Sich klonen können wäre gut – Bibcamp Teil 3

Jetzt kommen wir endlich zum Bibcamp. Ja, hat lange gedauert. Was ein Bibcamp ist, habe ich schon in Teil 1 erklärt. Mehr Info zu allem findet ihr auch auf dem Bibcamp-Blog, im Bibcampwiki und auf bibliothekarisch.de, wo die unvergleichliche Dörte Böhner @bibliothekarin eine Liste mit allen Blogbeiträgen zum 6. Bibcamp erstellt hat.

Noch dazu war ich auf dem Weg von der Stadtbibliothek zur U-Bahn hinter einer Kindergartengruppe gelandet, die sehr lustig war, von daher musste ich die natürlich ein wenig beobachten (ja, musste). Aber geschafft habe ich es trotzdem. Schnell noch das Umhängeschild und den WLAN-Zugang geholt und meinen Namen und den Twitternamen draufgekritzelt. Der große Saal war fast voll. Als ich dann in der hintersten Reihe die Katzenohren aufsetzte und mal tweetete, dass ich jetzt da war, wurde ich freundlich begrüßt.

Schließlich hatte ich ja alle schon vorgewarnt:

Und dann hieß es aufstehen. Mir war nämlich eine Session-Idee eingefallen und alle, die Sessions vorschlagen wollten, sollten sich vorne aufstellen. Tja.

Klar sagt ihr jetzt: “Aber warum setzt du dir dann Katzenohren auf?” Das Zittern kam nicht von den Katzenohren. Das Zittern kam davon, dass da an die 180 Leute waren, die ich nicht persönlich kannte und denen ich jetzt eine Session vorschlagen sollte. Per Mikrofon.

Aber mit freundlicher Unterstützung via Twitter habe ich es geschafft. Ich habe eine Show&Tell-Session vorgeschlagen, in der Annahme, dass alle wissen, was ein Show&Tell ist. Sollte nie angenommen werden. In meinem Kopf sah das so aus: Wir alle kennen coole Dinge, die auf Twitter oder Facebook weder so ausführlich, noch so begeistert vorgestellt werden können. In meiner Show&Tell-Session hätten sich Menschen gefunden, die eben etwas vorzustellen hatten – egal was – und in kurzen Impulsreferaten ihre Dinge vorstellen würden. Quasi Minisessions in einer Session. Ja. Mit zittrigen Händen sowas rüberzubringen ist nicht so leicht. Nächstes Mal hab ich das dann ausformuliert und kann’s allen nochmal näherbringen.

Nachdem alle ihre Sessions vorgeschlagen hatten, wurde der Sessionplan erstellt und dabei wurde ziemlich bald klar, dass uns allen die entscheidende Fähigkeit abging, uns zu zerteilen und so bequem an mehreren Sessions teilzunehmen. So sah ein Teil vom Sessionplan (ich sehe gerade es war der vorläufige von Samstag) aus:

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Foto Anna Zschokke CC-BY-NC-SA 3.0

Im Bibcampwiki könnt ihr sehen, welche Sessions es gab und zu vielen die Dokumentation dazu lesen. Ich habe für Freitag geschätzt, dass es ca. 30% Frauen waren, die Sessions vorschlugen und ca. 70% Männer – anscheinend schon eine große Verbesserung zum vorigen Jahr.

Die erste Session, die ich am Freitag besuchte, war “Schöner Scheitern”, ausgezeichnet moderiert von Jens Wonke-Stehle @akte20_09. Klugerweise hatte er auch einen hashtag für die Session vorgeschlagen – #schoenerscheitern (macht das öfter, Leute!). Ich bette jetzt nicht alle meine Tweets ein (zu mühsam), sondern mache ein Telegramm daraus:

Jens will in Ruhe scheitern – Der dfg auch mal sagen, dass ein Projekt Quatsch ist – Projektdatenbank mit Anmerkungen, was nicht so gut gelaufen ist, lessons learned – Sprachhürden beim Artikelschreiben für Neulinge verhindern neue Impulse – Auch bei gut gelaufenen Projekten sagen, was gut gelaufen ist! – Bibliothekarische Projektkultur & Geldgeberkultur, jedes Projekt sollte auch wissenschaftl. Projekt sein

