Von Tieren und vom Teilen: Mehr … immer mehr!

Was für ein Problem könnte ich mit Bilderbüchern mit Tieren haben? Tiere sind doch großartig? Ja. Aber die beliebtesten Bilderbuchtiere sind der Bär, der Fuchs, der Hase, der Wolf, der Hund, der Affe, der Elefant, der Tiger, der Löwe, der Esel, der Igel … merkt ihr was? Gut, es gibt die Katze, aber oft ist das dann doch ein Kater, genauso bei der Maus, die dann doch oft ein Mäuserich ist. Das Pferd, das Meerschwein, das Nilpferd, das Zebra, das Eichhörnchen gibt es auch, aber lange nicht so oft. Daher schaue ich auch bei Tierbüchern darauf, dass ich Bücher mit Tieren erwische, die einen weiblichen Artikel haben bzw. weibliche Hauptfiguren.

Mehr immer mehr I C SpringmanEines meiner Lieblingsbücher ist dabei “Mehr … immer mehr!” von der Autorin I.C. Springman mit Illustrationen von Brian Lies, auf Deutsch erschienen im Verlag annette betz. Darin geht es um eine Elster, die mit einer Maus befreundet ist. Am Anfang des Buches hat die Elster außer ihrem Nest nichts, also schenkt ihr die Maus eine Murmel. Nun hat die Elster etwas. Zufällig findet sie weitere Gegenstände – einen roten Legostein, eine Schillingmünze – und an dieser Stelle hatte mich das Buch. Ich wünsche mir keine Rückkehr zum Schilling und finde auch die Münze nicht besonders schön (die mit den Edelweiß ist es), aber es war trotzdem irgendwie ein starkes Gefühl, sie nach mittlerweile 15 Jahren in einem Kinderbuch wiederzusehen.

Die Elster hat nun einiges, aber sie beginnt mehr und mehr und immer mehr Gegenstände zu sammeln. Dadurch wird das Buch immer mehr zum Wimmelbuch, allerdings ohne erklärende Texte. Der Text bleibt ganz sparsam und beschreibt immer nur, wieviel die Elster nun hat. Sie baut neue Nester, um ihre Sammlung unterzubringen und schließlich hat sie zu viel – die Äste des Baumes biegen sich unter der Last. Die vielen Gegenstände sind dabei so schön gezeichnet, dass alle elsterhaften Menschen, wie z.B. ich selbst, sofort etliches davon an sich raffen möchten. Schließlich reicht es der Maus – “Genug!” schreit sie und der Ast auf dem sich Elster und Maus unterhielten bricht.

Die Elster liegt unter ihrer Sammlung begraben. Die Maus ruft um Hilfe und sie und viele andere Mäuse tragen die Sammlung gemeinsam weg, bis die Elster wieder zum Vorschein kommt. Alles wird verschenkt, auch an ein Eichhörnchen, bis schließlich die Elster und die Maus je ein Stück haben – die Murmel von ganz am Anfang und eine Schachfigur. “Genug?” fragt das Buch. “Ja, genug.”

In meinen Elsterfingern kribbelt es und das Buch provoziert mich manchmal ein wenig – sind Sammlungen so verwerflich? Trotzdem ist es ein gutes Buch um zu diskutieren, wieviel wir eigentlich brauchen und ob Teilen nicht besser wäre. Durch die Masse an Gegenständen und den sparsamen Text ist es ein Buch zum Ansehen und viel dazu reden. Kinder können die Zeichnungen genau betrachten, Gegenstände suchen und sich z.B. darüber unterhalten, welchen sie sich aussuchen würden. Ich habe es schon in einer kleinen Gruppe vorgelesen, ich würde ab ca. 4 Jahren bis ca. 6 Jahre einschätzen, danach ist es immer noch schön zum zu zweit oder alleine betrachten.

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