Alternativen zum eBook-Verleih durch externe Anbieter?

Ich habe in meinen ersten beiden Posts auf die Öffentlichen Bibliotheken in den USA hingewiesen, die nur sehr wenige eBooks verleihen können. 3 von den 6 größten Verlagen lizenzieren gar keine eBooks für Öffentliche Bibliotheken. Diese Bücher können Bibliotheken einfach nicht digital erwerben.

Von den verbleibenden drei Verlagen bietet Random House eBooks an, aber zu stark erhöhten Preisen gegenüber dem Endkundenmarkt. Harper Collins vergibt Lizenzen für genau 26 Ausleihen, dann muss ein neues eBook erworben werden. Von Penguin gab es einige Zeit nur Lizenzen für Titel die älter als 6 Monate sind. Vorige Woche wurde angekündigt, das bald auch aktuelle Titel verfügbar gemacht werden. Die Titel können zum Endkundenpreis erworben aber nur für ein Jahr angeboten werden.

Die Situation ist alles andere als befriedigend. Nur eine der Konsequenzen der Entwicklung ist, dass Verlage damit indirekt in der Lage sind, das Angebot von öffentlichen Bibliotheken zu gestalten. Gespräche zwischen Vertretern des Bibliothekswesen und den Verlagen finden statt, sind aber derzeit nicht von Erfolg gekrönt.

Soviel zur aktuellen Lage. Was tun Bibliotheken, die sich mit der Situation nicht abfinden möchten?

Ich konnte im Februar bei einem Vortrag über Gaming in Öffentlichen Bibliotheken von Eli Neiburger von der Ann Arbour District Library dabeisein und hatte anschließend Gelegenheit, ihn darüber auszufragen, wie die AADL mit der eBook-Situation umgehen.

Eli findet es ergibt wenig Sinn, die Vorteile von eBooks, nämlich das einfache Kopieren, Teilen etc. nachträglich mit einem Schranken zu versehen, damit es an den Bibliotheksgeschäftsgang angepasst wird. Zusätzlich erzeugt es Frust und Arbeit für alle Beteiligten.

Sein Ansatz ist ein ganz anderer: Er hat sein Team angewiesen direkt mit den AutorInnen zu verhandeln. Sie möchten erreichen, dass der/die AutorIn das eBook als Datei zur Verfügung stellt. Das eBook kann dann für einen festgelegten Zeitraum, z.B. ein Jahr von allen Mitgliedern der AADL ohne Kopierschutz (und damit einhergehenden Kompatibilitätsproblemen) von der Webseite heruntergeladen werden.

Der/die AutorIn erhält dafür einen Scheck über den Betrag, der ungefähr dem entspricht, was er an Einnahmen durch Buchverkäufe in dem Einzugsgebiet der Bibliothek in einem Jahr erwarten könnte.

Was ich in drei Absätzen versucht habe zusammenzufassen, ist ausführlich in dem von Eli Neiburger verfassten Kapitel The End of the Public Library (As We Knew It)? (in Book: A Futurist’s Manifesto) nachzulesen. Das erste so lizenzierte eBook und den ersten Film (der gestreamt werden kann), gibt’s auch schon zu bewundern.

Die Douglas County Library verfolgen einen anderen Ansatz. Sie bleiben beim Verleihmodell für eBooks, aber sie haben die dafür notwendige technische Infrastruktur, wie z.B. den Adobe Lizenzserver, selbst aufgebaut. Die meisten anderen Bibliotheken mieten diese Infrastruktur von Anbietern wie Overdrive, 3M oder im deutschsprachigen Raum, der divibib. Mit der eigenen Infrastruktur kann die DCL nicht nur Titel anbieten, die diese Firmen lizenzieren, sondern selbst mit Verlagen verhandeln.

2013 haben sie 10 000 eBooks von der Plattform smashwords lizenziert. Smashwords ist eine Plattform für Indieverlage und self-publishing. AutorInnen können einfach und kostenlos ihre Werke bei smashwords einstellen und so verkaufen. Alle eBook, die von smashwords heruntergeladen werden können, sind ohne Kopierschutz.

Bücher, die im Eigenverlag erschienen sind, hatten früher einen sehr schlechten Ruf. Mittlerweile ändert sich das stark und einige schaffen es bis in die Bestsellerlisten. Das bekannteste Beispiel dafür ist wohl Shades of Grey. Trotzdem ist die Qualität von selbstveröffentlichen eBooks sehr variabel.

Um die besten Titel aus dem Angebot von smashwords herauszufiltern, hat die DCL die vorhandenen Verkaufszahlen, Bewertungsmöglichkeiten und Rezensionen der Seite  hinzugezogen, die von den LeserInnen der smashwords beigesteuert werden. Die Vorgehensweise wurde in diesem Artikel kritisiert, u.a. weil auch Kinderbücher durch diesen Algorithmus gekauft und nicht einzeln begutachtet wurden.

Der Bibliotheksleiter James LaRue erklärt die Investition seiner Bibliothek in eigene Infrastruktur und den Kauf von self-publishing Titeln sehr schlüssig: Die Titel der Bestsellerlisten bleiben den Bibliotheken zu einem großen Teil vorenthalten, weil einige Verlage gar keine Titel an Bibliotheken lizenzieren. Die via Overdrive oder 3M lizenzierbaren eBooks gehören der Bibliothek nicht (sie sind nur lizenziert) und einige der Titel haben den 5-fache Preis der Printausgabe. Diese Situation macht die Bibliotheken abhängig von Anbietern die nicht im Interesse der Bibliotheken handeln.

Titel von Indie-Verlagen oder aus dem Eigenverlag schaffen immer öfter den Sprung auf die Bestsellerliste und können im Gegensatz zu “Big 6” Titeln auch gekauft werden, so dass die Bibliothek nicht fürchten muss, Titel aufgrund von Änderungen der Verlagspolitik plötzlich zu verlieren. Und die DCL kann als eine der wenigen Öffentlichen Bibliotheken solche eBooks kaufen und verleihen.

Editiert am 8.4. (Link repariert)

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s