Aber wie ist das mit Fehlern, die Personen machen, sollten ja nicht angeprangert werden – Muss ein Projekt unbedingt Erfolg haben? Keiner will das schwarze Schaf sein und Bedenken haben – The portal that should not be named (Vascoda) – Es wird ohnehin hintenrum über Scheitern geredet, Offenheit würde Spekulationen vielleicht verhindern – Es braucht eine neue Fehlerkultur – Scheitern in die Zieldefinition einbauen, statt genauen Definitionen, wie welcher Erfolg erreicht werden muss

Bibliotheksinterne Projektdatenbanken braucht es! Besonders für kleinere Projekte, Dokumentation und Wissenstransfer (dass sie bibliotheksintern sein sollten war ein Vorschlag von mir) – Dokumentation darf aber Projekt nicht ersticken – Wenn externe Mitarbeit gefragt ist, wird es kritisch über Scheitern zu sprechen, um nicht zu entmutigen – Bibliothekscommunity ist so klein, dass sie sich Scheitern nicht leisten kann, wie trotzdem dokumentieren? – Werkstattberichte für Projekte, die gerade stattfinden, wo es noch kein Scheitern gibt?

Ausprobieren, ob es funktioniert statt muss ein Erfolg werden. Viel fataler, es gar nicht zu probieren – Projektdatenbank für knowledge transfer ist gescheitert. Hm. – Fehlende Fehlerkultur führt zu fehlender Innovation. Soll Ausprobieren belohnt werden? – Problem bei Belohnungen: Leute schlagen vor, führen aber nicht aus. Vorschlagende/r muss die Verantwortung übernehmen – @darisan (Louise Rumpf) sagte Organisationsstrukturen können Scheitern fördern – Lebenslanges Scheitern selbst lernen – ohne Scheitern funktioniert lernen nicht! – Kann nicht klatschen, muss Twittern!!! #schoenerscheitern #bib6

Lessons learned auf dem Flipchart:

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Fazit? Bei sich selbst anfangen und mit anderen über Fehlerkultur sprechen. Wir waren ca. 50 Leute, es ist also Interesse da, das Scheitern in den Bibliotheken offenzulegen, zu besprechen und zu akzeptieren. Ihr findet, das war sehr viel Getwitter? Ja. Mein Smartphone war danach leer. Also:

Danach ging’s in die von Jana Haase @xanaha und Petra Häusbauer moderierte Session “Innovationen vorantreiben/Kollegen (die Kolleginnen fehlen) ‘mitnehmen'”. Da mein Smartphone laden musste, habe ich von dort nur sehr wenig getwittert. Wie KollegInnen in die neue Bibliothekswelt mitgenommen werden können, dafür konnten wir ohnehin keine allgemeingültigen Handlungsanleitungen geben. Klar wurde, dass sich Menschen allen Alters gegen Innovationen erfolgreich langfristig wehren können. Langer Atem und Engelsgeduld sind also gefragt. Dass das die innovativen BibliothekarInnen dadurch frustriert werden, ist klar – und dass dann die Motivation sinkt, Innovationen einzuführen und voranzutreiben auch. Hm.

Als nächstes wäre eigentlich das in die Pause verschobene Show&Tell dran gewesen, aber Pausen sind zum pausieren da. Also wurde Show&Tell auf den nächsten Tag verschoben. Schließlich stand die letzte Session des Tages auf dem Programm. Ich hatte mir ursprünglich “Humor in Bibliotheken” – witzig storified von Moderatorin Sandra Dahlhoff @sandraausnrw – ausgesucht. Aber nach einer kurzen Rede zu Katzenohren und Clownnasen (ja …), Barrieren abbauen, etc., haute ich dann zu den Campus Communities ab (weil ich mir selbst lustig genug vorkomme *hust*).

Was denn Campus Communities sein sollten, davon hatte ich wohl eine ganz andere Vorstellung als der Rest. Ich hatte nämlich vor dem Bibcamp einen kleinen Rant auf diesem Blog angefangen und ihn dann doch nicht veröffentlicht, Grundtenor: “Universitäten in GB, Irland, USA, Kanada tun mehr für ihre StudentInnen, binden sie enger an sich, das ist gut für die StudentInnen und auch gut für die Unis, die Hierarchien sind flacher, warum geht das im deutschsprachigen Raum nicht und was können Bibliotheken tun, um das zu ändern.”

