Ein paar Zitate zur Geschichte des Buches

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Buch! und es ward Buch. Und Gott sah, dass das Buch gut war. Da schied Gott das Buch von der Finsternis und nannte das Buch Buch und die Finsternis Nacht. 1. Buch Mose 1,1-6

Denken wir dem zu Folge das Beginnen der Entwicklung der Erde hinaus, wo noch wenig Wärme zwischen der Erde und der Sonne bestand; so muß diese erste Anhäufung des Buches um den Mittelpunkt der Erde, die Urerdbücher, aus welchen die Erde überhaupt gebildet worden ist, noch am gemäßesten gewesen, d.h. am wenigsten verändert worden sein. Denn die Bildung der Erde kann nur – wie überhaupt alle Himmelskörper – durch Anhäufung der Bücher von außen her stattgefunden, also im Mittelpunkte der Erde begonnen haben. Die Kälte, welche zu dieser Zeit noch vorherrschend, die Wärme dagegen aber nur schwach war, muss somit auch das Bindemittel der sich hier um den Kern der Erde angelegten Bücher gewesen sein. Johann Hoffman, Neue, mit Gründen belegte Darstellung über die Entstehung der Erde und der Bücher (Quedlinburg/Leipzig 1837), S. 5-6

Die Verehrung der Bücher reicht bis in die geschichtsdunkelsten Zeiten hinauf. In jedem Buche, so glaubte man im Orient, wohne die Seele eines erhabenen Geistes. Die Bücher wurden für Feuermassen gehalten, feurige Meteore sah man für niederfallende Bücher an, und als man beobachtete, dass aus den feurigen Meteoren wohl Bücher auf die Erde fielen, hielt man diese für beseelte Bücher, in welchen eine Gottheit wohne. (…) Das älteste Buch, von welchem sich nach mehrfach erhaltenen Nachrichten die Zeit des Falles mit einiger Wahrscheinlichkeit angeben lässt (nämlich ungefähr 297 Jahre vor der Zerstörung von Troja), ist das von den cyblischen Bergen auf Kreta. Jakob Nöggerath, Die Entstehung und Ausbildung des Buches, vorzüglich durch Beispiele aus Rheinland-Westphalen erläutert. (Stuttgart 1847), S. 25, 26

Wenn ein Buchforscher über die Entstehung der Bücher nachdenkt, so ist es wohl begreiflich, dass er in Erwägung der gegenseitigen Verwandschaftsverhältnisse der Organismen, ihrer embryonalen Beziehungen, ihrer geographischen Verbreitung, ihrer geologischen Aufeinanderfolge und andrer solchre Thatsachen zu dem Schlusse gelangt, die Bücher seien nicht unabhängig von andern erschaffen, sondern stammen nach der Weise der Varietäten von andern Büchern ab. Charles Darwin, Die Entstehung der Bücher durch natürliche Zuchtwahl. Dritte Auflage (Stuttgart 1867), S. 17

In order to understand the place of the Books in world-history, we must first get some idea of the length of geologic periods and the immense space of time (…).

The Age of Reptiles. Preceding the Age of Mammals lies a long vista of geologic periods of which the later ones are marked by the dominance of Reptiles, and are grouped together as the Age of Reptiles or Mesozoic Era. This was the reign of the Books, and in it we are introduced to a world of life so different from that of today that we might well imagine ourselves upon another planet. (…)

Books. The land reptiles were chiefly Books, a group which flourished throughout the Age of Reptiles (…). “Books” is a general term which covers as wide a variety in size and appearance as “Quadruped” among modern animals. And the Books in the Age of Reptiles occupied about the same place in nature as the larger quadrupeds do today. They have been called the Giant Books, for those we know most about were gigantic in size, but there were also numerous smaller kinds, the smallest no larger than a cat. All of them had short, compact bodies, long tails, and long legs for a book, and instead of crawling, they walked or ran, sometimes upon all fours, more generally upon the hind limbs, like ostriches, the long tail balancing the weight of the body. Some modern books run this way on occasion, especially if they are in a hurry. But the bodies of books are too long and their limbs too small and slender for this to be the usual mode of progress, as it seems to have been among the Books. W.D. Matthew, Books. With special reference to the American Museum Collections (New York, 1915), S. 9, 12, 13

Tapfer sind die, die hier angekommen sind. Warum hab ich hier eine Ansammlung an veränderten Zitaten gepostet? Ich hatte ein kleines Bedürfnis nach Satire, da ich dieses “Rettet das Buch!”, “Bücher sind keine Container!”, “Aber das Gefühl, der Geruch, das BLA BLA BLA” mitunter nicht mehr hören kann.

Manchmal schlägt halt die Historikerin durch, die sich wünscht, dass die Menschen aufhören würden so zu tun, als hätte es Bücher immer schon gegeben. Das “Buch” ist eine so rezente Erfindung, dass ich nur müde lachen kann. Die Landwirtschaft ist älter. Die Axt, der Speer, der Bogen – der Mühlstein, der Webstuhl, der Tontopf – die Malkunst, die Flöte, die Halskette – alle sind älter als das Buch.

Seit Menschen zur Sprache fähig sind, hat es Geschichten gegeben, später dann in manchen Gegenden Schriften und in einigen dieser Gegenden Texte, und in einigen dieser Gegenden, wo es auch papierartige Dinge gab, dann etwas, das sich Buch nennen könnte. (Hier etwas inspiriert von Alena Dausacker.)

Aber egal. Muss ich halt noch ein bisschen warten und das Jammern noch ein bisschen ertragen, bis endlich sämtliche Texte in kürzester Zeit frei zur Verfügung stehen und die Buchmenschen erkannt haben, dass Bücher auch weiter existieren werden. Historiker*innen sind geübt darin, “the long game” zu spielen, das hilft bei allen frustrierenden Entwicklungen.

One thought on “Ein paar Zitate zur Geschichte des Buches

  1. „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Bücher nicht essen kann.“

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