauter Wolle, Comics und Begeisterung nie zum Bibcamp komme? Fürchtet euch nicht! In Teil 2 geht es weiter in die …

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Editiert am 28.4. (Namen korrigiert).