Tatsächlich ging es aber in der Session um lokale/regionale wissenschaftliche soziale Netzwerke für WissenschaftlerInnen und ev. StudentInnen. Die Session, moderiert von Felix Lohmeier @felixlohmeier ist im Wiki von ihm auch wirklich extrem gut dokumentiert worden und Frau Lesewolke @lesewolke hat auch dazu gebloggt, also spare ich mir da jetzt den genauen Bericht. Meine Punkte haben es auch in die Session geschafft, wie ihr da sehen könnt. Fazit: Eine Campus Communitiy wird an der SLUB Dresden ausprobiert (ohne StudentInnen). Wie das mit der Anbindung von StudentInnen an ihre Universitäten und der Abflachung der Hierarchie werden soll, steht leider in den Sternen. Diese Session hat mir, neben Schöner Scheitern, am besten gefallen, da von den meisten TeilnehmerInnen intensiv diskutiert wurde und viele verschiedene Ansichten einflossen.

Damit war der erste Tag vorbei, nach köstlicher Pizza & späteren Getränken ging’s ab zum Schlafen. Und dann brach der 2. Tag des Bibcamps an.

Jetzt galt es!

Gesagt, getan. Und nach allerlei Plaudereien mit den BibliothekarInnen, die ich vor dem Bibcamp auf Twitter getroffen hatte, ging es in die erste Session: Neue Dienstleistungen in Bibliotheken – Prototyping mit Lego, moderiert von Elena Mastrapasqua und Dierk Eichel. Auch diese Session wurde storified und da viele meiner Fotos und Tweets dort landeten, erspare ich mir jetzt das Posten aller meiner Fotos und verweise euch dorthin. In den Videos könnt ihr sogar die Katzenohren in Aktion sehen.

Die nächste Session musste ich unbedingt besuchen: Dörte Böhner @bibliothekarin moderierte die Session zu Bibliothekarische Blogs/Social Media und persönliche Weiterbildung. Frau Lesewolke hat in einem Open Knowledge Pad fleißig mitgeschrieben und später dazu gebloggt. Klar war, dass die persönliche Fortbildung per Social Media sehr viel bringt, zum Beispiel für KollegInnen, die in einer One Person Library arbeiten, aber eigentlich für alle.

Eine junge Auszubildende der Stadtbibliothek Nürnberg sprach an, dass sie sich aufgrund des Blogs der dortigen FaMis (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste) ein klareres Bild über ihre Ausbildung und ihre Ausbildungsstätte machen konnte. Das fand ich toll, denn genau das ist für mich ein Grund, warum alle Bibliotheken eine gute Präsenz im Internet haben sollten: Damit Menschen, die wissen möchten wie es denn in einer bestimmten Bibliothek so zugeht, das auch erfahren können, auf eine lebendige Art und Weise. Ein großes Problem sahen wir allerdings bei der Bewältigung der Informationsflut und bei der Weitergabe der Informationen an KollegInnen, die nicht via Twitter oder Facebook eingebunden sind. Daher sind meiner Meinung nach bibliothekarische Blogs, die Informationen aggregieren, wie z.B. bibliothekarisch.de, Lesewolke und in Österreich natürlich das VÖBBLOG, sehr wichtig, damit Informationen auch längerfristig und suchbar gespeichert und in Ruhe abgerufen werden können.

Vor dieser Session und danach gab es wunderbare Nürnberger Rostbratwürstchen auf Semmeln – Drei im Weggla heißt das. Das Essen war überhaupt ausgezeichnet. Und in allen Pausen nahm ich fleißig den Makerspace in Anspruch, den es auf dem Bibcamp gab. Bitte, es gab dort eine Buttonmaschine. Jede Bibliothek sollte sowas haben, die Welt wäre schöner und voller Buttons! Buttons! Buttons für alle! *hust* Nein, ernsthaft: mit einer Buttonmaschine lässt sich mit vergleichsweise kleinem Aufwand sehr viel Spaß haben.

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Und dann war es soweit, Ausreden halfen nicht, die letzte Session musste ihren Lauf nehmen. Ich war dran mit der Moderation. Show & Tell – Fundstücke also. In der Executive-Suite:

Foto Anna Zschokke

Foto Anna Zschokke

Was wollte ich da eigentlich vorstellen?

