Gemeinfreie eBooks verleihen?

Gemeinfreie Werke sind solche, deren AutorInnen schon mehr als 70 Jahre verstorben sind. Solche Werke gibt es als eBooks z.B. beim Projekt Gutenberg, aber auch bei vielen kommerziellen Anbietern und können dort kostenlos legal heruntergeladen werden. In absehbarer Zeit sollen Bibliotheken solche eBooks über die Onleihe erwerben können. Für die Bibliotheken ist das nicht kostenlos, weil die Aufbereitung der Werke als ePub-Datei aufwendig ist. Aber der Preis liegt unter dem einer durchschnittlichen Melange (für Deutsche: Kaffee😉

Dass es das Angebot geben wird, weiß ich seit Februar und seither bin ich unschlüssig, was ich davon halten soll.

Praktisch soll das Angebot meines Wissens nach als L-Lizenz umgesetzt, d.h. es können unendlich viele Personen gleichzeitig ausleihen. Aber es bleibt bei der Ausleihe – d.h. die Medien werden mit Kopierschutz versehen und haben demnach ein eingebautes Ablaufdatum.

Was gefällt mir an der Idee?

Meine pragmatische Seite findet es einfach praktisch. Man kann mit wenig Geld und wenig Aufwand das digitale Angebot der Bibliothek erweitern. Klassiker und Schullektüre sind keine Ausleihrenner, aber sie werden stetig nachgefragt. Solange es nur zwei Anbieter für eBooks für Öffentliche Bibliotheken gibt, die sehr sehr ähnlich sind und das selbe Geschäftsmodell haben, ist es sinnvoll, das gesamte digitale Angebot der Bibliothek über eine Plattform anzubieten.

Andererseits zeigen alle bisherigen Erfahrungen mit der Onleihe, dass aktuelle Belletristik am stärksten nachgefragt wird. Wie sinnvoll ist es, etwas das man mit einem quick and dirty google kostenlos findet, mit Leihfrist zu verleihen?

Statt gemeinfreie eBooks ins Angebot der Onleihe einzubinden, könnten wir sie stattdessen in unseren Kataloge verlinken. Ich verstehe den Reiz einer Plattform, die alle digitalen Angebote zusammenfasst, aber wie lange wird das ein Argument bleiben?

Beim Bibcamp (Anna bloggt dazu ausführlich) gab es eine Session zu eBooks in Öffentlichen Bibliotheken und da war ein Diskussionspunkt, dass die Abhängigkeit der Bibliotheken von einem Anbieter längerfristig problematisch ist (siehe Dokumentation Bibcamp).

Alternativ könnten wir es als unsere Aufgabe als Bibliotheken sehen unseren KundInnen beizubringen, wo sie im Netz frei verfügbare eBooks finden können und wie sie die ggf. konvertieren können. Oder ist dieser Anspruch unrealistisch? Wenn er aber unrealistisch ist, heißt das nicht, dass uns die generelle Richtung in die wir mit eBooks gehen möchten fehlt bzw. wir uns die Richtung von einer einzigen Firma vorgeben lassen?

Was meint ihr dazu?

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