Zweisprachig Vorlesen

Das Blog ist tot, lang lebe das Blog! \o/ Aber Buchempfehlungen gehören nun mal ins Buchblog, also geht es nach einem Besuch bei Frau Dr. Frankenstein wieder los.

Ich lese seit bereits 2 Jahren regelmäßig ehrenamtlich in Zweigstellen der Büchereien Wien zweisprachig vor und zwar Bücher, die meinen Vorstellungen entsprechen, also solche mit vorwiegend weiblichen oder nicht eindeutig as weiblich oder männlich lesbaren Hauptfiguren, am besten mit Kindern of Color, außerdem sollen die Geschichten möglichst keinen Rassismus, Sexismus, Cissexismus, Heterosexismus, Klassismus, Ableismus und keine Dickenfeindlichkeit enthalten. Und die Geschichten und Illustrationen sollen gut sein (aber das ist subjektiv). Das perfekte Buch gibt es natürlich leider selten.

Die zweisprachige Geschichtenzeit der Büchereien Wien gibt es in vielen Sprachen, Türkisch, Arabisch, Chinesisch, Russisch, Französisch, etc., meistens finden die Vorlesestunden zwischen 16 und 17 Uhr statt. Früher habe ich noch öfter Schweizerdeutsch und Deutsch vorgelesen, jetzt ist aber vor allem Englisch und Deutsch gefragt. Ich kann wirklich gut Englisch, aber oft komme ich mir vor wie eine Simultanübersetzerin und ab und zu entfällt mir schon mal ein Wort, besonders wenn ich das Buch nicht kenne. Aber das macht nichts.

Ich bringe zwar zum Vorlesen oft eigene Bücher mit, aber da ich zwei Zweigstellen bevorzugt besuche, durchforste ich auch ihre Bestände bzw. die der Hauptbücherei nach Büchern, die ich vorlesen kann. Es wird ja sonst langweilig für die Kinder, die die Bücher schon kennen und ich kann nicht so viele Bücher kaufen. Da dann auch die Auswahl an englischen Kinderbüchern, die in meine Kriterien passen, schnell zu klein wird, nehme ich auch oft Bücher, die aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurden und übersetze sie zurück.

Die Kinder sind allgemein sehr geduldig – ich bin immer wieder erstaunt, wie gut sie aufpassen, wie gespannt sie lauschen, welche Fragen sie stellen – und wünsche mir manchmal, ich hätte mehr Zeit bzw. ein großes Tablet, an dem ich manche Sachen nachher besser erklären kann, wie z.B. Permafrost und das Klonen von Mammuts. Manche Kinder lesen auch mit – ein wenig schwieriger, wenn das Buch auf Englisch ist – und bei einer Vorleserunde lasen sogar die Kinder einander und mir gegenseitig vor und stritten sich darum, welches Kind jetzt dran war. Dabei zu beobachten, wie sie lernten, ihren Tonfall bei Satzzeichen richtig anzupassen war eines meiner schönsten Vorleseerlebnisse. Sehr schön ist für mich auch, wenn sie englische Worte wiedererkennen und sie wiederholen, wenn sie die Bücher nachher ausleihen und am schönsten ist es natürlich, wenn ihnen die Geschichte offenkundig Spaß macht.

Das Alter der Kinder, denen ich vorlese, ist ziemlich unterschiedlich. An einer Zweigstelle sind sie zwischen 3 und höchstens 7, also brauche ich dort Bücher mit wenig Text, vielen erklärenden Bildern und trotzdem Geschichten, die auch noch 7jährige interessieren. In der anderen Zweigstelle sind die Kinder schon etwas älter, bis ca. 9-10, aber all zu lange Texte werden trotzdem fad, schließlich lese ich sie zuerst in der einen Sprache, dann in der anderen vor. Manchmal hören auch erwachsene Bezugspersonen der Kinder zu – je kleiner die Kinder, desto mehr Erwachsene im Publikum.

Welche Bücher klappen und welche nicht, merke ich an der Reaktion der Kinder – wenn sie wegschauen, sich unterhalten, wegwandern, dann ist ihnen langweilig. Mir macht das nichts aus, ich finde es nur spannend und wegwandern dürfen sie immer. Es liegt auch nicht immer am Buch – meine Vorlesezeit dauert offiziell eine Stunde und das ist sehr lange für Kinder, egal welches Alter sie haben.

Zur Frage: Aber was ist mit Buben, wie bringen wir die zum Lesen, die lesen ja keine “Mädchenbücher” bitte diesen Artikel von Tricia Lowther auf Let Toys be Toys lesen (tl;dr: die Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse ist ein viel stärkerer Indikator dafür ob ein Kind gerne liest oder nicht) – weiteres Material findet sich am Ende des Artikels. Manchmal lese ich aus Notwendigkeit (keine anderen Bücher gefunden) auch Bücher mit männlichen Hauptfiguren vor. In den Gruppen, denen ich vorlese, sind als Buben bzw. als Mädchen lesbare Kinder gleichermaßen vertreten und sie hören allen Geschichten gleichermaßen zu (wenn sie gut sind), ob jetzt ein Bub die Hauptfigur ist oder ein Mädchen. In ihrem restlichen Medienkonsum sind aber weiße, heterosexuelle, cis-männliche Figuren so dominant vertreten bzw. werden es sein, dass sich kein Mensch Sorgen machen muss, sie kämen zu kurz.

Die Bücher, die mir am meisten gefallen, schenke ich dann auch meinen Niblingen – und manchmal schenke ich ihnen Bücher, die ich aus verschiedenen Gründen nicht vorlese, denn wie gesagt, nicht jedes Buch eignet sich dazu, Gruppen von Kindern vorgelesen zu werden. Ich werde hier trotzdem ein paar davon vorstellen.

4 thoughts on “Zweisprachig Vorlesen

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  3. Es ist wie ein warmer sonnenstrahl, texte zu lesen, deren verfassende sich mit gender und co. beschäftigt haben, es ist schön, dass du das auch ehrenamtlich an kinder weitergibst, wir sind alle steinchen im mosaik der gesellschaft. Noch gefällt mir das bild nicht, aber ich hoffe wir malen es im laufe unseres lebens gleichberechtigter, danke,
    Lovis

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