Und was ist diese beste Verbindung? Das ist Ravelry, ein soziales Netzwerk plus Datenbank für StrickerInnen und HäklerInnen. Hier gibt es eine Tour, hier ist ein Artikel von Farhad Manjoo auf Slate.com über Ravelry, dann gibt es noch ein Ravelry Blog. Ihr mögt jetzt lachen. Aber in punkto BenutzerInnenfreundlichkeit gibt es wenige Seiten, die besser sind – und die Nützlichkeit für StrickerInnen lässt sich nicht verleugnen. Will ich etwas stricken, kann ich meine Suche nach einem Strickmuster extrem fein einstellen, Garne, Strickmuster und Projekte sind miteinander verknüpft, würde ich also einen Pullover stricken wollen, kann ich zuerst nachsehen, wer ihn denn noch gestrickt hat, wie der an einem echten Körper aussieht, in verschiedenen Farben, Garnen, welche Probleme aufgetreten sind, etc.

Dazu gibt es dann noch Gruppen zu allen möglichen Interessen, z.B. auch eine für BibliothekarInnen, aber besonders gut sind diese Gruppen natürlich für die Organisation lokaler Strickgruppen. Die digitale Bibliothek der Strickmuster, die sich aus Einträgen von Mustern aus Büchern, Magazinen, Webseiten und Mustern individueller DesignerInnen zusammensetzt, ist mittlerweile riesig. Jede Person hat die Möglichkeit, selbst entworfene Strickmuster in die Datenbank einzutragen und dann entweder auf ihr/sein Blog zu verlinken oder ein PDF zum Herunterladen zur Verfügung zu stellen. Das Einstellen der Muster ist gratis, die PDFs oder Ebooks können entweder zum Verkauf oder gratis angeboten werden. Und vieles, vieles mehr. Wenn ein/e StrickerIn z.B. ein Blog hat, können einzelne Strickprojekte mit den betreffenden Blogposts verlinkt werden und und und.

Als Nächstes stellte Sandra Dahlhoff @sandraausnrw awfullibrarybooks.net vor. Dort posten BibliothekarInnen Bilder von Büchern, bei denen sie sich fragen: “Warum hat unsere Bibliothek die eigentlich und wer macht so schreckliche Bücher?” In dem Gespräch, das folgte, wurde auch Monika Bargmann @librarymistress (die leider nicht beim Bibcamp war) erwähnt, die auf ihrem Blog eine Sammlung von Büchern und anderen Medien in denen BibliothekarInnen vorkommen, angelegt hat.

Dann kam Jakob Voß @nichtich dran, der eine API entworfen hat, mit der z.B. ermöglicht werden kann, dass BibliotheksbenützerInnen mobil auf ihre Bibliothekskonten zugreifen können, um ihre Leihfristen zu kontrollieren, Bücher zu verlängern, etc., etc., etc. Hier hat er darüber gebloggt und hier ist die Info zu seiner Patrons Account Information API. Eine App, die alle NutzerInnenkonten von allen Bibliotheken, die ich besuche, anzeigt, auf einem Interface alle ausgeliehenen Bücher sehen und verlängern können – besser als jedes fliegende Auto! Ich hoffe, das setzt sich baldigst durch. Dann noch kühn eine These aufgestellt:

Mehr dazu bald auf diesem Blog.

Jens @akte20_09 stellte dann Guerilla Gardening und spezifisch, die Samenbombe genauer vor. In der folgenden Diskussion über das Maker Movement bzw. die Do-It-Yourself-Bewegung wurde auch thingiverse erwähnt.

Letztes Thema war dann Bibliotheksbau und wie damit umgegangen werden soll, wenn der Architekt verbietet, Beschriftungen anzubringen, vorgestellt von Cynthia Lengler @cynnautilus. Aus der Not eine Tugend gemacht haben sie und die anderen BibliothekarInnen des Medienzentrums der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen in der Schweiz. Mit einer studentischen Theatergruppe wurden Filme erarbeitet und gedreht, die die Regeln der Bibliothek vorstellen sollen. Allgemeiner Favorit war der Film zu der in jeder Bibliothek oft gestellten Frage: Wo ist die Toilette?

Das war also mein Beitrag zum Bibcamp, neben unzähligen Tweets, den Katzenohren und einer fast immer offenen Klappe.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s